Urananreicherung Iran kündigt Atombeweis an

Während Experten an Irans Fähigkeit zum Atombombenbau zweifeln, betont Teheran weiter seine Fortschritte bei der Urananreicherung - und erklärt die nächste Kontrolle durch die Internationale Atomenergiebehörde als Möglichkeit zum Beweis.


Teheran - Die iranische Regierung zeigt sich überzeugt, dass bevorstehende Kontrollen durch die Internationale Atomenergie-Behörde IAEA die eigenen Angaben bestätigen würden. Der Vizechef der iranischen Atomenergiebehörde, Mohammed Saidi, wiederholte gegenüber dem Nachrichtensender Chabar erneut, Iran könne angereichertes Uran "im industriellen Maßstab" herstellen.

Iranische Atomanlage in Arak: Den Westen eines Besseren belehrt
AFP

Iranische Atomanlage in Arak: Den Westen eines Besseren belehrt

Saidi verwies dabei darauf, dass der Westen bereits öfter iranische Angaben bezweifelt habe und dann eines Besseren belehrt worden sei. So zum Beispiel im April vergangenen Jahres, als sich die Angaben Teherans zu den Fortschritten des Atomprogramms als richtig erwiesen hätten.

Die Bundesregierung hat sich erneut besorgt über eine mögliche atomare Bewaffnung Irans geäußert und an die Geschlossenheit der internationalen Gemeinschaft appelliert. "Wir setzen alles daran, dass man mit Geschlossenheit und Entschlossenheit der Weltgemeinschaft und mit diplomatischen Mitteln hier eine Lösung findet, die diese Bedrohung nicht Realität werden lässt", erklärte Regierungssprecher Ulrich Wilhelm in Berlin.

Nachdem der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad erklärt hatte, Iran sei zur industriellen Produktion von nuklearem Brennstoff in der Lage, hatten Sicherheitsexperten vor verfrühter Panik gewarnt.

Nach Ansicht der IAEA in Wien wird das Land frühestens in "vier bis sechs Jahren" über die Fähigkeit zum Bau einer Atombombe verfügen. "Es gibt also noch viel Zeit zu verhandeln", sagte IAEA-Sprecherin Melissa Fleming heute im Deutschlandfunk. Allerdings gebe es zurzeit keine sichtbaren Belege, dass sich Iran für den Bau einer Atombombe entschieden habe. IAEA-Inspekteure halten sich seit gestern wieder in Iran auf, um die iranischen Atomanlagen zu inspizieren.

Auch weitere Fachleute äußerten Zweifel an der Atomfähigkeit Irans. Der Leiter des Berliner Informationszentrums für Transatlantische Sicherheit, Otfried Nassauer, sagte zu den iranischen Erklärungen: "Rein von der technischen Seite ist das eine massive Übertreibung". In bisherigen Probeläufen seien die Zentrifugen nur rund ein Fünftel der Zeit im Einsatz gewesen - viel zu wenig für einen möglichen Dauerbetrieb. Giorgio Franceschini von der Hessischen Stiftung für Friedens- und Konfliktforschung bezweifelt gar, dass Iran überhaupt die behauptete Anzahl an Zentrifugen besitze.

joh/dpa/Reuters



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