Urananreicherung Iran will Atomkompromiss prüfen

Lenkt Teheran im Streit um sein Atomprogramm ein? Irans Außenminister Mottaki kündigte die Einsetzung einer technischen Kommission an, um den jüngsten internationalen Vermittlungsvorschlag zu prüfen. Danach soll Iran in Russland Uran anreichern lassen.

Irans Außenminister Mottaki: "Technische Kommission kann alle Fragen beantworten"
REUTERS

Irans Außenminister Mottaki: "Technische Kommission kann alle Fragen beantworten"


Kuala Lumpur - Iran will den Kompromissvorschlag über eine Urananreicherung im Ausland von einer technischen Kommission überprüfen lassen. "Vor zwei Tagen haben wir unsere Auffassungen und Betrachtungen der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA mitgeteilt", sagte der iranische Außenminister Manutschehr Mottaki am Rande eines Treffens in der malaysischen Hauptstadt Kuala Lumpur weiter. Mottaki betonte, Teheran habe den Vorschlag geprüft und habe einige technische und wirtschaftliche Anmerkungen dazu. Eine technische Kommission könne alle Fragen bewerten und prüfen, meinte Mottaki.

In dem Kompromissvorschlag geht es um 20 Prozent angereichertes Uran, das Iran für einen medizinischen Forschungsreaktor braucht. Es ist nicht für Waffen verwendbar. Statt das Material selbst anzureichern, soll Teheran niedrig angereichertes (3,5 Prozent) Uran nach Russland schicken, das den Brennstoff dann auf 20 Prozent bringt. Eine Einigung darauf wäre ein wichtiger vertrauensbildender Schritt und könnte die seit Jahren verfahrenen Atomverhandlungen mit Iran wieder in Gang bringen.

USA verlangen Klarheit von Iran

Am vergangenen Donnerstag hatte Iran der IAEA in Wien offiziell seine Antwort zu einem Kompromissvorschlag vorgelegt. Der iranische Gesandte bei der IAEA, Ali Asghar Soltanieh, sagte damals, Teheran stehe positiv zu dem Vorschlag, verlange aber einige "wichtige technische und wirtschaftliche" Änderungen.

Die internationale Gemeinschaft hatte sich unzufrieden mit der Antwort Irans auf die jüngsten Vorschläge zur Beilegung des Atomstreits gezeigt. Die USA verlangen von Iran in der Frage der Urananreicherung im Ausland mehr Klarheit. Auch Frankreich mahnte eine formelle Antwort Teherans zu dem Vorschlag an. Eine mündliche Antwort reiche nicht aus, sagte ein Sprecher des Außenministeriums in Paris. Während des EU-Gipfels in Brüssel forderten die Staats- und Regierungschefs Iran auf, den IAEA-Vorschlag anzunehmen.

Die Weltgemeinschaft befürchtet, dass Iran unter dem Deckmantel der zivilen Nutzung von Kernenergie heimlich den Bau der Atombombe anstrebt. Teheran beteuert immer wieder, sein Atomprogramm nur friedlich nutzen zu wollen, und beharrt trotz Sanktionen auf der niedrigen Anreicherung von Uran im eigenen Land. Niedrig angereichertes Uran wird für die Stromgewinnung gebraucht, sehr hoch angereichertes für Atomwaffen.

anr/dpa



insgesamt 3414 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
SaT 30.09.2009
1. Nicht bedrohlicher als andere
So bedrohlich wie das amerikanische, britische, französische, pakistanische, indische, israelische, nordkoreanische und russische Atomprogramm.
nahal, 30.09.2009
2.
Zitat von sysopIran will nicht über seine neue Atom-Anlage reden, die USA drängen auf Inspektionen und mögliche Sanktionen. Wie bedrohlich ist das iranische Atomprogramm?
Das iranische Atomprogramm ist sehr bedrohlich. In der Hauptsache ist es für das iranische Volk bedrohlich. Es ist nicht zu übersehen,dass die iranischen Machthaber die Warnungen der internationalen Gemeinschaft nicht ernst nehmen. Es wird zu weiteren Sanktionen kommen, die, leider,die Bevölkerung treffen werden. Sollten auch diese Sanktionen nicht fruchten, wird eine militärische Ausschaltung des iranischen Programms unausweichlich. Und das, unabhängig von dem Ausführenden.
ddorfer 30.09.2009
3.
Zitat von sysopIran will nicht über seine neue Atom-Anlage reden, die USA drängen auf Inspektionen und mögliche Sanktionen. Wie bedrohlich ist das iranische Atomprogramm?
Wie bedrohlich es ist kann ich nicht einschätzen. Jedenfalls deutet vieles darauf hin,dass es einen Militärschlag gegen den Iran geben wird(oder seine Atomanlagen),denn die plötzliche Abkehr Obamas vom Raketenschild kann eigentlich nur auf einen Kompromiss mit Moskau hinauslaufen,will heißen: kein Schild,dafür kein Veto Moskaus im Sicherheitsrat im Fall der Fälle.
Ludwig Schmidt 30.09.2009
4.
Zitat von sysopIran will nicht über seine neue Atom-Anlage reden, die USA drängen auf Inspektionen und mögliche Sanktionen. Wie bedrohlich ist das iranische Atomprogramm?
Das Atomprogramm ist aus geographischen Gründen für West-, Nord-, Ost- und Mitteleuropa ungefährlich. Bevor es ein Moment an Gefährlichkeit gewinnt, werden diese Anlagen und Systeme von Israel, Frankreich, UK und den USA militärisch beseitigt werden. Daran gibt es bei keinem Beteiligten, auch dem Iran selbst, Zweifel. Auch nicht daran, dass das funktionieren würde. Eine eventuelle Position der EU ist und bleibt uninteressant, weil UK und Frankreich sich dem Willen nicht beugen werden, liefe er konträr zu ihren Ansichten und es keine Möglichkeit gäbe, diese "einzufangen". Im Vorfeld werden die Russen versuchen zu schlichten und zu vermitteln, mit dem Ziel eines atomwaffenfreien Irans. Die Chinesen werden sich aus dem Streit gänzlich heraushalten und nur versuchen Gewinne dabei zu machen. Indien ist noch nicht soweit, um, auf welcher Seite auch immer, mitmachen zu können. Es ist und bleibt die Entscheidung des Irans: Frieden oder wie auch immer gearteter Angriff/ Krieg...über Begrifflichkeiten mögen sich andere streiten.
nahal, 30.09.2009
5.
"Saudi Arabia denied Wednesday a report in Britain's Sunday Express that said the Kingdom offered the Israel Air Force flight paths to attack Iranian nuclear facilities."
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.