Von der Leyen im Senegal und in Mali Reifeprüfung in Afrika

Bei ihrem Truppenbesuch in Afrika steht Ursula von der Leyen unter verschärfter Beobachtung. Die Verteidigungsministerin muss zeigen, wie ernst es ihr mit einem stärkeren Bundeswehr-Engagement südlich des Mittelmeers ist.

DPA

Aus Dakar und Bamako berichtet


Eigentlich hat alles geklappt, wäre da nicht die Sache mit dem Auto: Ursula von der Leyen läuft mit ihrem senegalesischen Amtskollegen über das Rollfeld in der Hauptstadt Dakar. Eben ist sie gelandet, die deutsche Verteidigungsministerin steuert geradewegs auf das erste Fahrzeug in einer Reihe schwarzer Limousinen zu.

"Das ist das falsche", ruft einer aus der Delegation. Von der Leyen macht eine halbe Drehung, will nun zum Auto dahinter gehen. Doch die Kamerateams versperren ihr den Weg. Also wieder eine Wende. Sie steigt in den ersten Wagen, Protokoll hin oder her.

Es ist eine kleine Richtungssuche am Anfang einer Reise, die für die Ministerin in mehrfacher Hinsicht Orientierung geben wird. Der Spontantrip in den Senegal und nach Mali ist für von der Leyen die zweite Reise in ein Einsatzgebiet der Bundeswehr. Vor Weihnachten war sie bereits in Afghanistan, der Besuch war allgemein erwartet worden.

Weniger Sonderwege für Deutschland

Die jetzige Tour ist politisch bedeutender. Die Verteidigungsministerin besucht die Gegenden, in denen die Truppe sich ab sofort stärker engagieren soll. "Der deutsche Beitrag ist enorm wichtig", sagte die CDU-Politikerin unmittelbar vor ihrer Abreise.

Tatsächlich ist der Bundeswehr-Einsatz nicht nur für das durch einen Militärputsch destabilisierte Mali wichtig, sondern auch für die Ministerin selbst. Im Interview mit dem SPIEGEL und wenige Tage danach auf der Münchener Sicherheitskonferenz hatte von der Leyen angekündigt, dass Deutschland sich in Afrika in Zukunft stärker engagieren werde. Es soll fortan weniger Sonderwege bei internationalen Einsätzen geben.

In von der Leyens gerade begonnener Amtszeit wird sich nun zeigen, was das bedeutet. Waren es bloß Ankündigungen - und am Ende ändert sich kaum etwas? Oder setzt sie einen echten Paradigmenwechsel in der deutschen Verteidigungspolitik durch?

In Mali sind die Veränderungen zunächst mal recht überschaubar: Am Mittwochmorgen, kurz vor der Abreise, hat von der Leyen gemeinsam mit dem Bundeskabinett das neue Bundeswehrmandat abgesegnet. Ab sofort liegt die Obergrenze für den deutschen Anteil an der europäischen Ausbildungsmission EUTM Mali nicht mehr bei 180, sondern bei 250 Soldaten.

Im Senegal unterstützt die Bundeswehr seit vergangenem Jahr den Einsatz französischer und afrikanischer Truppen im Nachbarland Mali. Unter anderem transportiert die Luftwaffe im Rahmen der Mission Minusma mit Transall-Flugzeugen Material und Personal der westafrikanischen Staatengemeinschaft Ecowas. In Dakar findet die Ministerin lobende Worte für die deutschen Soldaten: "Ich bin stolz und dankbar, dass Sie das tun", sagt sie am Mittwochabend bei einer Ansprache vor der Truppe.

"Ich bin gekommen, um von Ihnen zu lernen"

Noch am Dienstag ist von der Leyens Besuch ein streng gehütetes Geheimnis. Da steht sie am Vormittag im Einsatzführungskommando der Bundeswehr in Potsdam vor einem Mikrofon und starrt auf eine metergroße Videoleinwand, sie ist per Konferenzschaltung mit dem deutschen Kontingentführer in Mali verbunden. Am Ende des kurzen Gesprächs geht es auch um einen Truppenbesuch. "Früher oder später" werde sie auch Afrika besuchen, gibt sich die Ministerin unwissend. Kaum 24 Stunden später steigt sie bei strahlender Sonne in Berlin-Tegel in den Regierungs-Airbus.

Während ihrer Reise besucht von der Leyen sowohl im Senegal als auch in Mali die deutschen Truppen. Politische Gespräche stehen ebenfalls auf der Tagesordnung, in Mali trifft von der Leyen ihren Amtskollegen. Später wird sie von Staatspräsident Ibrahim Boubacar Keita empfangen.

Nach ihren international aufmerksam verfolgten Ankündigungen für mehr deutsches Engagement ist die Reise für von der Leyen eine Art Realitätstest. Erstmals informiert sich die Ministerin vor Ort über die Einsatzbedingungen, erstmals erfährt sie damit auch von konkreten Problemen. Nicht auszuschließen also, das die Ministerin am Ende der Reise einen anderen Blick auf Bundeswehreinsätze in Afrika hat.

Erstmal heißt es aber: zuhören, anschauen, diskutieren. Jeder Besuch ist für die neue Ministerin eine neue Etappe. "Ich bin gekommen, um von Ihnen zu lernen", sagt sie den Soldaten in Dakar.

Der Bundeswehr-Einsatz in Mali

insgesamt 39 Beiträge
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Seite 1
ptb29 06.02.2014
1. Worum geht es?
Um humanitäre Hilfe oder die Profilierungssucht einer Politikerin?
Pulmoll 06.02.2014
2. Klasse....
Steilvorlage für TITANIC !!
Dodelik 06.02.2014
3. Sollte eigentlich jedem zu denken geben,
wenn der Westen immer sofort zur Stelle ist wenn es um rohstoffreiche Länder geht.
grünbeck,harald 06.02.2014
4. Lächelnte Kriegsministerin
Sie sollte doch erst einmal ihre Hausaufgaben im eigenen Lande machen oder drückt sie sich davor und verschleudert lieber Steuergelder durch ihre Auslandsflüge. Will sie bei den Soldaten in Afrika lernen, wie man im Wüstensand Schürzenlöcher aushebt oder was? Diese Selbstdarstellun ko.....mich an. Man sollte dieser Dame Einhalt gebieten und eine befähigte Person mit militärischen Kenntnissen an die Spitze setzen.
althus 06.02.2014
5. Zuhören,anschauen,diskutieren...
Zitat von sysopDPABei ihrem Truppenbesuch in Afrika steht Ursula von der Leyen unter verschärfter Beobachtung. Die Verteidigungsministerin muss zeigen, wie ernst es ihr mit einem stärkeren Bundeswehr-Engagement südlich des Mittelmeers ist. http://www.spiegel.de/politik/ausland/ursula-von-der-leyen-auf-truppenbesuch-im-senegal-und-in-mali-a-951787.html
Ursula von der Leyen macht einen guten Job !
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