Ursula von der Leyen in Afghanistan Antreten für die Mutter der Kompanie

Sechs Tage ist Ursula von der Leyen im Amt, schon besucht sie die Bundeswehr in Afghanistan. Sie präsentiert sich als mütterliche Ministerin und verspricht, sich für Soldaten mit Familie einzusetzen. Erst mal, sagt sie, will sie die Rangabzeichen der Truppe lernen.

Aus Masar-i-Scharif berichten und


Für Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen ist Hauptfeldwebel Enrico B. ein Glücksfall. Kalt ist es auf dem riesigen Parkplatz des Feldlagers Masar-i-Scharif, die neue Ministerin hangelt sich auf ihrem Besuch bei der Truppe in Nordafghanistan seit Stunden von Termin zu Termin, sie will viel sehen. Jetzt ist eine Einheit dran, die liegengebliebene Bundeswehrpanzer bergen kann. Dann steht sie vor dem jungen Soldaten aus Bayreuth, er lehnt mit Maschinengewehr, Schussweste und Munitionsgürteln an einem Auto. Und siehe da, jetzt menschelt es endlich richtig.

Gerade hat die Ministerin Enrico B., wie viele seiner Kameraden, gefragt, wie lange er im Einsatz ist. Der Soldat erzählt, dass seine Einsätze in Afghanistan nicht einfach seien für seine Familie, seine fünf Kinder vermissten ihn. Am heutigen Adventssonntag sei auch noch sein Hochzeitstag. Die Chance lässt sich von der Leyen nicht entgehen. Ihr Lächeln springt an, herzlich drückt sie den jungen Mann, der die Feiertage in Afghanistan verbringen muss. Die Kameras richten sich auf die Szene. Die mütterliche Ministerin wird ein zentrales Symbol der Reise sein.

Die Szene auf dem Parkplatz markiert den vorläufigen Höhepunkt der ersten Dienstreise der neuen Ministerin. Zwar sind die Truppenbesuche von Verteidigungsministern spätestens seit dem Polit-Popstar Karl-Theodor zu Guttenberg eine Art Emotions-Show für die Soldaten und das Publikum daheim.

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Von der Leyen: Verteidigungsministerin am Hindukusch

Von der Leyen allerdings gab ihrem Antrittsbesuch noch mal einen neuen Dreh. Statt mit Stahlhelm und Schussweste präsentiert sie sich als zivile Mutter der Kompanie, als menschliche Kümmerin, eine Art Wehrbeauftragte mit Ministertitel.

Spektakel zum Frühstück

Turbulent war schon der Beginn des hektisch geplanten Trips am Tag sechs im neuen Amt. Am frühen Morgen nach sechs Stunden Nachtflug mit dem Regierungs-Airbus aus Berlin gelandet, rauschte von der Leyen mit dem riesigen Tross von 43 Reportern zum Frühstück in die Kantine. Die Delegationsgröße war ein Rekord, so viele Berichterstatter, darunter auch Society-Blätter wie die "Bunte", waren noch nie mit einem Minister am Hindukusch. Von der Leyen ist zweifellos der Star des neuen Kabinetts. Ihr Büro musste rund 20 weiteren Zeitungen absagen.

Schon aus dem Frühstück wird ein kleines Spektakel. Die Kameras umringen den Tisch mit der ersten Frau an der Spitze des Verteidigungsministeriums und einigen Soldaten. Von der Leyen genießt ihre Rolle, schmiert sich ein Marmeladenbrötchen, schwenkt den Kopf von rechts nach links, alle Fotografen bekommen ein gutes Bild von ihr. Dann eilt sie nach draußen für ihr erstes Statement. In mehreren Variationen sagt sie, dass sie so schnell wie möglich ihre Truppe in Afghanistan besuchen wollte, als Ministerin sei sie immer für die Soldaten da. Der Satz wird an dem Tag noch häufiger fallen.

Rangabzeichen der Bundeswehr lernen

Danach geht es von Einheit zu Einheit, sie nimmt sich bewusst sehr viel Zeit. Während Thomas de Maizière pflichtschuldig die goldene Guttenberg-Regel befolgte und alle drei Monate für einen Tag nach Afghanistan reiste, bleibt von der Leyen über Nacht. Am Montag wird sie weiter mit Soldaten sprechen.

Schon jetzt haben viele die Ankündigung von der etwas menschlicheren Ministerin aufgesogen. Mehr Zugeständnisse für Soldaten mit Familie und Kindern und mehr Respekt in der Öffentlichkeit - solche Versprechen kommen bei der Truppe gut an.

Beim Antrittsbesuch macht von der Leyen deutlich, dass sie in diesen zwei Tagen keine politischen Entscheidungen über die Zukunft der deutschen Mission in Afghanistan treffe. Über Weihnachten, sagt sie, müsse sie erst mal die Rangabzeichen der Bundeswehr lernen. Nach einem Gespräch mit dem amerikanischen Isaf-Kommandeur Joseph Dunford rattert sie nur ein paar Zahlen herunter über die kleinen Fortschritte im Land, die es zu erhalten gelte. Die massiven Probleme beim Abkommen mit der Kabuler Regierung für die geplante Trainingsmission ab dem Jahr 2015 streift sie nur.

Am Abend hält von der Leyen schließlich ihre erste Rede vor mehreren hundert Soldaten. Bei Glühwein und Süßigkeiten lauscht die Truppe im Innenhof des "Atriums", eines Treffpunkts für Soldaten, den Worten der neuen Ministerin. Wieder geht es vor allem um das Gefühl. "Sie können sich auf mich verlassen", sagt von der Leyen. Wiederholt spricht sie den Soldaten Respekt für die Arbeit aus, sie sei sich über die Gefahr bei der Arbeit bewusst. Jetzt aber wolle sie weiter mit einzelnen Soldaten reden, zur Not bis in die späte Nacht.

insgesamt 94 Beiträge
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semper-idem 22.12.2013
1. Naja
Showveranstaltung erster Güte wie schon bei Marilyn Truppenbetreuung wie von Marilyn Monroe selig. Kontinuität der Witzfiguren im BMVtdg: Wörner, Bademeister Scharping, der Dings aus Hessen und Guttenberg.
Augustusrex 22.12.2013
2.
Ist das jetzt eine Drohung? Bisher hat sie doch so gut wie alles versemmelt, was sie angefasst hat.
Nabob 22.12.2013
3. Schlimmer als zu Guttenberg,
Zitat von sysopDPASechs Tage ist Ursula von der Leyen im Amt, schon besucht sie die Bundeswehr in Afghanistan. Sie präsentiert sich als mütterliche Ministerin und verspricht, sich für Soldaten mit Familie einzusetzen. Erst mal, sagt sie, will sie die Rangabzeichen der Truppe lernen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/ursula-von-der-leyen-in-afghanistan-kommandeurin-der-herzen-a-940559.html
sie interessiert sich doch gar nicht für die Soldaten, sie nimmt es hin als notwendiges Übel sich darum kümmern zu müssen, startet sodann die Flucht nach vorne (interessiert sich natürlich immer noch nicht für die Bundeswehr), alles ist nur Durchgangsstation im Karrierewahn - mehr als Papa erreichen. Hat sich schon mal jemand ihre Doktorarbeit kritisch angesehen :-) Jedenfalls benötigt Deutschland solche sich vor lauter Geltungssucht um sich drehenden Brummkreisel nicht; diese Frau hat NULL sozialer Kompetenz, ist kalt wie Hundeschnauze und berechnend wie die Merkel. Demokratie ade!
freddykruger, 22.12.2013
4. aua
die Glucke und ihre Heerschar. Aus den Brunnenbauern wird jetzt eine Bastel und Häkelarmee.
El Plagiator 22.12.2013
5. Hätte nicht gedacht das Sie es schafft...
bei einem Truppenbesuch im Ausland ihr Lieblingsthema Kinder in den Mittelpunkt zu stellen.
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