Ursula von der Leyen in Afghanistan Ein Blick in die Zukunft

Die Verteidigungsministerin besucht Afghanistan, das letzte Mal während des 13-jährigen Kampfeinsatzes. Ursula von der Leyen bemüht sich, den positivem Wandel im Land zu betonen.

Aus Masar-i-Sharif berichtet


Können wir fahren? Nein? Doch! Oder lieber nicht? Ein Anschlag direkt in Masar-i-Sharif? Nahe der Blauen Moschee! Und das gerade jetzt, während die deutsche Verteidigungsministerin die Stadt besucht!

Dann die Entwarnung. Ein Fehlalarm. Es gab keinen Anschlag, keine konkrete Gefahr. Die Autokolonne mit Ursula von der Leyen setzt sich planmäßig in Richtung deutsches Generalkonsulat in Bewegung. Mit einigen Minuten Verspätung kommt von der Leyen in dem durch hohe Mauern und Stacheldraht gesicherten Gelände an.

Der scheinbare Anschlag war ein Schreckensmoment für die Verteidigungsministerin am ersten Tag ihrer diesjährigen Weihnachtsreise an den Hindukusch. Er steht sinnbildlich für die Situation in Afghanistan, wenige Wochen vor Ende des Kampfeinsatzes. Auch nach fast 13 Jahren militärischer Unterstützung ist die Lage im Land unberechenbar. Zu jeder Zeit und an jedem Ort kann ein Anschlag die Hoffnung auf Besserung der Lebensumstände wieder zunichte machen. Es kann jeden treffen.

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Abschiedsbesuch: Von der Leyen in Afghanistan
Von der Leyen besucht dennoch an diesem Wochenende Afghanistan mit der Mission, eine hoffnungsvolle Botschaft zu überbringen. Nach dem Motto: Die Bundeswehr beendet den Kampfeinsatz, aber Afghanistan geht es besser als vor der Mission. Und, zweite Botschaft: Damit das auch so bleibt, wird auch die Bundeswehr im kommenden Jahr wenigstens Ausbilder im Land lassen.

Echter Frieden ist noch weit entfernt

Entsprechend ist das Programm zusammengestellt. Am Morgen besucht die Ministerin das Ausbildungscamp "Shaheen" unweit des Bundeswehrstützpunktes in Masar-i-Sharif. Vor Ort trifft sie afghanische Pioniere, die einer Theaterinszenierung gleich vor ihr an Wasserrohren herumwerkeln oder den Motor eines Nutzfahrzeuges inspizieren.

Mit der Routine von mittlerweile drei Afghanistan-Reisen schlendert von der Leyen von Station zu Station, am Ende fehlt es nicht an Lob: "Es ist beeindruckend zu sehen, dass die Afghanen mit Stolz ihre Aufgaben übernehmen", sagt sie, "wir sind jetzt in der zweiten Reihe".

Ministerin mit Studentinnen: "Ich habe hier heute die Zukunft Afghanistans gesehen"
DPA

Ministerin mit Studentinnen: "Ich habe hier heute die Zukunft Afghanistans gesehen"

Danach trifft die Ministerin im Generalkonsulat ein Dutzend afghanische Jurastudentinnen, mit denen sie sich zum Gespräch zurückzieht. Der zivile Teil des Besuchs hat begonnen. Das Gespräch zieht sich, von der Leyen vergisst den Zeitplan und verquatscht sich mit den Studentinnen. Am Ende steht eine Einladung nach Deutschland, sobald die jungen Frauen ihren Bachelor bestanden haben.

Es sind die Momente, die von der Leyen genießt. Sie mit jungen Menschen, das hat etwas von moderner Bundeswehrarbeit. "Ich habe hier heute die Zukunft Afghanistans gesehen", sagt von der Leyen. Am Ende bekommen die Frauen noch ein Gruppenfoto.

Es wären schöne Bilder, würde die Realität in diesen Wochen in Afghanistan nicht auf so schreckliche Weise klarmachen, dass am Hindukusch echter Frieden noch weit entfernt ist. Erst vor wenigen Tagen starb ein deutscher Entwicklungshelfer in Kabul, als ein Selbstmordattentäter in einer Schule einen Sprengsatz direkt neben ihm zündete.

Fast im Tagesrhythmus erschüttern Afghanistan in diesen Wochen vergleichbare Vorfälle. Die Taliban verfolgen dabei ein strategisches Ziel: Sowohl dem neuen Präsidenten Ashraf Ghani als auch den internationalen Truppen in ihrer Abzugsphase soll es möglichst schwer gemacht werden. "Die Taliban versuchen, die junge Regierung zu destabilisieren", sagt von der Leyen, "die Sicherheitslage ist fragil".

Dann überschattet eine Nachricht aus Deutschland den Besuch der Ministerin: Ihr Vater Ernst Albrecht, der langjährige Ministerpräsident Niedersachens, ist gestorben. Von der Leyen tritt vor das Mikrofon und erklärt den Soldaten, dass geplante Programmpunkte nun entfallen müssten.

Am Abend ist Weihnachtsmarkt im Camp, fast genau ein Jahr nach von der Leyens erstem Besuch vor Ort. Es ist nicht mehr ganz so voll wie damals. Die Anzahl der deutschen Soldaten hat sich seitdem etwa halbiert. Anzeichen eines nahenden Abzugs.

insgesamt 7 Beiträge
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privado 13.12.2014
1. Kabul, 40 Grad...
...und die Frisur sitzt. Deutschland sollte alle Truppen jedweder Couleur aus Afghanistan abziehen, den unterstützenden afghanischen Mitarbeitern Asyl in der BRD gewähren und jegliche Hilfszahlungen einstellen. Der Einsatz in Afghanistan war und ist ein Irrweg. Abermillionen von Steuergeldern und Menschenleben wurden hier leichtfertig von der Politik vergeudet. Nur will das immer noch kein Politiker eingestehen.
adelsexperte 13.12.2014
2. Es ist so peinlich
Mensch einfach nur mal ehrlich sein. Es weiß doch sowieso jeder. Leute es ist schief gegangen. Nichts gelernt. Verantwortung übernehmen ? Mit folternden Freunden? Klappe halten , nicht einmischen , das wäre unsere Zukunft und wir hätten keine Feinde.
Reinhold Schramm, 13.12.2014
3. - internationale afghanische Geschäfte
Afghanistan war ein Geschäft für die Aktionär/innen der Rüstungsindustrien. Auch weiterhin geht es um geopolitische und Wirtschaftsinteressen in der Region. Im Kern vor allem um Rostoffinteressen. Nach US-amerikanischen Berechnungen im Wert um 1 Billion Dollar (mehr als 700 Mrd. Euro). Nach Berechnungen der afghanischen Übergangsregierung, im Gesamtwert von rund 3 Billionen USD (ca. 2.400 Milliarden Euro). Die VR China befindet sich bereits relativ friedlich im Geschäft.
chjuma 14.12.2014
4. ok...
Taliban randaliert ungeniert weiter, Leute werden weiter umgebracht...wieso doch gleich zieht die Bundeswehr ab?? Eigentlich weil sie ja da nicht hingehört...richtig...Aber nun haben wir da was angefangen und bringen das nicht zu Ende??? Wofür zum Geier sind unsere Soldaten dort gefallen?? Aber das ist Politikern egal. Schickt Eure eigenen Kinder da hin...wenn Ihr so einen Schwachsinn verzapft...es ist unglaublich....
Hank Hill 14.12.2014
5. Der ganze Einsatz
der Bundeswehr war nutzlos. Er wurde ja nur als Kompensation dafür gemacht, weil Schröder auf keinen Fall in den Irak wollte. Das wäre auch nicht nötig gewesen. Es war abzusehen, die UNO würde dafür kein Mandat geben. Und so hat sich auch eine große Mehrheit der relevanten Länder damals verhalten. Weder Kanada, noch Japan, z.b. waren im Irak. Schröder hat das damals aus rein wahltaktischen Überlegungen gemacht. Es kommt in Deutschland natürlich gut an wenn "man es dem Ami" vermeintlich mal zeigt. Die Soldaten der Bundeswehr in Afghanistan sind für nichts gestorben. Der größte Spruch war der: unsere Freiheit wird am Hindukusch verteidigt.
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