Reaktionen auf Wahl von der Leyens "Jetzt gilt's, Europa wieder zusammenzuführen"

Denkbar knapp wurde Ursula von der Leyens zur EU-Kommissionspräsidentin gewählt. Auch scharfe Kritiker gratulierten zum Wahlsieg - jetzt müsse sie ihre Versprechen allerdings umsetzen.

Szilard Koszticsak/EPA-EFE/REX

Mit knapper Mehrheit ist Ursula von der Leyen zur EU-Kommissionspräsidentin gewählt worden. Dass die CDU-Politikerin die Wahl mit nur neun Stimmen mehr als nötig gewann, zeigt, dass bei Weitem nicht alle Abgeordneten hinter der Personalie stehen. Gratulationen zum Sieg erhielt von der Leyen nach der Wahl jedoch auch von Gegnern - diese erinnerten die künftige Kommissionschefin an ihre Verantwortung.

"Wir wünschen ihr eine glückliche Hand bei den anstehenden Aufgaben. Jetzt gilt's, Europa wieder zusammenzuführen. Auf diesem Weg werden wir sie nach Kräften unterstützen", twitterte etwa der kommissarische SPD-Vorsitzende Thorsten Schäfer-Gümbel. Die SPD-Abgeordneten im Europaparlament hatten zuvor angekündigt, geschlossen gegen von der Leyen zu stimmen.

Widerstand hatte es vor der Wahl auch von den Grünen gegeben - dabei blieb es wohl. "Wir Grünen wurden für eine Agenda des Wandels gewählt und haben von Ursula von der Leyen nicht genug zu unseren Kernforderungen, insbesondere keine konkreten Antworten auf die Klimakrise, gehört", sagte die Fraktionsvorsitzende der Grünen im EU-Parlament, Ska Keller.

Man habe die Kandidatur von der Leyens "mit großer Mehrheit nicht unterstützt", wolle nun aber "konstruktiv dazu beitragen, die EU in Richtung einer vertieften europäischen Demokratie, echtem Klimaschutz und einer gemeinsamen europäischen Asylpolitik weiter zu entwickeln", sagten die Grünenvorsitzenden Annalena Baerbock und Robert Habeck.

AfD und Linke kritisierten von der Leyens Wahl dagegen scharf. "Das EU-Parlament hat sich mit der Wahl von Frau von der Leyen ganz sicher keinen Gefallen getan", schrieb etwa der Fraktionsführer der Linken, Bernd Riexinger. AfD-Fraktionschefin Alice Weidel schrieb, die Wahl von der Leyens spalte Europa weiter.

Spitzenkandidaten der Fraktionen gratulieren

Die Spitzenkandidaten der größten Fraktionen im EU-Parlament gaben sich als gute Verlierer. "Glückwünsche an von der Leyen", schrieb der EVP-Spitzenkandidat Manfred Weber. Man werde gemeinsam für ein starkes, ehrgeiziges und demokratischeres Europa kämpfen, so Weber.

Auch der Spitzenkandidat der europäischen Sozialdemokraten, Frans Timmermans, gratulierte. Von der Leyen habe das demokratische Mandat erhalten, das grüne und soziale Programm, was sie in ihrer Rede versprochen habe, umzusetzen.

Auch Margrethe Vestager, die zeitweise als liberale Kandidatin für das Amt gehandelt wurde, twitterte, sie freue sich auf die Zusammenarbeit mit von der Leyen.

Merkel: Ministerin verloren, Partnerin gewonnen

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zeigte sich erfreut über die Wahl von der Leyens. "Auch wenn ich heute eine langjährige Ministerin verliere, gewinne ich eine neue Partnerin in Brüssel", sagte Merkel. Von der Leyen ist formal noch Bundesverteidigungsministerin, hatte aber bereits vor der Wahl im EU-Parlament angekündigt, den Posten unabhängig vom Wahlergebnis am Mittwoch aufzugeben.

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Von der Leyen: "Ich bin nach Hause gekommen"

Aus dem Ausland äußerte sich etwa der Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg. "Ihr tiefgreifendes Wissen über die Nato wird uns gute Dienste leisten, und wir werden die Zusammenarbeit zwischen Europa und Nordamerika weiter stärken", schrieb Stoltenberg auf Twitter. "Heute hat Europa ihr Gesicht", sagte Frankreichs Präsident Emmanuel Macron. Er hatte von der Leyens Kandidatur stark befürwortet.

Vom derzeitigen Amtsinhaber Jean-Claude Juncker kam: "Dieser Job ist eine riesige Aufgabe und eine Herausforderung. Ich bin sicher, dass Sie eine großartige Präsidentin werden. Willkommen zu Hause!"

fek/AFP



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