Urteil im Terror-Prozess Qaida-Mann Moussaoui zu lebenslanger Haft verurteilt

Zacarias Moussaoui hatte seine Hinrichtung gewünscht, um als Märtyrer zu sterben - vergeblich. Die Geschworenen verurteilten den französischen Qaida-Mann zu einer lebenslangen Haftstrafe.

Alexandria - Angehörige von Opfern der Anschläge reagierten mit gemischten Gefühlen auf das Jury-Votum: "Er wird für den Rest seines Lebens im Gefängnis sitzen, und das ist genau das, was er verdient hat", sagte eine junge Frau in einer ersten Stellungnahme. Sie pflichtete damit ihrer Vorrednerin, Rosemary Dillard, bei. Das Urteil zeige, dass die USA eine faire Gesellschaft seien und selbst mit Terroristen respektvoll umgehen würden, sagte diese unter Tränen. Abraham Scott dagegen, der bei den Anschlägen vom 11. September seine Frau verloren hatte, zeigte sich empört. "Ich glaube an die Todesstrafe", rief er. US-Präsident George W. Bush sagte, das Urteil bedeute "das Ende dieses Falles aber nicht das Ende im Kampf gegen Terrorismus".

Immer wieder hatten die Geschworenen im US-Terrorprozess gegen Zacarias Moussaoui ihre Entscheidung verschoben. Am siebten Beratungstag fällten sie dann ihr Urteil: lebenslange Haft für den Angeklagten - eine Entlassung ist nicht möglich. Als Moussaoui den Gerichtssaal kurz nach der Urteilsverkündung verließ, rief er den Anwesenden zu: "Amerika, du hast verloren."

Mit dem Urteil ist der 37-jährige Franzose der Todesstrafe, wie von der Staatsanwaltschaft gefordert, knapp entronnen. In einem früheren Votum hatte die Jury erklärt, dass eine Verurteilung zum Tode im Fall Moussaoui prinzipiell möglich sei. Für eine solche Entscheidung wäre ein einstimmiger Beschluss nötig gewesen.

Gerichtssprecher Edward Adams wollte sich heute nicht dazu äußern, mit welcher Stimmenverteilung die neun Männer und drei Frauen ihren Beschluss über das Strafmaß trafen. Aber: Drei der Geschworenen seien der Ansicht gewesen, dass Moussaoui kaum Kenntnisse über die Anschläge vom 11. September hatte. Drei beschrieben seine Rolle als gering, falls er überhaupt eine gehabt haben sollte.

Moussaoui wird zur Last gelegt, dass er die Anschläge mit einer rechtzeitigen Aussage hätte verhindern können. Der in Marokko geborene Moussaoui war einen Monat vor den Anschlägen in New York und Washington festgenommen worden. Er hat gestanden, sich an einer Verschwörung der Terrororganisation al-Qaida für eine Flugzeugentführung beteiligt zu haben. Seine Schuld stand damit schon vor den Beratungen der Geschworenen fest. Die Jury hatte nur noch darüber zu entscheiden, ob der Qaida-Mann den Rest seines Lebens im Gefängnis verbringen oder ob er zum Tode verurteilt werden sollte.

Für besonderen Aufruhr während seines Prozesses hatte Moussaoui am 27. März mit einer überraschenden Aussage gesorgt: Er selbst, so behauptete er, sollte an den Anschlägen mitwirken. Seine Aufgabe sei es gewesen, ein Flugzeug ins Weiße Haus zu steuern, das hätte er getan, wäre er nicht vorher festgenommen worden. Für Moussaouis Verteidiger war diese Aussage ein herber Rückschlag. Sie hatten sich im Laufe des Prozesses verstärkt bemüht, ihren Mandanten als geistig verwirrt erscheinen zu lassen.

fok/AP/AFP

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