Urteil in China Mutter erhält Entschädigung für Arbeitslager

Die Chinesin Tang Hui wurde zur Umerziehung in ein Arbeitslager gesperrt. Ihr Vergehen: Sie hatte öffentlich eine noch härtere Strafe für die Vergewaltiger ihrer Tochter verlangt. Jetzt sprach ein Gericht der Mutter überraschend eine Entschädigung zu.

Tang Hui im Gerichtssaal in Changsha: Erfolg, mit dem sie nicht mehr rechnete
AFP

Tang Hui im Gerichtssaal in Changsha: Erfolg, mit dem sie nicht mehr rechnete


Peking - Es ist ein später Erfolg für Tang Hui. Die Chinesin bekommt für ihren Aufenthalt in einem Arbeitslager umgerechnet knapp 360 Euro (2941 Yuan) zugesprochen. Ein Sprecher des Gerichts in der Stadt Yongzhou, die im Süden der zentralen Provinz Hunan liegt, bestätigte das Urteil.

Der Richterspruch kommt überraschend. Zunächst hatten die Richter die Klage der Frau gegen die Umerziehungsmaßnahme abgewiesen. Tang hatte die Erfolgsaussichten ihrer Berufung selbst als gering eingeschätzt. Im chinesischen Kurznachrichtendienst Sina Weibo dankte sie nach dem Richterspruch ihren Unterstützern.

Tangs Fall hatte für öffentliche Empörung gesorgt. Sie war zu 18 Monaten Arbeitslager verurteilt worden, weil sie höhere Strafen für die Vergewaltiger ihrer Tochter gefordert hatte - für die Richter stellte dies eine "Störung der öffentlichen Ordnung" dar.

2006 hatten sieben Männer ihr damals elfjähriges Mädchen entführt, vergewaltigt und zur Prostitution gezwungen. Im Juni 2012 wurden zwei der Täter zum Tode verurteilt, vier erhielten lebenslange Haftstrafen, und einer sollte 15 Jahre in Haft.

Die Mutter protestierte aber weiter vor Regierungsgebäuden. Sie forderte Ermittlungen gegen die Polizisten. Diese hatten die Täter ihrer Meinung nach geschützt. Daraufhin wurde Tang festgenommen und in ein Arbeitslager geschickt. Ihr Fall löste Proteste aus, nach acht Tagen wurde sie wieder freigelassen.

In China kann die Polizei laut einem Gesetz aus dem Jahr 1957, das den Titel Umerziehung durch Arbeit trägt, Menschen bis zu vier Jahre ohne Prozess in ein Arbeitslager schicken. Ministerpräsident Li Keqiang hatte im März angekündigt, das System reformieren zu wollen.

heb/AFP/Reuters



insgesamt 36 Beiträge
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splat105 15.07.2013
1. Vorbild
Das Strafmaß für die Vergewaltiger wäre eine schöne Blaupause für Deutsches Straf?recht?.
outsider-realist 15.07.2013
2.
Ist China nicht das Land, das von manchen hier stets mit der "Bananenrepublik Deutschland" verglichen wird und als Vorbild gilt?
lilochilo 15.07.2013
3. optional
...die Geschichte einer unglaublich mutigen Frau die sich immer und immer wieder traut in einem Land wie China laut ihr Recht einzufordern.
dr.joe.66 15.07.2013
4. Stimme (fast) zu!
Zitat von splat105Das Strafmaß für die Vergewaltiger wäre eine schöne Blaupause für Deutsches Straf?recht?.
Ich bin aus ethischen Gründen gegen die Todesstrafe. Aber Lebenslänglich (und zwar wirklich lebenslänglich!) für die Gruppen-Vergewaltigung einer 11-Jährigen finde ich angemessen.
senkyenol 15.07.2013
5. Wie wäre es bei uns?
Bei uns wären die Vergewaltiger wohl schon nach 5-7 Jahren mit etwas Bewährung aus dem Gefängnis gekommen, wenn sie nicht vorbestraft sind. Vielleicht sogar nach 2 Jahren? Die Frau wäre bei einem Justizfehler sicher nicht schon nach 8 Tagen rausgekommen. Dafür mahlen die Mühlen der Justiz zu langsam bei uns und Staatsanwaltschaften würden bei Fehlern sicher nur auf Zeit spielen. So gut es auch ist, im deutschen Rechtsstaat zu leben, es ist schockierend, wie lasch die Strafen bei uns sind.
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