Urteil nach Haditha-Massaker im Irak US-Soldat kommt mit Degradierung davon

Seine Mitschuld am Tod von 24 irakischen Zivilisten hatte er eingeräumt - trotzdem muss Frank Wuterich wegen des Massakers von Haditha nicht hinter Gitter. Der US-Soldat wird zwar degradiert, erhält aber weiter sein volles Gehalt.
US-Soldat Wuterich: Mildes Urteil im Haditha-Prozess

US-Soldat Wuterich: Mildes Urteil im Haditha-Prozess

Foto: Chris Carlson/ AP

Camp Pendleton - Stundenlang waren US-Soldaten am 19. November 2005 durch die irakische Stadt Haditha gezogen und hatten auf unbewaffnete Bewohner gefeuert. 24 Menschen starben, darunter zehn Frauen und Kinder. Nun ist die juristische Aufarbeitung eines der schwersten Kriegsverbrechen der US-Armee im Irak beendet - und auch dem letzten der ursprünglich acht beschuldigten Soldaten bleibt eine Gefängnisstrafe erspart.

Ein Militärgericht im Bundesstaat Kalifornien verurteilte den Unteroffizier Frank Wuterich am Dienstag (Ortszeit) wegen Verletzung der Dienstpflicht zwar zu 90 Tagen Haft. Aus Verfahrensgründen muss er sie aber nicht absitzen.

Wuterich hatte sich am Montag vor dem Gericht auf dem Militärstützpunkt Camp Pendleton schuldig bekannt, bei der Tötung von der Zivilisten in Haditha durch seine Einheit im November 2005 seine Dienstpflicht verletzt zu haben. Im Gegenzug ließ die Anklage den Vorwurf des Totschlags fallen. "Ziel war nie, auf Zivilisten zu schießen. Ziel war, im Angesicht des Feindes nicht zu zögern", hatte Wuterich während des Prozesses zu Protokoll gegeben. Er selbst habe nicht auf Frauen oder Kinder geschossen.

Gegen sieben andere wegen des Massakers beschuldigte Soldaten waren die Strafverfahren in den vergangenen Jahren aus verschiedenen Gründen eingestellt worden.

Nach der zwischen Anklage und Verteidigung geschlossenen Vereinbarung hatten Wuterich ohnehin nur maximal drei Monate Gefängnis gedroht. Bei der Verkündung des Strafmaßes am Dienstag degradierte das Militärgericht den Soldaten zum einfachen Gefreiten. Gehaltseinbußen wurden aber nicht gegen den 31-Jährigen verhängt. Das Gericht führte als mildernden Umstand Wuterichs Situation als alleinerziehender Vater von drei Töchtern an.

Rachefeldzug in den Straßen von Haditha

Am 19. November 2005 war eine Gruppe Marineinfanteristen unter Wuterichs Kommando nach dem Tod eines Kameraden bei einem Bombenanschlag in einem Rachefeldzug durch die Stadt Haditha in der Provinz Anbar im Nordwesten des Landes gezogen. Die US-Armee hatte anfangs erklärt, die Zivilisten seien durch einen Sprengsatz ums Leben gekommen. Recherchen des US-Magazins "Time" brachten das Massaker 2006 schließlich ans Licht, auch die "New York Times" berichtete ausführlich über den Fall.

Chalid Salman, Gemeinderat in Haditha und Opferanwalt, nannte das Urteil einen "Angriff auf die Menschlichkeit". Bewohner der irakischen Stadt und Angehörige der Opfer zeigten sich schockiert und angewidert über die US-Militärjustiz. Schon deren bisherige Entscheidungen zum Haditha-Massaker waren in der irakischen Bevölkerung mit Empörung aufgenommen worden.

Im Dezember waren die letzten US-Truppen aus dem Land abgezogen worden. Eine weitere Stationierung war daran gescheitert, dass Bagdad den US-Soldaten nicht länger Schutz vor Strafverfolgung gewähren wollte.

jok/dapd/Reuters
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