Urteil in Straßburg Russland muss Tschetschenen 260.000 Euro zahlen

Vor mehr als zehn Jahren verschleppten russische Soldaten vier Tschetschenen. Zwei wurden getötet, von den beiden anderen fehlt jede Spur. Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte hat ihren Familien nun Schadensersatz zugesprochen.

Europäischer Gerichtshof für Menschenrechte: Russland muss zahlen
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Europäischer Gerichtshof für Menschenrechte: Russland muss zahlen


Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) hat Russland zur Zahlung von 260.000 Euro Schadensersatz an die Familien von vier Tschetschenen verurteilt.

Russische Soldaten hatten die Männer zwischen 2000 und 2004 in Tschetschenien verschleppt. Zwei von ihnen wurden nach Angaben ihrer Familien erschossen, die beiden anderen sind bis heute spurlos verschwunden. Die Familien hatten vor dem EGMR geklagt, weil die russische Justiz keine ausreichenden Anstrengungen unternommen habe, um das Schicksal der Männer aufzuklären.

Moskau hatte entgegnet, die Schuld der russischen Soldaten am Tod der Männer oder an ihrem Verschwinden sei nicht bewiesen.

Das Gericht in Straßburg gab nun aber den Familien Recht. Russland habe die Fälle nicht gründlich genug untersucht und habe wegen des Leids der Familien gegen das Verbot menschenunwürdiger Behandlung verstoßen, urteilten die Richter. So hätten dir russischen Ermittler weder den örtlichen Militärkommandeur, noch die Beamten der zuständigen Polizeidienststelle befragt, um das Schicksal der verschleppten Tschetschenen aufzuklären.

Moskau kann gegen das Urteil Berufung beantragen, die der EGMR aber auch ablehnen kann.

Es ist nicht die erste Verurteilung gegen Russland: Im März ging es schon einmal um einen Fall aus dem Tschetschenien-Krieg. Zwischen 2001 und 2005 waren drei Andere von russischen Militärs in Tschetschenien entführt worden und sind seitdem spurlos verschwunden. Schon damals urteilten die Straßburger Richter, dass die russischen Behörden nicht ausreichend ermittelt hätten, um die Angehörigen über das Schicksal der Verschollenen aufzuklären. Moskau wurde dafür zu 80.000 Euro Schmerzensgeld verurteilt.

syd/dpa



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