Urteil US-Verwandte dürfen Elián nicht besuchen

Im Fall des kubanischen Flüchtlingsjungen Elián hat ein US-Gericht ein neues Urteil gefällt. Die Richter lehnten es ab, dass die US-Verwandten, bei denen der Sechsjährige nach seiner Flucht monatelang lebte, Elián besuchen dürfen. Der Streit um den Jungen hat offenbar auch zu einem Eklat in der Stadtverwaltung von Miami geführt.


Darf seine Verwandten aus den USA vorerst nicht wiedersehen: Elián González
REUTERS

Darf seine Verwandten aus den USA vorerst nicht wiedersehen: Elián González

Atlanta/Miami - Vor fünf Tagen drangen schwerbewaffnete Polizisten in das Haus von Eliáns Verwandten in Miami ein und brachten den Jungen zu seinem Vater. Jetzt hat ein Bundesgericht in Atlanta den Angehörigen aus den USA das Recht abgesprochen, ihren ehemaligen Schützling zu besuchen. Stattdessen akzeptierten die Richter das Angebot der amerikanischen Regierung, regelmäßige Berichte eines Psychiaters und Sozialarbeiters über das Kind zu liefern.

Das Gericht in Atlanta bekräftigte, dass Elián an keinen Ort gebracht werden darf, der diplomatische Immunität besitzt und daher amerikanischen Behörden einen Zugriff verbieten würde. Damit soll sichergestellt werden, dass das Kind bis zur endgültigen richterlichen Entscheidung über seine Zukunft die USA nicht verlässt. Elian hält sich mit seinem Vater auf einem abgeschiedenen Anwesen an der amerikanischen Ostküste auf.

Vier Klassenkameraden von Elián reisten zusammen mit ihren Eltern und einer Kinderärztin in die USA. Sie sollten Elian bei seiner "psychologischen Erholung" helfen, hieß es dazu in Kuba. Staatschef Fidel Castro verabschiedete die zwei Jungen und zwei Mädchen persönlich am Flughafen von Havanna. Ein Vetter und eine Kindergärtnerin waren schon am Mittwoch in die USA gereist.

In Miami hat der umstrittene Polizeieinsatz zur Verlegung Eliáns offenbar zu einem Streit in der Stadtverwaltung geführt. Der exil-kubanische Bürgermeister Joe Carollo entließ Stadtdirektor Donald Warshaw, da er sich geweigert hatte, seinerseits Polizeichef William O'Brien zu entlassen, wozu nur der Stadtdirektor befugt ist. Carollo hatte O'Brien vorgeworfen, ihn nicht über den bevorstehenden Polizeieinsatz informiert zu haben. Die Entlassung Warshaws habe aber mit dem Streit um den Flüchtlingsjungen nichts zu tun, sagte Carollo.



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