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07. September 2012, 14:57 Uhr

US-Arbeitslosenzahlen

Anleger spekulieren auf neue Geldspritze der Fed

Der US-Arbeitsmarkt erholt sich - aber langsamer als erhofft. Investoren spekulieren nun auf einen neuen Markteingriff der Notenbank Fed. Der Kurs des Dollar im Vergleich zum Euro fällt.

Washington - In den USA gibt es Spekulationen über eine dritte Geldspritze der Notenbank Federal Reserve. Grund sind die aktuellen Arbeitslosenzahlen. Die Gerüchte haben den Wert des Euro in die Höhe getrieben, der Kurs der Gemeinschaftswährung kletterte auf bis zu 1,2775 Dollar und markierte damit den höchsten Stand seit dreieinhalb Monaten. Im Umkehrschluss bedeutet dies ein Sinken des Dollar-Kurses.

Das US-Arbeitsministerium hatte mitgeteilt, dass sich der Arbeitsmarkt im August erholt habe. Allerdings hatten Anleger eine noch bessere Entwicklung erwartet und zeigten sich enttäuscht.

Die US-Notenbank hatte erklärt, der heimischen Wirtschaft mit einer neuen Runde der geldpolitischen Lockerung (Quantitative Easing 3) unter die Arme zu greifen, wenn sich die Lage am Arbeitsmarkt nicht bessert.

Analysten waren sich uneins darüber, ob die Chancen auf neue Fed-Hilfen nun tatsächlich gestiegen sind. Eugen Keller vom Bankhaus Metzler hält Spekulationen darüber für verfrüht. "Die Arbeitslosenquote ist schließlich gefallen. Ein Teil des Marktes setzt aber wohl darauf, deshalb hält sich der Euro auch so stark." Auch Matthew Lifson, Händler bei der Cambridge Mercantile Group, verwies auf die niedrigere Arbeitslosenquote, die im August auf 8,1 von 8,3 Prozent zurückgegangen ist. "Das ist der Punkt, der der Fed die größten Sorgen bereitet. Ich glaube nicht, dass die Notenbank auf diese Daten hin handeln wird."

Dagegen rechnet Volkswirt David Sloan damit, dass die Fed sehr wohl über weitere Maßnahmen nachdenkt. "Das ist ein enttäuschender Arbeitsmarktbericht und erhöht die Chancen auf QE3", sagte er. Die Zahl der Beschäftigten stieg in den USA um 96.000, von Reuters befragte Ökonomen hatten ein Plus von 125.000 erwartet.

Die geringere Quote erklären Experten mit dem Umstand, dass sich viele Amerikaner ohne Job gar nicht mehr als arbeitssuchend gemeldet haben - obgleich sie noch arbeitslos sind. Die Arbeitslosenquote liegt in den USA seit drei Jahren über acht Prozent. Die Ankurbelung der Wirtschaft und das Schaffen neuer Jobs ist ein wichtiges Thema im Wahlkampf von Präsident Barack Obama. Er kündigte in seiner Rede auf dem Parteitag der Demokraten am Donnerstag an, bis Ende 2016 eine Million neue Industriejobs schaffen zu wollen.

Unklar ist, wie sich die neuen Arbeitsmarktdaten auf den US-Wahlkampf auswirken werden. Dass die Quote gesunken ist und dass fast 100.000 neue Jobs entstanden sind, dürfte Amtsinhaber Obama zugute kommen. Andererseits liegt die Quote immer noch über der Grenze von acht Prozent - seit dem Zweiten Weltkrieg wurde kein amerikanischer Präsident im Amt bestätigt, wenn die Arbeitslosenquote über 7,2 Prozent lag. Und Experten hatten mit noch mehr neuen Jobs gerechnet. Dies wiederum dürfte Herausforderer Mitt Romney nützen.

lgr/dpa/AP/Reuters

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