US-Arbeitslosenzahlen Anleger spekulieren auf neue Geldspritze der Fed

Der US-Arbeitsmarkt erholt sich - aber langsamer als erhofft. Investoren spekulieren nun auf einen neuen Markteingriff der Notenbank Fed. Der Kurs des Dollar im Vergleich zum Euro fällt.


Washington - In den USA gibt es Spekulationen über eine dritte Geldspritze der Notenbank Federal Reserve. Grund sind die aktuellen Arbeitslosenzahlen. Die Gerüchte haben den Wert des Euro in die Höhe getrieben, der Kurs der Gemeinschaftswährung kletterte auf bis zu 1,2775 Dollar und markierte damit den höchsten Stand seit dreieinhalb Monaten. Im Umkehrschluss bedeutet dies ein Sinken des Dollar-Kurses.

Das US-Arbeitsministerium hatte mitgeteilt, dass sich der Arbeitsmarkt im August erholt habe. Allerdings hatten Anleger eine noch bessere Entwicklung erwartet und zeigten sich enttäuscht.

Die US-Notenbank hatte erklärt, der heimischen Wirtschaft mit einer neuen Runde der geldpolitischen Lockerung (Quantitative Easing 3) unter die Arme zu greifen, wenn sich die Lage am Arbeitsmarkt nicht bessert.

Analysten waren sich uneins darüber, ob die Chancen auf neue Fed-Hilfen nun tatsächlich gestiegen sind. Eugen Keller vom Bankhaus Metzler hält Spekulationen darüber für verfrüht. "Die Arbeitslosenquote ist schließlich gefallen. Ein Teil des Marktes setzt aber wohl darauf, deshalb hält sich der Euro auch so stark." Auch Matthew Lifson, Händler bei der Cambridge Mercantile Group, verwies auf die niedrigere Arbeitslosenquote, die im August auf 8,1 von 8,3 Prozent zurückgegangen ist. "Das ist der Punkt, der der Fed die größten Sorgen bereitet. Ich glaube nicht, dass die Notenbank auf diese Daten hin handeln wird."

Dagegen rechnet Volkswirt David Sloan damit, dass die Fed sehr wohl über weitere Maßnahmen nachdenkt. "Das ist ein enttäuschender Arbeitsmarktbericht und erhöht die Chancen auf QE3", sagte er. Die Zahl der Beschäftigten stieg in den USA um 96.000, von Reuters befragte Ökonomen hatten ein Plus von 125.000 erwartet.

Die geringere Quote erklären Experten mit dem Umstand, dass sich viele Amerikaner ohne Job gar nicht mehr als arbeitssuchend gemeldet haben - obgleich sie noch arbeitslos sind. Die Arbeitslosenquote liegt in den USA seit drei Jahren über acht Prozent. Die Ankurbelung der Wirtschaft und das Schaffen neuer Jobs ist ein wichtiges Thema im Wahlkampf von Präsident Barack Obama. Er kündigte in seiner Rede auf dem Parteitag der Demokraten am Donnerstag an, bis Ende 2016 eine Million neue Industriejobs schaffen zu wollen.

Unklar ist, wie sich die neuen Arbeitsmarktdaten auf den US-Wahlkampf auswirken werden. Dass die Quote gesunken ist und dass fast 100.000 neue Jobs entstanden sind, dürfte Amtsinhaber Obama zugute kommen. Andererseits liegt die Quote immer noch über der Grenze von acht Prozent - seit dem Zweiten Weltkrieg wurde kein amerikanischer Präsident im Amt bestätigt, wenn die Arbeitslosenquote über 7,2 Prozent lag. Und Experten hatten mit noch mehr neuen Jobs gerechnet. Dies wiederum dürfte Herausforderer Mitt Romney nützen.

lgr/dpa/AP/Reuters

insgesamt 25 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
bollwerk_bernd 07.09.2012
1. Ist das Euer ernst liebe SPON?
Ja, es stimmt. Die AQ ist von 8,3 auf 8,1 gefallen. ABer nur weill 100 Tausende als "Arbeitskraft" in der Statistik verschwinden! So wurde ein Zuwachs von 142 Tsd neuen Arbeitsplätzen erwartet, aber es entstanden nur 103 Tsd. Der Dollar ist grade im freiem Fall....
damoklesx 07.09.2012
2. Hinter dem Schleier geht´s weiter
Die Arbeitslosenquote wird mit einer telefonischen Umfrage erhoben und ist berüchtigt dafür, dass sie statistisch gut manipuliert werden kann. Sie passt nicht zu der "Non-Farm-Employment Change", die ebenfalls heute veröffentlicht wurde. Der Zuwachs lag bei 96.000 und damit viel zu niedrig, um der mit der wachsenden Bevölkerung Schritt zu halten. Dieser Zuwachs müsste bei über 200.000 liegen. Wie kann man also einen zu geringen Arbeitsplatzzuwachs mit einer sinkenden Arbeitslosenquote verbinden? Antwort: Stille Reserve. Diese wächst seit Jahren unaufhörlich, aktuell sagenhafte 86 Mio. Fazit: Die 8,1%-Zahl ist was für unkritische Meinungsverbreiter und oberflächliche Betrachter. Mit der Realität am amerikanischen Arbeitsmarkt hat sie wenig bis nichts zu tun.
kjartan75 07.09.2012
3.
Zitat von sysopREUTERSDie Arbeitslosenquote in den USA ist überraschend gesunken - von 8,3 auf 8,1 Prozent. Mit einer so guten Entwicklung hatten Ökonomen nicht gerechnet. Für Präsident Barack Obama könnten diese Zahlen entscheidend sein für seine Wiederwahl. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,854533,00.html
"Bei einer anhaltend hohen Arbeitslosenquote habe Obama nur geringe Chancen, wiedergewählt zu werden, sagen Experten." Es ist zwar verständlich, dass die Medien versuchen, daraus eine enge Kiste zu schmieden und sich nur die Popular Votes anschauen. Schaut euch die Umfragen für die swing states...die tendieren seit Wochen für Obama.
mehrlicht 07.09.2012
4. Schlechter als erwartete Zahlen
Wieso sollen das gute Zahlen sein , wenn es weniger Jobs sind wie erwartet und die Quote nur sank ,weil 360000 sich nicht mehr arbeitslos meldeten?
Will Burroughs 07.09.2012
5. Wie ueblich idiotische Artikelueberschriften auf SPON
Die Arbeitslosenrate ist einzig dadurch gefallen, das die Partizipationsrate am Arbeitsmarkt um 0.2% gefallen ist (also mehr Rentner oder einfach mehr Leute die aufgegeben haben nach Arbeit zu suchen)
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.