US-Armee Gates will Diskriminierung von Homosexuellen stoppen

70 Prozent der befragten Soldaten erwarten keine negativen Folgen, sollten schwule oder lesbische Kameraden in ihrer Einheit dienen - dies ist das Ergebnis einer Studie des Pentagons. Verteidigungsminister Gates fordert nun, die Diskriminierung von Homosexuellen in den Streitkräfte zu beenden.
US-Verteidigungsminister Gates (l.): Neuregelung mit Nachdruck gefordert

US-Verteidigungsminister Gates (l.): Neuregelung mit Nachdruck gefordert

Foto: Charles Dharapak/ AP

Robert Gates

Homosexuellen

Washington - US-Verteidigungsminister hat sich für ein Ende der Diskriminierung von in der US-Armee ausgesprochen. Der Kongress müsse die bisherige Gesetzeslage ändern, nach der Schwulen und Lesben bei einem Bekanntwerden ihrer sexuellen Orientierung der Ausschluss aus den Streitkräften droht, sagte Gates am Dienstag in Washington.

Der Minister äußerte sich bei der Vorstellung einer internen Pentagon-Untersuchung zum Umgang mit Homosexuellen. Dem Gutachten zufolge hätte es keine nachteiligen Folgen für die Einsatzbereitschaft, wenn schwule und lesbische Soldaten sich zu ihrer sexuellen Orientierung bekennen dürften.

Nach Gates' Einschätzung stützten die Befunde der Pentagon-Kommission die vorbehaltlose Zulassung offen homosexueller Soldaten. Der Minister forderte den Senat "mit Nachdruck" auf, noch vor Jahresende eine entsprechende Neuregelung zu verabschieden.

Barack Obama

Auch US-Präsident hat sich für ein Ende der Diskriminierung ausgesprochen. Seine Partei will versuchen, noch vor Jahresende eine entsprechende Regelung durch den Senat zu bekommen. Dafür benötigen die Demokraten 60 der 100 Stimmen, sie verfügen aber nur über 58 Sitze.

Gates hatte die interne Kommission im Februar eingesetzt, um die Folgen einer Änderung der bisherigen Praxis zu untersuchen. Die Verfasser der Studie entkräfteten das Argument von Kritikern, der Dienst offen homosexueller Soldaten könnten Zusammenhalt und Einsatzbereitschaft gefährden. "Die Auswirkung auf die allgemeine Einsatzbereitschaft wäre gering", resümieren die Verfasser. "Wir sind überzeugt, dass unsere Streitkräfte diesen Schritt selbst in Zeiten des Kriegs unternehmen könnten."

Dem Zusammenhalt in der Truppe nicht geschadet

Im Verlauf der Pentagon-Untersuchung hatten die Verfasser etwa 400.000 Soldaten zu ihrer Einstellung gegenüber homosexuellen Soldaten befragt. Rund 70 Prozent hätten ausgesagt, sie erwarteten keine negativen Folgen, sollten schwule oder lesbische Soldaten in ihrer Einheit dienen. Ebenfalls 70 Prozent gaben an, sie hätten bereits mit Soldaten oder Soldatinnen gedient, von denen angenommen wurde, dass sie homosexuell seien. Dies habe dem Zusammenhalt der Truppe nicht geschadet.

Die Verfasser des Gutachtens rieten, eine Änderung der bisherigen Richtlinien müsse "mit Umsicht" umgesetzt werden, würde aber nicht zu größeren Verwerfungen innerhalb der Streitkräfte führen. Gesonderte Unterkünfte oder Badezimmer seien nicht nötig. Offen schwule oder lesbische Soldaten sollten wie alle anderen auch behandelt werden - ohne besondere armeeinterne Minderheitenrechte zu genießen.

Bisher rund 14.000 Homosexuelle entlassen

Seit Einführung der sogenannten "Don't ask don't tell"-Regelung 1993 wurden etwa 14.000 Angehörige der US-Streitkräfte wegen ihrer homosexuellen Orientierung entlassen.

Die Richtlinie sieht vor, dass Homosexuelle in den Streitkräften dienen dürfen, solange sie ihre sexuelle Orientierung für sich behalten. Im Gegenzug dürfen sie vom Militär nicht danach gefragt oder dafür bestraft werden. Wer sich offen zu seiner homosexuellen Orientierung bekennt, kann sich nicht zum Dienst bei den Streitkräften melden beziehungsweise darf aus dem Dienst entlassen werden.

jok/AFP/dpa
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