US-Verteidigungsminister Mattis Transgender dürfen in der Armee bleiben

US-Präsident Trump will Transgender aus dem Militär verbannen. Verteidigungsminister Mattis verweist auf eine Expertenkommission. Bis sie entscheide, ändere sich nichts.

US-Soldaten
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Am Wochenende machte US-Präsident Donald Trump seine Ankündigung wahr und verhängte einen Aufnahmestopp für neue Transgender-Rekruten. Er wies das Pentagon an, die geplante Erlaubnis seines Vorgängers Barack Obama aufzuheben.

Verteidigungsminister James Mattis hat auf diese Pläne nun geantwortet und klargestellt: Transgender dürfen vorerst in der US-Armee bleiben. Das gelte für alle Transgender, die bereits in den Streitkräften dienen - und mit Trumps Note sowie dem Verbot solle sich eine Expertenkommission befassen.

Transgender ist ein Oberbegriff für Menschen, die sich im falschen Körper geboren fühlen, sowie für solche, die sich keinem eindeutigen Geschlecht zuordnen. Unter den 1,3 Millionen aktiven Mitgliedern der US-Streitkräfte gibt es nach Schätzungen zwischen 1000 und 15.000 Transgender.

Der von Trump erlassene Rekrutierungsstopp soll am 23. März 2018 in Kraft treten. Im Juli hatte der Präsident dies mit den Worten begründet, die Armee dürfe nicht mit den "enormen medizinischen Kosten" belastet werden, sowie mit der Unruhe, die die Aufnahme von Transgender mit sich bringe.

Über Trumps Befürchtung soll laut Mattis nun die Kommission mit der Maßgabe entscheiden, "was das Beste für die Schlagkräftigkeit des Militärs ist". Bis dahin blieben aber "aus Respekt vor unseren derzeit dienenden Kräften" die bisherigen Regeln bestehen.

Mattis' Vorgänger Ashton Carter hatte 2016 durchgesetzt, dass Transgender künftig nicht mehr vom Militärdienst ausgeschlossen werden dürfen. Das Verbot hätte offiziell am 1. Juli fallen sollen - das Pentagon hob diesen Termin dann aber auf Druck Trumps vorläufig auf.

James Mattis
AP

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Im Zuge der geplanten Öffnung hatten sich bereits Hunderte Armeeangehörige geoutet. Carter machte es für Mitglieder in den Streitkräften auch möglich, ihr Geschlecht anzugleichen.

apr/AFP/Reuters

insgesamt 3 Beiträge
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Atheist_Crusader 30.08.2017
1.
Die Argumente für diesen Bann sind die gleichen, die man damals gegen Frauen in der Armee angeführt hat: sie würden nur für Unruhe sorgen, sie würden die Kosten in die Höhe treiben und die Kämpfbereitschaft senken. Nichts davon hat sich bewahrheitet. Was nicht so schwer vorauszusagen war - wenn man denn die Erfahrung gehabt hätte. Aber die überwiegende Mehrheit der Leute die so argumentieren, haben niemals selbst gedient. Was es umso heuchlerischer macht. Reiche Söhnchen die niemals ihrem Land gedient haben sondern immer nur sich selber - und die wollen Anderen erzählen wer hier in die Armee dürfen soll. Trump reiht sich da wunderbar ein, aber er ist bei weitem nicht der erste noch wird er der letzte sein. Einfach nur verabscheuungswürdig.
raoul2 30.08.2017
2. Auch wenn für mich schwer vorstellbar ist,
welche Beweggründe es für eine/n Transgender geben mag, ausgerechnet in die Streitkräft eintreten zu wollen, muß es selbstverständlich möglich sein. Insofern ist der Obama-Erlaß richtig und die gewünschte Rücknahme durch Trump (wieder einmal) völlig daneben. Sehr schön ist allerdings, daß ausgerechnet ein ansonsten nur schwer zu ertragender Militär wie James Mattis, der schon mal öffentlich davon schwärmte, wieviel "Spaß" es mache, "ein paar Leute zu erschießen" (es ging damals um Männer muslimischen Glaubens in Afghanistan), seinem Vorgesetzetn Trump die Grenzen aufzeigt - selbst wenn es nur aufschiebende Wirkung haben sollte.
marty_gi 30.08.2017
3. hohe medizinische Kosten....
Soweit ich gehoert habe sind die hoechsten medizinischen Kosten der US-Armee die fuer Viagra....also das Zeugs fuer die "wahren" Maenner.....Weitaus hoeher als alles, was man fuer Transgender jemals ausgeben wuerde. Aber ist schon klar, warum hier mit zweierlei Mass gemessen wird.
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