Auftritt vor Bengasi-Ausschuss Alles bereit für Hillary Clinton 2016

Kämpferisch, emotional, selbstsicher: Mehr als vier Stunden verteidigt Noch-Außenministerin Hillary Clinton ihre Rolle in der Bengasi-Affäre gegen massive Kritik der Republikaner. Denn längst geht es um ihre Zukunft: die Kandidatur für das Präsidentenamt.
Außenministerin Clinton: "Stark, souverän, wissend, furchtlos"

Außenministerin Clinton: "Stark, souverän, wissend, furchtlos"

Foto: Pablo Martinez Monsivais/ AP

Er hat nur fünf Minuten mit Hillary Clinton, aber die will er nutzen. Rand Paul, der radikalliberale Senator aus Kentucky und große Freund der Tea Party, ist jetzt dran in der Fragestunde vor dem Außenausschuss seiner Parlamentskammer. Die US-Außenministerin muss dort Rede und Antwort stehen zur Terrorattacke auf das US-Konsulat im libyschen Bengasi, bei der vor vier Monaten der Botschafter und drei weitere Amerikaner ums Leben kamen.

Fünf Minuten. Rand Paul legt also los - und verzichtet einfach auf die Fragen. Er hat Mitteilungen zu machen. Dass es sich bei dem Angriff um die "schlimmste Tragödie seit 9/11" handele zum Beispiel. Oder dass Clinton über die prekäre Sicherheitslage der Diplomaten im Vorfeld hätte Bescheid wissen müssen: "Wäre ich damals der Präsident gewesen, dann hätte ich Sie von Ihren Aufgaben entbunden", lässt er die Ministerin wissen. Rand Paul, der Präsident. Heute regiert der Superlativ.

Polit-Schlachten der Zukunft

Denn darum geht es wirklich an diesem Mittwoch: um die Politikschlachten der Zukunft. Es gilt als gut möglich, dass sich Paul, der Sohn des nervigen Polit-Opas Ron Paul, um die Präsidentschaftskandidatur der Republikaner bewerben wird. Genau wie der junge Senator Marco Rubio, der Clinton nun ebenfalls gegenübersitzt und gleichermaßen entschlossen versucht, ihr zuzusetzen.

So hat jeder Aspirant seine Fünf-Minuten-Chance gegen die mächtige Hillary Clinton, der sie im Jahr 2016 das nächste Mal begegnen könnten: als demokratischer Präsidentschaftskandidatin. In wenigen Tagen gibt die 65-Jährige ihr Amt als Außenministerin ab, dann hat sie knapp zwei Jahre Zeit, sich die Sache mit der Kandidatur zu überlegen. Gerade hat eine Umfrage der "Washington Post" wieder mal ergeben, dass Clinton die beliebteste Politikerin Amerikas ist, ihre Zustimmungsrate liegt bei 67 Prozent; unter Demokraten gar bei 91 Prozent.

Klar ist: Diesen wohl letzten Auftritt als Ministerin vorm Kongress - erst vor dem Außenausschuss des Senats, dann vor jenem des Repräsentantenhauses - muss sie ordentlich überstehen, dann könnte für sie 2016 das Weiße Haus drin sein. Denn alles, was sie heute sagt, kann in vier Jahren gegen sie verwendet werden. Es steht viel auf dem Spiel.

Und die Republikaner mühen sich. Ex-Präsidentschaftskandidat John McCain nennt ihre Antworten "unbefriedigend"; der Abgeordnete Jeff Duncan unterstellt Clinton, sie habe zugelassen, dass das US-Konsulat in Bengasi "zur Todesfalls wurde". Die Demokraten halten mit Lobeshymnen dagegen, auch sie stellen nicht wirklich Fragen. Stattdessen wissen sie viel zu sagen über den tollen Dienst, den Clinton dem Land erwiesen habe. Man hoffe, sich auch künftig mal wiederzusehen, sagen sie. Es ist klar, was damit gemeint ist.

Eine Prise Selbstkritik

Clintons Strategie: Sie kontert die Anwürfe mit einer Mischung aus Offensive und Emotionen plus einer Prise Selbstkritik. Sie übernehme Verantwortung, sagt sie gleich zu Beginn. Es habe für sie höchste Priorität, die Sicherheit für diplomatische Einrichtungen zu verbessern: "Niemand ist mehr verpflichtet als ich, das wieder gutzumachen." Deshalb habe sie eine unabhängige Untersuchung des Falls veranlasst - die zur Beurlaubung vier hochrangiger Mitarbeiter des Außenministeriums führte - und deshalb versuche sie, die US-Diplomaten in Krisenregionen fortan besser schützen zu lassen. Sie selbst habe übrigens den Sicherheitskräften vor Ort immer wieder auch ihr eigenes Leben anvertraut.

Dann wird es emotional. Clintons Stimme bricht weg, sie unterdrückt die Tränen, als sie vom ermordeten Botschafter Christopher Stevens erzählt, den sie immerzu freundschaftlich nur "Chris" nennt. "Ich habe neben Präsident Obama gestanden, als die Särge aus dem Flugzeug gezogen wurden; ich habe Mütter und Väter, Schwestern und Brüder, Söhne und Töchter umarmt." Man hat Hillary Clinton in der Öffentlichkeit in den letzten Jahren selten so erschüttert gesehen. Sie hat in dieser Hinsicht ja schon einiges hinter sich: Die Affäre Lewinsky während der Regierungszeit ihres Mannes oder die Niederlage in den demokratischen Vorwahlen gegen Barack Obama.

Doch es dauert nur Augenblicke, da schaltet sie von Trauer auf Verteidigung um: Nein, sie habe nichts von den Sicherheitsmängeln in Libyen gewusst, ihr seien die entsprechenden Berichte nicht zugeleitet worden. Clinton, das ist offensichtlich, ist keine Ministerin auf Abschiedstour, die Frau hat noch etwas vor.

Und so folgt schließlich die Offensive.

Als Tea-Party-Senator Ron Johnson die Frage diskutieren will, warum Mitglieder der Obama-Regierung anfangs nur von Protesten sprachen statt von einer Terror-Attacke, da ballt Clinton die Fäuste und sagt, man habe in den Stunden und Tagen nach dem Angriff anderes zu tun gehabt: "Bei allem Respekt, Herr Senator, aber wir hatten vier tote Amerikaner. War das die Folge eines Protests oder waren das Leute, die sich vorgenommen hatten, ein paar Amerikaner zu töten? Welchen Unterschied macht das bitte in diesem Moment?"

Das sitzt. Per Twitter kommentiert Paul Begala, einst Berater Bill Clintons: "Stark, souverän, wissend, furchtlos."

Tatsächlich furchtlos. Schließlich musste die amerikanische Uno-Botschafterin Susan Rice kurz vor Weihnachten all ihre Ambitionen auf die Clinton-Nachfolge ad acta legen, als sie von den republikanischen Senatoren in just dieser Frage massiv unter Druck gesetzt wurde. Rice hatte in diversen Talkshows noch Tage nach der Terrorattacke stets von Protesten gesprochen. Die CIA habe ihr diese Informationen gegeben, hieß es nachher. Das mögen viele Republikaner nicht glauben, vertreten - unterstützt vom konservativen TV-Sender Foxnews - die These von der gezielten Täuschung der Öffentlichkeit.

Hillary Clinton haben sie damit an diesem Mittwoch nicht in die Ecke treiben können, trotz der insgesamt viereinhalb Stunden, die sie aussagen muss. Es war die letzte Chance der Republikaner. Vorerst.

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