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16. Juli 2012, 17:30 Uhr

Besuch in Jerusalem

Clinton beschwört israelisch-amerikanische Freundschaft

Bei ihrem ersten Israel-Besuch seit fast zwei Jahren hat US-Außenministerin Hillary Clinton die Freundschaft zwischen Washington und Jerusalem betont: Die beiden Länder müssten "gemeinsam denken und handeln".

Jerusalem - Israel und die USA müssen nach den Worten von US-Außenministerin Hillary Clinton angesichts der Umwälzungen in der arabischen Welt eng zusammenstehen. Bei einem Kurzbesuch in Israel sprach sie am Montag von einer "Zeit der Ungewissheit, aber auch der Gelegenheiten". Der Atomstreit mit Iran sei bei ihren Gesprächen mit der israelischen Führung ebenso Thema wie der Regimewechsel in Ägypten und die Syrien-Krise, sagte Clinton nach einem Treffen mit dem israelischen Staatspräsidenten Schimon Peres. Am Montagnachmittag traf sie in Jerusalem mit dem palästinensischen Ministerpräsidenten Salam Fajad zusammen.

Sie sehe eine "Chance, unsere gemeinsamen Ziele der Sicherheit, Stabilität, des Friedens und der Demokratie voranzutreiben", sagte Clinton nach dem Gespräch mit Peres. "Freunde wie wir müssen in Zeiten wie diesen gemeinsam denken und handeln." Israel und die USA müssten "auf kluge, kreative und mutige Weise zusammenarbeiten". Am Montagmorgen hatte sie ein Gespräch mit ihrem israelischen Amtskollegen Avigdor Lieberman geführt.

Peres sagte, er habe mit Clinton über die Wichtigkeit der israelischen Beziehungen zu Ägypten gesprochen. Er betonte, der 1979 geschlossene Friedensvertrag mit dem arabischen Nachbarland sei auch nach dem Sieg der Islamisten von zentraler Bedeutung. "Die Tatsache, dass Frieden zwischen uns herrscht, hat das Leben Hunderttausender Menschen gerettet", sagte Peres.

Zu der Iran-Frage sagte Peres, es herrsche weltweit Einigkeit, dass eine iranische Atombombe jeden gefährden könnte. "Es gibt ein vollständiges Verständnis dafür, dass wir alles tun müssen, was wir können, um Iran daran zu hindern, die Freiheit und Sicherheit anderer zu gefährden", sagte der Friedensnobelpreisträger. Nach Ansicht israelischer Experten befürchten die USA, Israel könnte angesichts des bisherigen Scheiterns der Verhandlungen mit Iran militärisch gegen die iranischen Atomanlagen vorgehen.

Clinton bemühte sich bei ihrem ersten Besuch auch um Fortschritte im festgefahrenen Nahost-Friedensprozess. Nach einem Gespräch mit dem israelischen Verteidigungsminister Ehud Barak am Montagnachmittag wollte sie ihren Besuch mit einem Abendessen bei dem israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu abschließen. Israel ist die letzte Station von Clintons knapp zweiwöchiger Reise durch Europa, Asien, Afrika und den Nahen Osten.

Es ist der erste Besuch Clintons in dem jüdischen Staat, seit die von den USA unterstützten Friedensgespräche zwischen Israel und den Palästinensern 2010 scheiterten. Grund war die Weigerung Israels, den Siedlungsbau im besetzten Westjordanland zu stoppen. Seitdem haben Volksaufstände in mehreren arabischen Ländern die Regierungen hinweggefegt. Israel ist wegen des erstarkenden Islamismus infolge der Revolutionen besorgt. Auch Ägypten hat mit Mohammed Mursi mittlerweile einen islamistischen Präsidenten.

hen/dpa/Reuters

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