US-Außenpolitik Obama erwägt Gespräche mit gemäßigten Taliban

Wende in der US-Außenpolitik: Präsident Barack Obama schließt Gespräche mit moderaten Taliban nicht aus. Durch eine mögliche Zusammenarbeit des US-Militärs mit der radikal-islamischen Gruppierung sollen die Verhältnisse in Afghanistan stabilisiert werden.

Hamburg - In einem Interview mit der "New York Times" sagte Obama, dass die USA den Krieg in Afghanistan nicht gewinnen würden. Um einen Weg der Versöhnung einzuschlagen, erwägt der US-Präsident Gespräche zwischen den amerikanischen Streitkräften und gemäßigten Vertretern der radikal-islamischen Taliban.

Die Lage in Afghanistan habe sich in den vergangenen Jahren weiter verschlechtert, sagte Obama und verwies auf Parallelen zum Irak.

Dort habe sich die Situation gebessert, als die US-Streitkräfte unter dem damaligen Oberkommandierenden General David Petraeus mit sunnitischen Aufständischen verhandelt haben: "Wenn Sie mit General Petraeus sprechen würden, denke ich, dass er argumentieren würde, dass Teil des Erfolgs im Irak das Zugehen auf Menschen war, die wir als islamische Fundamentalisten bezeichnen würden", so Obama.

Zuvor hatten sich bereits andere Kabinettsmitglieder offener gegenüber den Taliban gezeigt. Verteidigungsminister Robert Gates hatte bereits im Februar erklärt, dass Washington einer politischen Übereinkunft zwischen der afghanischen Regierung und den Taliban zustimmen könnte, wenn die Aufständischen ihre Waffen niederlegten und die Bedingungen der Regierung akzeptierten.

Die Situation in Afghanistan ist vor den Präsidentschaftswahlen in diesem Jahr besonders angespannt. Staatsoberhaupt Hamid Karzai erklärte am Samstag, dass er nun doch bereit sei, über sein Mandat hinaus zu regieren - bis zum 20. August nämlich, dem Wahltermin, den die Wahlkommission für realistisch hält. Aus diesem Grund droht dem Land eine Verfassungskrise, Oppositionspolitiker fordern einen früheren Rücktritt Karzais.

hut/AFP/AP
Mehr lesen über Verwandte Artikel
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.