US-Außenpolitik Vierte Front in Sicht

Die USA sind dabei, Iran wieder auf die politische Tagesordnung zu setzen. Washington zeigt sich sehr besorgt über das iranische Atomprogramm. Neben dem Irak, Afghanistan und Nordkorea entwickelt sich Iran zum vierten großen außenpolitischen Problem.

Washington - US-Außenminister Colin Powell war am Wochenende deutlich geworden: "Wir haben diese Woche erfahren, dass Iran ein wesentlich aggressiveres Nuklearprogramm hat, als die Internationale Atomenergiebehörde gedacht hätte." Powell sprach von einer Entdeckung, die zeige, wie eine entschlossene Nation, die sich den Bau einer Atombombe vorgenommen habe, den Entwicklungsprozess vor Inspektoren verbergen könne, wenn sie es wirklich darauf anlege. Powell fügte hinzu: "Und wir wissen, dass Saddam Hussein seine Pläne nicht aufgegeben hat." Der Außenminister wollte jedoch nicht sagen, wie nahe Iran tatsächlich an der Entwicklung einer Atombombe ist.

Nach Powells Vorwurf, Iran verfolge ein aggressives Atomprogramm, zeigte sich auch Ari Fleischer, der Sprecher des Weißen Hauses, besorgt über die Entwicklung in Iran. Die USA schenkten der iranischen Behauptung, wonach das Programm friedliche Ziele verfolge, keinen Glauben, sagte Fleischer in Washington. Iran versuche heimlich, eine Fabrik zur Anreicherung von Uran und eine für schweres Wasser zu bauen - letztere, um einen Reaktor zur Produktion von waffentauglichem Plutonium zu versorgen.

Fleischer betonte: "Iran hat die Existenz dieser Einrichtungen erst zugegeben, als keine andere Wahl mehr bestand." Es gebe keine wirtschaftliche Rechtfertigung für das Programm, und deswegen bestehe großer Anlass zur Sorge. Fleischer argumentierte ähnlich wie Powell: Die Situation mache die Lücken bei den Bemühungen um internationale Kontrolle deutlich.

Unterdessen ist der russische Außenminister Igor Iwanow zu einem zweitägigen Besuch in der iranischen Haupstadt Teheran eingetroffen. Iwanow wollte Gespräche über die Irak-Krise mit seinem Amtskollegen Kamal Charrasi und Präsident Mohammed Chatami führen. Dies berichtet die Nachrichtenagentur Irna. Auch der von Russland unterstützte Weiterbau des umstrittenen Kernkraftwerkes in der Hafenstadt Buschehr am Persischen Golf und die Lage der Muslime in Tschetschenien sollen zur Sprache kommen, hieß es.