US-Bericht Bush erwägt beschleunigten Irak-Rückzug

Die US-Regierung plant einem Zeitungsbericht zufolge, Tausende Soldaten schneller als bisher geplant aus dem Irak abzuziehen. Grund sei dafür unter anderem die fragile Lage in Afghanistan.


Berlin - Sollte sich der Bericht der "New York Times" bestätigen, dann bereitet die US-Regierung einen Strategiewechsel im Irak vor. Offenbar denken die Planer von Präsident Bush darüber nach, ab September deutlich mehr US-Soldaten aus dem Irak nach Hause zu holen als bisher geplant.

US-Soldaten im Irak: Angeblich denkt die US-Regierung über einen beschleunigten Rückzug nach
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US-Soldaten im Irak: Angeblich denkt die US-Regierung über einen beschleunigten Rückzug nach

Besonders präzise sind die Planungen offenbar noch nicht: Mindestens eine, aber vielleicht auch bis zu drei der 15 im Land befindlichen Kampfbrigaden könnten abgezogen werden - oder zumindest einen verbindlichen Rückkehrtermin genannt bekommen. Auf diese Weise würden noch immer etwa 120.000 bis 130.000 US-Soldaten im Irak bleiben. Aber im Vergleich mit der Höchstzahl von 170.000 aus dem vergangenen Jahr wäre der Rückgang durchaus bemerkenswert.

Das Weiße Haus will die Planspiele noch nicht bestätigen. Ein Präsidentensprecher sagte, prinzipiell befürworte man die Rückkehr weiterer Truppen. Bush werde aber einen Bericht des Irak-Oberbefehlshabers Davis Petraeus abwarten, der für den September angekündigt ist. Darin sollen die Sicherheitslage und die Zahl der nötigen Truppen neu bewertet werden.

Die "Washington Post" berichtet unterdessen, dass die Bemühungen der US-Regierung um ein langfristiges Abkommen zur Stationierung von Truppen im Irak vorerst gescheitert sind. Das Uno-Mandat, das den US-Einsatz im Irak deckt, läuft zum Jahresende ab. Die rechtliche Basis für eine weitere Präsenz amerikanischer Truppen wäre damit ungewiss. Iraks Regierung hatte bereits vergangene Woche betont, man habe kein Interesse an einem formalen Truppenabkommen mit den USA. Bestenfalls eine Absichtserklärung werde es geben.

Ein beschleunigter Rückzug, so viel ist klar, wäre eine ideale Wahlkampfhilfe für den Republikaner John McCain. Der kann dann argumentieren, die Heimkehr der Soldaten sei ein Beweis für die Stabilität im Irak. Die Strategie der Bush-Regierung, in dem kriegserschütterten Land Stärke zu zeigen, hätte sich als richtig herausgestellt. Und in der Tat: Die Zahl der Anschläge auf US-Truppen ist nach der "Surge" genannten Verstärkung der US-Truppen zurückgegangen, auch wenn Beobachter von einer weiter fragilen Situation sprechen.

Neben dem Wahlkampf gibt es noch einen zweiten Faktor, der bei Rückzugsüberlegungen eine Rolle spielt: der steigende Bedarf an US-Truppen in Afghanistan. Seit Mai sterben am Hindukusch mehr alliierte Soldaten in Afghanistan als im Irak. Die Lage im Land ist alles andere als unter Kontrolle. Bislang sind rund 32.000 US-Soldaten in Afghanistan im Einsatz. Die "New York Times" berichtet, Pentagon-Offizielle hätten Bedarf an 10.000 zusätzlichen Männern und Frauen angemeldet.

chs/dpa/Reuters

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