US-Bürger in Peking ermordet Tod am Trommelturm

In Peking wimmelt es vor Polizisten, die sich am liebsten auf Tibet-Protestler werfen. Den gewaltsamen Tod eines US-Bürgers aber konnten die Sicherheitskräfte nicht verhindern. Die Olympischen Spiele haben ihren ersten Mord - Zuschauer wie Funktionäre sind schockiert.

Aus Peking berichtet


Peking - Für das US-Team brachte der Tag, an dem ein Angehöriger eines Volleyballtrainers beweint werden musste, an dem man um das Leben seiner Begleiterinnen bangt, am Ende wenigstens noch eine gute Nachricht: Die Frauen holten Gold, Silber und Bronze im Säbelfechten. Der Dreifachsieg ist etwas Einmaliges in der ruhmreichen Olympia-Geschichte Amerikas. Unter der Decke der Fechthalle wehten drei Stars-and-Stripes-Fahnen friedlich nebeneinander.

Tatort Trommelturm: "Wir sind tief betrübt über den Vorfall"
DPA

Tatort Trommelturm: "Wir sind tief betrübt über den Vorfall"

Der Tag, dessen Ereignisse die Olympischen Spiele überschatten, war auch ein Tag, an dem die Spiele weitergingen.

Im Medienzentrum jubelten am Abend die US-Journalisten, die Stunden zuvor noch fassungslos vor ihren Bildschirmen gesessen hatten, um auf neue Nachrichten vom Trommelturm zu warten. Dort hatten sich die schrecklichen Ereignisse abgespielt.

Um 12.21 Uhr Ortszeit hatte alles begonnen. "Dringend: Amerikanischer Tourist in Peking getötet", meldete die Nachrichtenagentur AP. Der 47-Jährige Tang Yongming habe zwei Touristen und deren Stadtführer angegriffen und sich danach von der zweiten Ebene des Trommelturms in den Tod gestürzt. Um 13.12 Uhr wusste man, dass die Polizei das Gelände sofort abgesperrt hatte und die US-Botschaft informiert war.

Um 13.42 Uhr hatte der Tod die Olympischen Spiele erreicht. "Dringend: Angehöriger eines US-Olympiatrainers getötet." Später wurde klar, es handelt sich um den Volleyball-Chefcoach Hugh McCutcheon, der selbst Neuseeländer ist.

Aus einem Angriff im nördlichen Teil Pekings war ein Angriff auf das Weltereignis geworden, das gerade vor ein paar Stunden mit der Eröffnungszeremonie begonnen hatte. "Wir sind tief betrübt über den Vorfall", sagte IOC-Sprecherin Emmanuelle Moreau SPIEGEL ONLINE. Das Internationale Olympische Komitee habe durch das Organisationskomitee Bocog von dem Angriff erfahren, man stehe auch in Kontakt zur US-amerikanischen Olympischen Komitee (USOC).

Ob das IOC noch Vertrauen in das chinesische Sicherheitskonzept habe? "Wir überlassen die Sicherheit den lokalen Organisatoren." Zu weiteren Fragen verwies Moreau auf ein Statement des IOC, in dem den Angehörigen und dem Team das Beileid ausgesprochen und jede Hilfe angeboten wird.

Es war ein dünnes Statement, aber es ist eins. Die chinesischen Organisatoren bleiben hingegen auffallend ruhig: Im Gegensatz zum IOC hat das Bocog auf Anfragen nach einer offiziellen Reaktion bis zum Abend nicht reagiert. Nicht die Sicherheitsabteilung, nicht die Zentrale. Vor dem Bocog-Büro gab ein Mann lediglich die Agenturmeldungen wider, die die Journalisten ohnehin kannten. Mehr könne er nicht sagen.

"Es wird weitere Untersuchungen brauchen, da der Angreifer ja Selbstmord begangen hat. Weitere Kommentare können wir derzeit nicht abgeben", zitierte die Nachrichtenagentur Reuters einen Sprecher des Pekinger Büros für öffentliche Sicherheit.

Die Olympischen Spiele von Peking sind gerade einen Tag alt und haben schon ihr Desaster - auch wenn im Moment nahezu alles dafür spricht, dass die US-Amerikaner nicht wegen ihrer Nationalität angegriffen wurden. "Sie trugen keine Kleidung, die sie als Mitglieder der US-Delegation beziehungsweise als Amerikaner auswiesen", sagte USOC-Sprecher Darryl Seibel.

Aber es ist unerheblich, dass es US-Amerikaner getroffen hat, was zählt ist die Botschaft: Ein Ausländer wird während der Spiele getötet. In einem Land, in dem Angriffe auf Ausländer sehr selten sind - wegen der härteren Bestrafung. Und obwohl das Sicherheitskonzept extreme Polizeipräsenz in der Nähe von Sportstätten und Touristenzielen vorsieht.

Das US-Team hat noch nicht entschieden, ob es zusätzlichen Schutz beantragen will. Softballspielerin Jennie Finch berichtete, ihr Herz sei bei der Nachricht von dem Attentat kurz stehengeblieben, aber sie sei unerschrocken. "Ich bin hier mit meinem Mann und meinem Kind, wir leben unseren Traum", sagte Finch. Nicht in Furcht.

Mit Material von Reuters und AP



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