US-Demokraten Kerry wird Bushs Gegenkandidat, Edwards will aufgeben

John Kerry sicherte sich am "Super Tuesday" in neun US-Staaten die Nominierung als demokratischer Präsidentschaftskandidat. Einer der ersten Gratulanten: George W. Bush. Kerrys schärfster Rivale John Edwards will noch heute aus dem Rennen aussteigen - und könnte Kerrys Kandidat für die Vizepräsidentschaft werden.

Washington - Kerry gewann die Vorwahlen in Kalifornien, New York, Georgia, Ohio, Connecticut, Maryland, Massachusetts, Rhode Island und Minnesota. Er nutzte eine Siegesrede zu einer Kampfansage an Bush. "Veränderung kommt nach Amerika" sagte der hochdekorierte Vietnam-Veteran in Washington. Wenn Bush die nationale Sicherheit zu einem Schwerpunktthema machen wolle, solle er das ruhig tun: "Ich bin ein Kämpfer, und seit mehr als 30 Jahren stehe ich an den Front- und Kampflinien für Fairness und die etablierten amerikanischen Werte," erklärte der 60-Jährige.

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Kerry versprach einen "entschlossenen Kampf" für ein neues, geeintes Amerika und gegen US-Präsident George W. Bush. Er wolle "die Politik für wenige Privilegierte" beenden und den Menschen die Angst um Arbeitsplätze und soziale Sicherheit nehmen, sagte er vor seinen jubelnden Anhängern. Bush habe das Land tief gespalten.

Kerry war als klarer Favorit mit Siegen in 18 von 20 Vorwahlen in den "Super Tuesday" gegangen, an dem in zehn Staaten 1151 der 2162 Delegiertenstimmen für den Nominierungsparteitag Ende Juli in Boston vergeben wurden. Kerry hatte bereits 754 Delegiertenstimmen.

"Ich bin ein ABB-Typ"

In Georgia gewann Kerry nur knapp vor Edwards. Edwards hatte Ohio, Georgia und Minnesota zu seinen Schwerpunkten für eine Fortsetzung seiner Bewerbung gemacht. Noch bevor der "Super Tuesday" offiziell beendet war, verflogen jedoch seine letzten Hoffnungen. Noch heute will er seinen Rückzug verkünden. Zuvor beglückwünschte er Kerry zu seinem Erfolg: "Ich möchte meinem Freund, Senator John Kerry, gratulieren."

Edwards lobte Kerry: "Er ist ein außerordentlicher Verfechter für die Dinge, an die wir alle glauben." Nun wolle man sich mit Kerry zusammensetzen und darüber sprechen, wie man die Partei einen könne. Kerry wies sein Team an, nach einem Vizepräsidenten-Kandidaten Ausschau zu halten.

Überraschender Sieger bei der Vorwahl im kleinen Bundesstaat Vermont wurde der ehemalige Gouverneur des Nordost-Staates, Howard Dean, der aber bereits nicht mehr im Rennen um die Präsidentschaftskandidatur steht. Kerry landete hier mit etwa 32 Prozent auf dem zweiten Platz. Die übrigen beiden Kandidaten der Demokraten, der farbige Prediger Al Sharpton und Dennis Kucinich blieben fast überall unter zehn Prozent der Stimmen - lediglich beim Wahlgang in Minnesota konnte Kucinich 18 Prozent erzielen.

Aus Wählernachfragen ging hervor, dass die demokratischen Anhänger einen starken Herausforderer von Präsident George W. Bush wollen. "Ich bin ein ABB-Typ", sagte ein Anhänger Deans, Jeffrey Hughes. "Anybody but Bush." ("Alles andere als Bush"). Ron Debry in Cincinnati erklärte: "Was mich hierher getrieben hat, ist der Wunsch, Bush los zu werden. Und das hat mich zu Kerry geführt."

Kerry sagte, Bush habe ihn angerufen und ihm zu seinem Erfolg gratuliert. "Wir hatten ein sehr nettes Gespräch", sagte Kerry. Ein Sprecher Bushs sagte, der Präsident freue sich auf einen lebhaften Wahlkampf.

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