US-Demokraten Obama vor dem Durchbruch - Clinton hofft auf Vize-Rolle

Dramatisches Finish im Vorwahlkampf der Demokraten: Barack Obama hat laut Nachrichtenagentur AP schon jetzt genügend Delegiertenstimmen für die Präsidentschafts-Kandidatur. Hillary Clinton bringt sich selbst als mögliche Vizepräsidentin ins Gespräch.


Washington - Im Vorwahlkampf der Demokraten überstürzen sich kurz vor den letzten Primaries in Montana und South Carolina die Ereignisse. Clinton sagte vor Abgeordneten in New York, sie sei offen dafür, an der Seite Obamas als Kandidatin für die Vizepräsidentschaft anzutreten. Wenn dieser Schritt der Demokratischen Partei im Kampf um das Weiße Haus helfe, wolle sie darüber nachdenken, versprach die Senatorin in einer Telefonkonferenz.

Rivalen Obama, Clinton: Dem Vernehmen nach gab es bereits erste direkte Kontakte zwischen den Noch-Rivalen
AFP/Getty Images

Rivalen Obama, Clinton: Dem Vernehmen nach gab es bereits erste direkte Kontakte zwischen den Noch-Rivalen

Damit fügt sich Clinton nach langem Zögern den Realitäten des Vorwahlkampfes. Klar ist, dass ihre Chancen auf eine Nominierung von Stunde zu Stunde sinken. Am Abend teilte auch der frühere Präsident Jimmy Carter mit, er werde Barack Obamas Kandidatur unterstützen. Der Nachrichtenagentur AP zufolge hat Obama inoffiziell bereits die für die Nominierung notwendige Zahl der Delegierten zusammen. Die AP-Berechnung beruht auf mehreren Faktoren:

  • der öffentlichen Zusage von Delegierten
  • auf über ein Dutzend privat geäußerten Erklärungen von Delegierten
  • auf einer garantierten Mindestzahl von Stimmen, die Obama bei den letzten Vorwahlen in South Dakota und Montana auf jeden Fall erhalten wird, selbst wenn er dort verlieren sollte.

Das Obama-Team selbst teilte mit, rein rechnerisch fehlten noch zwölf Stimmen für die Nominierung. Bei den Vorwahlen in South Dakota und Montana sind insgesamt 31 Stimmen zu holen.

Beobachter gingen davon aus, dass sich auch nach Schließung der Wahllokale um 3.00 und 4.00 deutscher Zeit zahlreiche der bislang unentschiedenen Superdelegierten für Obama aussprechen und ihm damit über die nötige Delegiertenschwelle verhelfen. Bei Superdelegierten handelt es sich um Amts- und Mandatsträger der Partei, die von Amts wegen aber Stimmrecht auf dem Nominierungsparteitag haben. In ihrem Stimmverhalten sind sie ungebunden.

Obama wäre der erste schwarze Kandidat, den die Demokraten ins Rennen ums Weiße Haus schicken würden. Lange Zeit galt er gegenüber seiner politisch viel erfahreneren Konkurrentin als Außenseiter - trotz seiner Erfolge bei den ersten Vorwahlen.

Clintons Wahlkampfteam bereitete am Dienstag den Rückzug vor. Wenn Obama die noch fehlenden Stimmen zur Nominierung erreiche, dann werde Clinton "ihm gratulieren und ihn den Kandidaten nennen", sagte der Wahlkampfmanager der Senatorin, Terry McAuliffe, im Gespräch mit dem Sender NBC.

Berichte über ein offizielles Ende ihres Wahlkampfes ließ das Clinton-Team aber dementieren. Die Kandidatin werde bei ihrer für den Abend geplanten Rede nicht ihre Niederlage eingestehen - dies betonte McAuliffe ausdrücklich. "Senatorin Clinton wird die Nominierung heute Abend nicht aufgeben", heißt es auch in einer E-Mail ihres Teams. AP meldete aber unter Berufung auf zwei namentlich nicht genannte, hochrangige Clinton-Berater, Clinton wolle die meisten ihrer Wahlkampf-Mitarbeiter nach dem 15. Juni entlassen.

Auch vom Ehepaar Clinton selbst kamen zuletzt weitere Hinweise auf einen langsamen Rückzug. "Das könnte der letzte Tag sein, an dem ich jemals an einem Wahlkampf dieser Art beteiligt bin", sagte Ex-Präsident Bill Clinton am Montag in South Dakota. Seine Frau erklärte: "Ich bin einfach sehr dankbar, dass wir diesen Wahlkampf so lange geführt haben, bis South Dakota nun das letzte Wort hat."

Obama legte mehr und mehr versöhnliche Töne an den Tag. Auch das nährte die Spekulationen, er könne bei der Wahl am 4. November mit Clinton als "Running Mate" antreten, sie also als Kandidatin für die US-Vizepräsidentschaft auswählen. Dem Vernehmen nach gab es bereits erste direkte Kontakte zwischen Obama und Clinton. "Wenn sich der Staub gelegt hat, möchte ich mich mit ihr treffen, sie kann Zeit und Ort des Treffens bestimmen", kündigte Obama an.

flo/itz/AP/Reuters/AFP/dpa

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