US-Depesche zu Hochzeit im Kaukasus High-Society-Gelage mit Geldregen

Hochzeitsgast Kadyrow (2007): Vergoldete Pistole im Hosenbund
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Hochzeitsgast Kadyrow (2007): Vergoldete Pistole im Hosenbund

3. Teil: Hochzeit, Tag zwei


Auf den meisten Tischen waren die üblichen Gerichte aufgetragen, dazu ganze gebratene Störe und Schafe. Um acht Uhr abends strömten plötzlich Dutzende schwerbewaffnete Kämpfer auf das Gelände für den großen Auftritt des Tschetschenen-Führers Ramsan Kadyrow, der in Jeans und T-Shirt kam und mit einem etwas schrägen Gesichtsausdruck. Zum Andenken an den Geburtstag des ermordeten Vaters von Ramsan Kadyrow kündigte Gadschij dann ein Feuerwerk an. Es begann mit einem Knall, der Gadschij und Ramsan zusammenzucken ließ. Von Anfang an hatte Gadschij darum gebeten, dass keiner seiner Gäste, von denen die meisten Waffen trugen, Freudenschüsse abgeben solle. Während der gesamten Hochzeitsfeier hielten sich die Männer daran und schlossen sich nicht einmal dem prächtigen Feuerwerk an.

Nach dem Feuerwerk tanzte eine Gruppe von zwei Mädchen und drei Jungen im Hof gymnastische Versionen der Lesginka. Erst schloss sich Gadschij ihnen an und dann Ramsan, der tölpelhaft tanzte und seine vergoldete Pistole hinten im Hosenbund seiner Jeans stecken hatte. Ein Hausgast wies später darauf hin, dass die komplette Vergoldung die Waffe unbrauchbar gemacht habe, und fügte feixend hinzu, Ramsan sei vermutlich ohnehin nicht in der Lage, einen Schuss damit abzugeben.

Gadschij und Ramsan überschütteten die Kinder mit 100-Dollar-Noten. Gadschij erzählte uns später, dass Ramsan dem glücklichen Paar 'einen fünf Kilo schweren Klumpen Gold' als Präsent überreicht habe. Nach dem Tanz fuhren Ramsan und seine Armee wieder zurück nach Tschetschenien.

Ein Awaren-Oberst des russischen Geheimdiensts FSB, der sternhagelvoll neben uns saß, war schwer beleidigt, weil wir ihm nicht erlaubten, Cognac in unseren Wein zu schütten. 'Das ist doch praktisch dasselbe', insistierte er. Wir neigen zu einer gewissen Nachsicht mit dem Obersten: Er ist Chef der Anti-Terror-Einheit von Dagestan. Und Gadschij erzählte uns, dass Extremisten früher oder später noch jeden umgebracht hätten, der sich dieser Einheit angeschlossen habe.

Wir waren weitaus besorgter, als ein Kamerad des Obersten aus dem Afghanistan-Krieg - Leiter der juristischen Fakultät an der Universität von Dagestan und zu betrunken, um noch sitzen, geschweige denn stehen zu können - seine Pistole zog und fragte, ob wir Schutz benötigten. Daraufhin kamen Gadschij und seine Leute herüber, klemmten ihn zwischen ihre Schultern und ließen uns außer Reichweite gelangen.

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Waiguoren 28.11.2010
1.
"Merkel ist methodisch, rational und pragmatisch." Angie kommt doch gar nicht so schlecht weg.
Liberalitärer, 28.11.2010
2. Einstein
Zitat von sysopWie Amerika die Welt sieht - 251.287 geheime Dokumente aus dem Washingtoner Außenministerium enthüllen die Sicht der US-Diplomatie auf Freund und Feind.
Nein, das sind Einschätzungen und Kritik im Falle D schadet nicht. Niemand hier wird wohl G.W. Bush (den ich für ehrenwert halte) mit Einstein verwechseln.
werner thurner, 28.11.2010
3.
Zitat von sysopWie Amerika die Welt sieht - 251.287 geheime Dokumente aus dem Washingtoner Außenministerium enthüllen die Sicht der US-Diplomatie auf Freund und Feind.
Dann erfahren wir endlich mal die Wahrheit über die offizielle Denke in den USA. Die Wahrheit , oder annähernd die Wahrheit kann niemals irgendwas beschädigen. Das Verhätnis der USA zu den Verbündeten ist ja bereits durch die Bush Kriegspolitik und das Mitläufertum beschädigt, genauso wie die hierzu mißbrauchte NATO (Bündnsifall bis heute).
Smartpatrol 28.11.2010
4. Nicht schlecht
"Amerikas Botschafter können gnadenlos in der Beurteilung der Länder sein, in denen sie akkreditiert sind." Was man ihnen kaum vorhalten kann. Die Bewertung Westerwelles ist beispielsweise nichts als eine realistische, nüchterne Einschätzung. Keine der genannten Veröffentlichungen macht mir die USA unsympathischer, ganz im Gegenteil.
ramuz 28.11.2010
5. Nein.
Geht man von dem momentanen Level an Vertrauen, Ansehen, Kooperationswillen aus, das/den Akteure anderer Staaten den US entgegenbringen, kann es nicht beschädigt werden aus Sicht der anderen. Wenn die Akteure der US halbwegs intelligent sind, so wissen sie das auch. Theaterdonner halt...
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