US-Ermittlungen gegen Iraner Falscher Killer deckt Attentatsplan auf

Es klingt wie aus einem Hollywood-Film: Iranische Agenten wollten nach US-Angaben mexikanische Killer beauftragen, um den saudi-arabischen Botschafter in Washington zu ermorden - doch ihr Plan flog auf. Nun droht ein neuer Konflikt mit Iran, Barack Obama und die Saudis drohen mit Konsequenzen.

AP

Von , New York


Barack Obama war am Dienstag viel auf Achse. Morgens flog der US-Präsident nach Pittsburgh, wo er ein Job-Trainingszentrum besuchte und eine Sitzung seines Expertenrats zum Arbeitsmarkt leitete. Von dort jettete er nach Florida, um in Orlando an zwei Wahlkampfauftritten teilzunehmen. Hinter den Kulissen aber, unbemerkt von den Reportern an Bord des US-Regierungsjumbos "Air Force One", ging es um viel Brisanteres.

Nur Obamas engster Kreis ahnte, weshalb der Präsident zwischendurch den saudi-arabischen Botschafter Adil al-Dschubeir anrief, um "die Solidarität der Vereinigten Staaten" zu bekunden. Am Nachmittag erfuhr es dann die ganze Welt: Da traten US-Justizminister Eric Holder, FBI-Chef Robert Mueller und der New Yorker Bezirksstaatsanwalt Preet Bharara vor die Presse. Sie enthüllten ein mutmaßliches Mordkomplott mit weitreichenden Folgen: Regierungsvertreter in Iran sollen geplant haben, Dschubeir mit einer Bombe umbringen zu lassen - mitten in Washington, ein wahnwitziges Vorhaben.

Aus Teheran sollen Auftrag und Geld für die Pläne gekommen sein. FBI-Chef Mueller behauptete, ohne konkret zu werden, dass die Aktion von "iranischen Regierungselementen" gesteuert worden sei. Ein US-Regierungsbeamter sagte der "Washington Post": "Die iranische Regierung ist verpflichtet, das zu erklären."

Als Hauptverschwörer klagte die US-Justiz zwei Männer iranischer Herkunft an: Manssor Arbabsiar, einen Amerikaner mit iranischem Pass, und Gholam Schakuri, der als Mitglied der Kuds-Brigaden identifiziert wurde, einer Spezialeinheit der Revolutionswächter (IRGC) Irans. Arbabsiar soll der Kontaktmann in den USA gewesen sein, Schakuri einer der Hintermänner in Iran.

Arbabsiar wurde bereits am 29. September am New Yorker Kennedy-Flughafen festgenommen. Er hat nach Angaben des FBI gestanden. Schakuri, der in Iran lebe, sei flüchtig.

"Ein eklatanter Verstoß gegen US- und internationales Recht"

Die Nachricht war kaum eingeschlagen, da positionierten sich Saudi-Arabien und die USA für eine zumindest diplomatische Konfrontation mit Iran. Offen bleibt, wie diese aussehen könnte - und ob am Ende sogar militärische Konsequenzen drohen.

Das Weiße Haus publizierte Obamas Telefonat mit Dschubeir wenige Stunden später. Das mutmaßliche Komplott, das habe der Präsident dem saudi-arabischen Botschafter versichert, sei aus US-Sicht "ein eklatanter Verstoß gegen US- und internationales Recht".

Will heißen: Dies wird Folgen haben. Als erstes fror das Finanzministerium alle US-Konten der zwei Angeklagten sowie von drei weiteren Iranern ein, alle Mitglieder der Revolutionswächter. Das Weiße Haus ließ darüber hinaus verlauten, es werde den Uno-Sicherheitsrat sowie andere Mitglieder der internationalen Gemeinschaft bemühen.

Iran reagierte sofort auf Obamas Ankündigung. In einem Brief an Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon wies der iranische Botschafter Mohammed Chasai die Vorwürfe als "erfunden und unbegründet" zurück. Sie seien "ein politisch motivierter Schachzug" der USA. Ein Sprecher des Teheraner Außenministeriums sprach von einer "lächerlichen Show", die Vorwürfe gegen Iran seien haltlos.

Das US-Außenministerium veröffentlichte eine weltweite Terrorwarnung. Die jüngste Verschwörung "könnte auf einen aggressiveren Ansatz der iranischen Regierung bei terroristischen Aktivitäten hinweisen", hieß es in einer Mitteilung. Angriffe auf der ganzen Welt könnten sich vor allem gegen Diplomaten aus Staaten richten, die Iran kritisch gegenüberstehen. Wie die nun aufgedeckten Anschlagspläne zeigten, seien jedoch auch Anschläge in den USA denkbar.

Die Beziehungen zwischen Saudi-Arabien und Iran sind ohnehin angespannt. Dies werde das Verhältnis "auf seinen bisher niedrigsten Punkt bringen", prophezeite der saudi-arabische Beamte Abdullah Alshamri in einem Interview mit der "New York Times". "Wir erwarten eine ernste und harte Reaktion von unserer Regierung, um den Iranern zu sagen: Genug ist genug."

Kontakt mit angeblichen Mitglied eines Drogenkartells

In der Nacht wurde auch die Anklage bekannt. Sie umfasst 21 Seiten und enthält teils haarsträubende, filmreife Details. Arbabsiar, der in Texas lebe, flog demnach Ende Mai erstmals nach Mexiko, wo er sich mit einem Mann traf, den er für den Vertreter eines Drogenkartells hielt. Es habe sich in Wahrheit aber um einen Informanten der US-Drogenfahndungsbehörde DEA gehandelt.

Arbabsiar habe den DEA-Agenten nach Sprengstoff gefragt, für einen Anschlag auf eine nicht weiter spezifizierte saudi-arabische Botschaft. Bei späteren Treffen sei dann auch ein Mord an Botschafter Dschubeir zur Sprache gekommen. Der DEA-Informant habe 1,5 Millionen Dollar Honorar für sich und vier Komplizen gefordert. "Das Geld ist in Iran", habe Arbabsiar gesagt.

Die erste Anzahlung für das Mordkomplott - fast 100.000 Dollar in zwei Raten von je 49.960 Dollar - kam der Anklage zufolge von einer ausländischen Bank und wurde im August über eine Bank in Manhattan auf ein Empfängerkonto überwiesen. Dieses Konto sei aber ein Undercover-Konto des FBI gewesen.

Da die gesamte Aktion von Anfang an unter Überwachung der US-Justiz gestanden habe, sei "nie wirklich jemand in Gefahr gewesen", sagte der Bezirksstaatsanwalt Bharara. Auch das Restaurant in Washington, das als Tatort ausgesucht worden sei, sei eine Erfindung des DEA-Informanten gewesen. Dessen Hinweis, der Anschlag würde sicher auch viele Unschuldige das Leben kosten, habe Arbabsiar mit den Worten "kein Problem" abgetan: "Manchmal hat man keine Wahl."

Am Abend wurde Arbabsiar in New York dem Haftrichter vorgeführt. Er trug Jeans, ein Hemd und eine Baseballmütze, zu den Vorwürfen schwieg er. Der Termin war eine reine Formsache. Die nächste Anhörung wurde für den 25. Oktober terminiert.



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Seite 1
eulenspiegel 47 12.10.2011
1. ***
Die Worte hör' ich wohl, jedoch mir fehlt der Glaube. Zu oft hat man die Welt schon belogen. Braucht man einen neuen Krieg?
wolffm 12.10.2011
2. Wieder Lügen?
Haben wird die Lügen mit denen der Krieg um den Irak gerechtfertigt wurde schon wieder vergessen? Warum sollte ich das diesmal glauben? Einen Krieg als Konjunkturprogramm hatten wir in diesem Jahrhundert schon mal.
iman.kant 12.10.2011
3. Kein
Ich möchte keinen Iran mit Atombomben. Ich hoffe die Staatengemeinschaft sieht dass genauso. Amerika und wir sollten dies nicht zulassen!
la borsa, 12.10.2011
4. Völkerrechtsverletzung
Zitat von sysopEs klingt wie aus einem Hollywoodfilm: Iranische Agenten wollten nach US-Angaben mexikanische Killer beauftragen, um den saudischen Botschafter in Washington zu ermorden - doch ihr Plan flog auf. Nun droht ein neuer Konflikt mit Iran, Barack Obama und die Saudis drohen mit Konsequenzen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,791293,00.html
*Obama stuft den geplanten Anschlag als Völkerrechtsverletzung ein und droht damit indirekt mit Krieg.* So kann es sein, dass ein offener Landkrieg mit dem IRAN ins Haus steht. Jetzt besteht die Möglichkeit, diesen theokratischen Staat aufzulösen und demokratische Verhältnisse zu etablieren. Man darf gespannt sein.
ulibandung 12.10.2011
5. Rumsfeldisch
Klingt alles so familiaer und bekannt. Schurkenstaat (moeglichst entweder islamisch oder links) macht auf einmal unfassbares. Entweder Atomangriffe, Massenvernichtungsplanung, Abschlachten von Oppositionellen, oder-mal was Neues_ Mordplanung. Dann werden filmreife Beweise vorgefuehrt, meistens scheinbar direkt aus Hollywoods Laboren, und schon kann Amerika Krieg spielen. Damit kann man naehmlich so schoen das eigene Volk einlullen und von wirklichen Problemen ablenken. Osame, bist Du auch schon auf der Schiene gelandet?
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