US-EU-Beziehungen Bush lobt Merkels Weisheit

Es war nur eine Stipp-Visite, die Angela Merkel in den USA absolvierte. Doch die beiden Regierungschefs demonstrierten große Einigkeit. Präsident Bush schwärmte gar über die Weisheit der Deutschen - die so gute Tipps gebe.


Berlin - Länger als geplant verlief der Antrittsbesuch der neuen EU-Ratspräsidentin und G-8-Chefin im Weißen Haus. An Themen mangelte es nicht - und die beiden Gesprächspartner verstanden sich augenscheinlich hervorragend: Handelsbeziehungen, Klimawandel, die Krisen in Afghanistan, Iran, Irak, Nahost, Libanon und Darfur standen auf der Agenda von Kanzlerin Merkel und US-Präsident George W. Bush.

Merkel und Bush: Einigkeit in den großen Themen
AFP

Merkel und Bush: Einigkeit in den großen Themen

Die Kanzlerin sei eine weise Frau, schwärmte Bush bei der anschließenden Pressekonferenz. Sie gebe gute Tipps, habe ambitionierte Pläne - und bereite phantastisches Barbecue. Ob das gemeinsame Abendessen im Weißen Haus auch so gelinge wie jene Grillparty, die Merkel in Mecklenburg-Vorpommern für ihn organisiert hatte, das könne er nicht versprechen, scherzte Bush.

Es war der dritte Besuch der deutschen Regierungschefin in Washington. Diesmal allerdings war sie mit größerem politischem Gewicht gekommen: In ihrer Dreifach-Funktion als Bundeskanzlerin, EU-Ratspräsidentin und G-8-Vorsitzende. Beide zeigten viel Übereinstimmung in den großen Themen. "Die Vereinigten Staaten müssen gute Freunde haben, vor allem in Europa", unterstrich Bush seine Wertschätzung für die Kanzlerin. Mit charmantem Lächeln und ironischem Blick fügte er hinzu: "Angela Merkel gibt mir gute Ratschläge, wie man gewisse Probleme angehen muss." Er habe ihr viel zugehört.

Wichtiger Punkt im Gespräch der beiden war die Krise im Nahen Osten. Bush und Merkel wollen sich künftig bei der Suche nach einer Lösung in dem israelisch-plästinensischen Konflikt eng absprechen. "Frau Kanzlerin hatte die gute Idee, das Nahost-Quartett zu versammeln. Dem stimme ich zu", sagte Bush. Dem Nahost-Quartett gehören neben der EU, die USA, Russland und die Vereinten Nationen an.

Bush kündigte zudem eine baldige Reise von Außenminister Condoleezza Rice in die Region an. Nach ihrer Rückkehr werde Rice nicht nur ihm, sondern auch Kanzlerin Merkel Bericht erstatten, betonte der Präsident. Er forderte erneut eine Zwei-Staaten-Lösung, bei der Israelis und Palästinenser "Seite an Seite in Frieden existieren". Merkel unterstütze die Worte Bushs: "Wir (Europäer) wollen deutlich machen, dass die EU mit einer Stimme für die Zwei-Staaten-Lösung spricht." Sie appellierte an die Palästinenser, das Existenzrecht Israels anzuerkennen. Beide sprachen sich jedoch dagegen aus, das Mandat des Quartetts über den irsaelisch-palästinensischen Konflikt hinaus zu erweitern.

Bush und Merkel sprachen auch über die Situation im Irak. Es gebe großes Interesse an einem Wandel zu einer friedlichen Entwicklung, bei der die Menschen nicht mehr um ihr Leben fürchten müssten, sagte die Kanzlerin. Politisch werde man alles unternehmen, eine solch positive Entwicklung zu unterstützen. Der US-Präsident kündigte für die kommende Woche seine mit Spannung erwartete neue Irak-Strategie an. Sein Konzept werde den Irak dem Ziel näher bringen, auf eigenen Beinen zu stehen. Dies gelte sowohl für das Regieren als auch für die Verteidigung des Landes. "Ich werde deutlich machen, dass der Auftrag klar und präzise ist und erfolgreich ausgeführt werden kann", fügte Bush hinzu. Nähere Details wollte er noch nicht nennen. "Ich will, dass Sie mit Spannung darauf warten."

Merkel zeigte sich in der Pressekonferenz erfreut über ein Entgegenkommen der amerikanischen Regierung in der Klimapolitik. "Ich habe mit großer Freude gehört, dass hier die Bereitschaft besteht, die Emissionen zu reduzieren." Bush sagte: "Wir werden neue Technologien unterstützen, die uns von der Abhängigkeit vom Öl befreien - damit wir nicht auf Länder angewiesen sind, in denen wir nicht willkommen sind."

ler



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