US-Flug Washington-Denver Schuhbomber-Scherz löst Terroralarm aus

Kampfjets waren im Einsatz, Präsident Obama wurde informiert: Ein arabischer Diplomat hat an Bord eines US-Flugs Terroralarm ausgelöst - der sich als Fehlalarm entpuppte.

Landung in Denver: Zwei F16-Kampfjets eskortierten die Boeing 757 bis zu ihrem Ziel
AFP

Landung in Denver: Zwei F16-Kampfjets eskortierten die Boeing 757 bis zu ihrem Ziel


Washington - Mit solchen Folgen seiner Sucht hatte der Diplomat wohl nicht gerechnet. Ein Mann aus Katar, der auf einem US-Inlandsflug auf der Bordtoilette heimlich eine Zigarette geraucht hat, löste einen Großeinsatz der Sicherheitsbehörden aus - mit einem schlechten Witz, den er nach seiner Missetat riss. Air Marshals hatten den Diplomaten aus Katar auf dem Flug von Washington DC nach Denver am Mittwochabend (Ortszeit) überwältigt, nachdem er den Beamten gegenüber erklärt hatte: "Ich setze meine Schuhe in Brand", wie der US-Fernsehsender ABC berichtete.

Möglicherweise habe es sich dabei aber nur "um ein massives Missverständnis" gehandelt, zitierte ABC einen Sicherheitsbeamten. Die Äußerung sei allem Anschein nach "sarkastisch" gemeint gewesen. Nach dem Kommentar über die Schuhe rangen die Beamten ihn nieder. Zwei F16-Kampfjets eskortierten die Boeing 757 nach Denver, wo sie auf einen abgelegen Teil des Flughafens geleitet wurde.

Anschließend sei aber kein Sprengstoff bei dem Diplomaten, der bei der Botschaft seines Landes in Washington beschäftigt ist, gefunden worden. Auch eine Suche mit Spürhunden nach Bomben sei ergebnislos verlaufen. An Bord des United-Airlines-Fluges 663 waren 163 Menschen. Der Mann, der offenbar keine bösen Absichten gehabt hat, wurde stundenlang verhört.

Ein Sprecher des Außenministeriums erklärte, falls sich der Mann einer Straftat schuldig gemacht habe, werde man Katar möglicherweise um die Aufhebung von dessen diplomatischer Immunität bitten. Falls die Regierung des Golfemirats dies verweigere, werde der Diplomat vermutlich aus den USA ausgewiesen.

US-Präsident Barack Obama wurde auf dem Flug nach Prag, wo er den Abrüstungsvertrag Start mit Russland unterzeichnen will, über den Vorfall informiert.

Der Vorfall hatte zuerst an den "Schuhbomber" Richard Reid erinnert, der 2001 ein US-Flugzeug mit einer im Schuh versteckten Bombe in die Luft sprengen wollte. Auch ließ er Erinnerungen an den Anschlag eines jungen Nigerianers auf einen vollbesetzen US-Passagierjet am ersten Weihnachtsfeiertag vergangenen Jahres wach werden. Er hatte versucht, über Detroit einen in seiner Unterwäsche versteckten Sprengsatz zu zünden. Dabei war er von anderen Passagieren und Crewmitgliedern überwältigt worden. Der Vorfall hatte in den USA, aber auch weltweit eine Debatte über schärfere Sicherheitsstandards ausgelöst.

In USA führte der Attentatsversuch dazu, dass Flugpassagiere aus 14 Ländern besonders sorgfältig überprüft wurden, wobei Katar nicht dazugehörte. Die Regelung wurde inzwischen durch neue Sicherheitsmaßnahmen abgelöst.

ler/dpa/Reuters/apn



insgesamt 84 Beiträge
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attila123 08.04.2010
1. Paranoia...
Paranoia, Paranoia, Paranoia.... Geschafft könnte man sagen. Die radikalislamistischen Terrorheinis haben es tatsächlich geschafft: Alle drehen am Rad. Unter Terrorismus geht es nimmer. Guckt irgendwo ein Kuffnuk schräg dann führt er wohl was im Schilde und alle müssen wie die kopflosen Hühner durch die Gegend laufen.
Prof.Gutmensch 08.04.2010
2. Hahaha
Zitat von sysopKampfjets waren Einsatz, Präsident Obama wurde informiert: Ein arabischer Diplomat hat an Bord eines US-Flugs Terroralarm ausgelöst. Der Mann war beim Rauchen auf der Toilette erwischt worden, anschließend überwältigten ihn Air Marshals, weil er gewitzelt haben soll: "Ich setze meine Schuhe in Brand." http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,687787,00.html
Witze sind einer ernsthafte Bedrohung der freien Welt. Aber nur, wenn arabisch aussehende Menschen sie machen.
Fackus, 08.04.2010
3. grosses Kino
hätte man kaum gedacht, daß das klappen könnte, diese bescheuerte Welt mit Witzen zur Selbstdemontage zu bringen. Auf die Biologie übertragen: Kampfjets im Inland wegen solcher Lappalien = durchgeknalltes Autoimmunsystem. Das kann für den Organismus böse enden. Zurücklehnen und beobachten ...
Mistfink, 08.04.2010
4. Nix Paranoia
Der Typ hätte auch vor den ganzen Maßnahmen seit 911 eine Tracht verdient - wer unerlaubter Weise im Flugzeug raucht muss mit drastischen Strafen zur Raison gebracht werden. Egal ob Diplomat, Herkunft etc. - der Spaßvogel hat es nicht anders verdient. Daher kein Mitleid.
elstevo 08.04.2010
5. Es ist ein unglaubliche Schande
Öffnet Eure Augen! Das ein einziges falsches Wort, im Scherz geäußert, solche persönlichen Repressalien nach sich zieht, entspricht nicht unserer Vorstellung von einer freien Welt. Das erinnernt mich bestenfalls noch an den Film: "Das Leben der Anderen" wo ein Witz zur Strafversetzung führen konnte. Dieser Vorfall zeigt ganz deutlich, dass wir uns im Westen schon viel zu weit von unsereren freiheitlich demokratischen Idealen entfernt haben. Man möge sich das auf der Zunge zergehen lassen, dass ein Scherz oder falsches Wort eines Diplomaten aus strafrechtlichen Gründen zum Verlusst seiner Immunität führen kann. Das kennt man nicht einmal aus Nordkorea oder dem Iran.
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