US-Gefangener in Nordkorea Kims Faustpfand

Seit zwei Jahren hält Nordkorea den christlichen Missionar Kenneth Bae fest. Während Pjöngjang den US-Amerikaner als politisches Druckmittel benutzt, fordert Baes Familie das Weiße Haus jetzt mit einer Twitter-Kampagne zum Handeln auf.

REUTERS/ Kyodo

Von Christoph Asche


Hamburg - Vor zwei Wochen gab es so etwas wie einen kurzen Moment der Hoffnung für Familie Bae. Nordkorea hatte Jeffrey Fowle freigelassen, einen US-Touristen, der fünf Monate im Gefängnis saß, weil er eine Bibel auf der Toilette eines Klubs in Pjöngjang liegengelassen haben soll. Nachrichtensender zeigten Bilder von Fowles Rückkehr in die USA, Familie Bae hoffte, dass auch ihr Verwandter Kenneth aus dem Flugzeug steigen würde - vergeblich.

Seit genau zwei Jahren warten die Baes nun schon auf ihren Sohn, Ehemann, Bruder. Kein anderer US-Bürger ist so lange in nordkoreanischer Haft wie Kenneth Bae. Und nur wenige andere Fälle haben die amerikanischen Diplomaten in den vergangenen 24 Monaten so sehr beschäftigt wie der des christlichen Missionars mit südkoreanischen Wurzeln.

Baes Verwandte sind überzeugt, dass Pjöngjang ihn wegen seines Glaubens festhält. Denn Christen werden vom kommunistischen Regime weltweit am stärksten verfolgt. Das geht aus dem Weltverfolgungsindex 2013 hervor, den das christliche Hilfswerk Open Doors im vergangenen Jahr veröffentlichte. Die offizielle Version aus Nordkorea lautet hingegen: Bae habe während eines Aufenthalts im politisch isolierten Land zum Umsturz des kommunistischen Regimes aufgerufen. Im vergangenen Jahr verurteilte Pjöngjang Bae zu 15 Jahren Zwangsarbeit.

Sein Land werde alles für die Freilassung Baes tun, sagte Barack Obama vor wenigen Monaten. Bisher hat der US-Präsident allerdings wenig bewirkt. Nordkoreas Diktator Kim Jong Un ließ sich von Obama zuletzt lediglich zur Freilassung von Fowle bewegen, dem im Gegensatz zu Bae kein "staatsfeindlicher Akt" vorgeworfen worden war.

Experten gehen davon aus, dass Nordkorea Bae als politisches Druckmittel benutzt, um diplomatische Beziehungen zu den USA zu erzwingen. Anfang des Jahres hatte Pjöngjang ein Video veröffentlicht, auf dem der abgemagerte Bae im grauen Sträflingsanzug zu sehen war und Nordkorea für seine vorbildliche Einhaltung der Menschenrechte lobte. Seine Schwester sagte anschließend in Fernsehinterviews, sie wünsche sich einen engeren Dialog zwischen Washington und Pjöngjang.

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Ähnliche Forderungen gab es zuletzt auch im Fall Matthew Miller, einem weiteren US-Amerikaner in der Hand Nordkoreas. Miller wurde erst Mitte September vom Obersten Gerichtshof in Pjöngjang wegen angeblicher staatsfeindlicher Handlungen zu sechs Jahren Zwangsarbeit verurteilt. Er soll bei seiner Einreise als Tourist sein Visum zerrissen und dabei laut ausgerufen haben, dass er Asyl beantragen wolle.

"Zwischen den USA und unserem Land gibt es keinen politischen Kanal. Das jetzige Problem würde es nicht geben, wenn die beiden Länder diplomatische Beziehungen hätten", zitierte die Nachrichtenagentur AP kürzlich einen nordkoreanischen Justizprofessor mit engen Verbindungen zu Pjöngjangs Machtzirkel. Experten hatten in den vergangenen Monaten bereits einen außenpolitischen Kurswechsel in Nordkorea beobachtet, der darauf abzielt, das Land aus der diplomatischen Isolation zu befreien.

Baes Familie hat derweil eine Social-Media-Kampagne ins Leben gerufen, die auf das Schicksal ihres Verwandten aufmerksam machen soll. Unter dem Hashtag #BringBaeBack fordern seit kurzem Tausende Twitter-Nutzer die Freilassung Baes, darunter auch einflussreiche Politiker wie US-Senator Ben Cardin ("Es ist an der Zeit, dass Nordkorea Kenneth Bae freilässt") und Obamas Sicherheitsberaterin Susan Rice ("Nordkorea sollte Bae begnadigen und ihn gehen lassen"). Auf der Webseite freekennow.com können Besucher eine digitale Petition unterschreiben, die das Weiße Haus zum Handeln auffordern soll. Über 170.000 Unterstützer hat die Aktion bereits.

Das letzte Lebenszeichen von Bae ist ein Gespräch mit Journalisten des US-Fernsehsender CNN, das Anfang September auf Wunsch des Regimes in Pjöngjang zustande kam. Darin berichtete Bae von seinem Alltag in Gefangenschaft. Er arbeite acht Stunden am Tag, meistens verrichte er landwirtschaftliche Arbeit, sagte Bae. Auf die Frage, was er seiner Familie ausrichten wolle, antwortete Bae: "Hört nicht auf, für mich zu beten."

Am Montag, exakt zwei Jahre nach Baes Gefangennahme, schrieb seine Schwester Terri Chung von "einem Jubiläum, das sich ihre Familie nie gewünscht hat". Die Hoffnung habe sie jedoch noch nicht aufgegeben, so Chung. Dasselbe wünsche sie sich vom US-Außenministerium.

Mit Material von AP



insgesamt 2 Beiträge
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jakimboaz 06.11.2014
1. Lasst das missionieren bleiben
Ich weiß nicht aber diese Missionare gehen mir eigentlich ziemlich auf den Zeiger In Südost Asien lebend sehe ich einen enormen Zulauf von gerade US evangelikalen Missionaren in Ländern wie Myanmar, Laos und anderen und es ärgert mich wie diese Burschen anderen Menschen ihr Weltbild aufzwängen. Wenn dann einer im Knast landet tut es mir nicht sonderlich leid
neanderspezi 06.11.2014
2. Dieser Kim scheint für eine Missionierung noch nicht reif genug zu sein
Dabei hätten es die USA doch verhältnismäßig einfach Mister Bae aus nordkoreanischer Haft loszueisen. Sie müssten eigentlich nur in geheimer Mission von Südkorea aus eine Handvoll Navy Seals nach Pjöngjang in die Nähe von Kims Domizil einfliegen lassen, Kim beim Daumenlutschen früh morgens aus seiner Heia holen, seinen schwarzen Staatsanzug mitnehmen und unter beruhigendem Zuspruch nach Südkorea ausfliegen. Dann könnten sie ohne Androhung irgendwelcher Strafmaßnahmen diesen Kim Jong Un gegen diesen Kenneth Bae samt Missionarsfibel austauschen, wobei sie Un als Entschädigung für die Aufregung einen großen Lolly auf den militärisch abgeschirmten Heimflug zum Lutschen mitgeben sollten. Vielleicht könnte vorher sogar ein Zusammentreffen von Un und Bae arrangiert werden, wobei Bae seine Kunst des Missionierens an Un wenigstens einmal ungestört ausprobieren könnte.
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