US-Geheimdienst-Analyse Al-Qaida zurück in voller Kampfstärke

Beunruhigende Erkenntnis der US-Geheimdienste: Das Terrornetzwerk al-Qaida ist so stark wie nach den Anschlägen vom 11. September 2001 und für Attentate im Westen gerüstet. Wüste Drohungen kamen von Bin Ladens Stellvertreter Sawahiri - er fordert Vergeltung für die Stürmung der Roten Moschee in Pakistan.


Washington - Die Terrororganisation al-Qaida ist nach Ansicht der US-Geheimdienste wieder so stark wie nach den Anschlägen vom 11. September 2001. Die Gruppe habe sich trotz der weltweiten Verfolgung und der Angriffe der US-Truppen auf ihre Stützpunkte wieder neu organisieren können, heißt es in einer fünfseitigen Geheimdiensteinschätzung, wie die Nachrichtenagentur AP erfuhr.

Qaida-Vize al-Sawahiri: "Eure Errettung kommt nur durch den Dschihad"
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Qaida-Vize al-Sawahiri: "Eure Errettung kommt nur durch den Dschihad"

Über eine konkrete Gefahr und geplante neue Anschläge in den USA sei aber nichts bekannt, hieß es in US-Regierungskreisen. Der Geheimdienstbericht soll heute unter anderen Thema einer Sitzung im Weißen Haus sein.

Al-Qaida sei wieder mehr und mehr in der Lage, Terroranschläge im Westen auszuführen, heißt es. Besonders hervorgehoben wird nach Angaben eines Gewährsmanns, dass die Terroristen an der Grenze von Pakistan ein sicheres Rückzugsgebiet hätten. Die Gruppe habe das "stabilste Trainingsprogramm seit 2001" aufgebaut und setze dabei auf Kämpfer aus Europa, heißt es weiter. Auf der anderen Seite gebe es deutliche Lücken bei der geheimdienstlichen Aufklärung, wird kritisch angemerkt.

Ähnlich äußerte sich gestern bei einer Anhörung vor dem Streitkräfteausschuss des Repräsentantenhauses der Leiter der CIA-Analyseabteilung, John Kringen, zum Wiedererstarken der Qaida. "Sie scheinen sich in ihren Rückzugsgebieten und in unkontrollierten Gebieten in Pakistan eingerichtet zu haben", sagte Kringen. "Wir stellen mehr Training fest, es gibt mehr Geld, die Kommunikation verstärkt sich, die Aktivität steigt."

Unterdessen hat Aiman al-Sawahiri, Nummer zwei des Terrornetzwerks al-Qaida, in einem neuen Videoband die Menschen in Pakistan als Reaktion auf die Erstürmung der Roten Moschee in Islambad durch Sicherheitskräfte zur Teilnahme am Heiligen Krieg aufgefordert. Die gestern veröffentlichte Rede dauert rund viereinhalb Minuten und trägt den Titel "Die Aggression gegen Lal Masdschid", der pakistanischen Bezeichnung für die Rote Moschee.

Das Videoband wurde von al-Sahab, der Multimedia-Abteilung von al-Qaida, veröffentlicht. Seine Authentizität konnte zunächst nicht überprüft werden. "Muslime von Pakistan: Eure Errettung kommt nur durch den Dschihad", erklärt Sawahiri in dem mit englischen Untertiteln versehenen Video. Der pakistanische Präsident Pervez Musharraf "und seine Jagdhunde haben eure Ehre im Dienst der Kreuzfahrer und der Juden in den Dreck gezogen", sagt Sawahiri.

Der stellvertretende Anführer des Terrornetzwerks veröffentlichte in diesem Jahr bislang mehrere Videobotschaften und eine Reihe von Reden auf Tonband. Zuletzt drohte er Großbritannien in einem am Dienstag aufgetauchten Band wegen der Ehrung des Schriftstellers Salman Rushdie mit dem Ritterschlag Vergeltung an.

Pakistanische Sicherheitskräfte brachten die Rote Moschee gestern nach fast zweitägigen Kämpfen vollständig unter ihre Kontrolle. Nach offiziellen Angaben wurden auf dem Gelände die Leichen von 73 mutmaßlichen Islamisten gefunden.

hen/AP

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