US-Spezialkommando General verwirrt mit Aussagen zu Einsatz in Nordkorea

In den USA herrscht Verwunderung über die Aussagen eines ranghohen Generals. Der Chef der US-Sondereinheiten in Südkorea soll laut Medienberichten den Einsatz von Spezialkommandos in Nordkorea eingeräumt haben. Die Armee weist diese Darstellung vehement zurück.
Tunnel in der demilitarisierten Zone: "Wir müssen Menschen dort einsetzen."

Tunnel in der demilitarisierten Zone: "Wir müssen Menschen dort einsetzen."

Foto: Jeon Heon-Kyun/ dpa

Seoul - Das US-Militär hat Berichte dementiert, laut denen Spezialkommandos aus den USA in Nordkorea eingesetzt worden seien, um in dem kommunistischen Land Geheimdienstinformationen zu sammeln. Am Montag hatte der US-Journalist und Militärexperte David Axe im Magazin "The Diplomat" einen US-General mit den Worten zitiert, dass Soldaten aus Südkorea und den Vereinigten Staaten "zu speziellen Aufklärungsmissionen" im Einsatz gewesen seien.

Die Truppen sollten demnach Informationen über unterirdische Militäreinrichtungen sammeln. Seit dem Korea-Krieg habe der Norden Tausende Tunnel gebaut, wurde Brigadegeneral Neil Tolley, Befehlshaber der US-Sondereinheiten in Südkorea, von "The Diplomat" zitiert. "Die gesamte Tunnel-Infrastruktur ist vor unseren Satelliten versteckt", sagte er bei einer Konferenz in Florida in der vergangenen Woche demnach weiter.

"Nach 50 Jahren wissen wir immer noch wenig über die Fähigkeit und das volle Ausmaß" der unterirdischen Einrichtungen, zitierte "National Defense", das Magazin des Verbandes der nationalen Verteidigungsindustrie, Tolley auf seiner Web-Seite.

Die Kommandos hatten demnach nur eine minimale Ausrüstung dabei, um sich schnell bewegen zu können und das Risiko, von den nordkoreanischen Sicherheitskräften entdeckt zu werden, zu minimieren. Nach Tolleys Angaben gibt es unter der entmilitarisierten Zone zwischen Nord- und Südkorea mindestens vier Tunnel. Unter den identifizierten Einrichtungen seien 20 teilweise unter der Erde liegende Einrichtungen der Luftwaffe und Tausende Artillerieposten, hieß es weiter.

Laut US-Militär erfand Axe Zitate

Die US-Armee dementierte den Medienbericht vehement. Einige Äußerungen Tolleys bei der Konferenz seien "völlig aus dem Zusammenhang" gerissen worden, erklärte Oberst Jonathan Withington von den US-Streitkräften für Korea. Zitate seien "erfunden" und Tolley zugewiesen worden, erklärte er und bestritt, dass US- oder südkoreanische Soldaten nach Nordkorea hineingelangt seien.

Außerdem sei der Tunnelbau durch das Regime in Pjöngjang gut dokumentiert. Einige der unterirdischen Anlagen entlang der demilitarisierten Zone würden täglich von Touristen in Nordkorea besucht.

David Axe nahm seine Darstellung der Aussagen des Generals daraufhin in Teilen zurück. Unzweifelhaft sei, dass Tolley hinsichtlich US-Aufklärungsmissionen in Nordkorea gesagt habe: "Wir müssen Menschen dort einsetzen." Er selbst habe Tolley so verstanden, als sei dies bereits geschehen.

"National Defense" gab die entsprechende Passage wie folgt wieder: "Unsere technischen Möglichkeiten in den Bereichen Nachrichtendienst, Überwachung und Aufklärung sind nicht so effektiv, wie sie sein sollten, deshalb müssen wir Menschen dort einsetzen." Axe erklärt die widersprüchlichen Angaben so: "Mir scheint, dass Tolley mehr gesagt hat, als er eigentlich wollte."

syd/AFP
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