Anschläge auf US-Vertretungen Generalstabschef pfeift Pastor Jones zurück

Terry Jones wurde als Koranhasser bekannt. Er wollte den islamfeindlichen Film, der wütende Demonstrationen auslöste, in seiner Kirche in Florida zeigen. US-Generalstabschef Martin Dempsey bittet den Pastor um Zurückhaltung - die Amerikaner bangen um die Sicherheit ihrer Soldaten in Afghanistan.

Pastor Terry Jones: Der Islamkritiker wollte den umstrittenen Film in seiner Kirche zeigen
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Pastor Terry Jones: Der Islamkritiker wollte den umstrittenen Film in seiner Kirche zeigen


Washington - Nach den Ausschreitungen gegen US-Botschaftspersonal und Vertretungen hat der US-Generalstabschef Martin Dempsey mit dem umstrittenen Pastor Terry Jones telefoniert. In dem Gespräch bat der ranghöchste Militär den Pastor aus Florida, sich von dem islamfeindlichen Film, der Auslöser der Proteste war, zu distanzieren.

Der in den USA produzierte Amateurfilm über den Propheten Mohammed wird von Muslimen als islamfeindlich empfunden. Der Trailer zum Film soll seit Juli auf YouTube zu sehen gewesen sein. Aufmerksamkeit erregte er, als sich der als Koranhasser bekanntgewordene Pastor Jones für den Film einsetzte. Jones hatte erklärt, den anti-islamischen Film in seiner Kirche zeigen zu wollen. Eine Koran-Verbrennung in der Kirche von Jones hatte im März vergangenen Jahres gewalttätige Proteste von Muslimen ausgelöst. In Afghanistan starben damals sieben Uno-Mitarbeiter.

Amerikanische Militärangehörige sind besorgt, dass der Film nun auch in Afghanistan, wo 74.000 US-Soldaten im Einsatz sind, zu Spannungen führen könnte. Taliban hatten Afghanen aufgerufen, sich auf einen Kampf gegen die Amerikaner vorzubereiten und für den Film "Rache zu nehmen".

Der afghanische Präsident Hamid Karzai hat offenbar wegen der Ausschreitungen eine Reise nach Oslo abgesagt. Der afghanische Außenminister habe Norwegen am Nachmittag über die Absage informiert, erklärte das Außenministerium in Oslo am Mittwoch. Grund seien "die schwerwiegenden Ereignisse in einigen arabischen Ländern in den vergangenen 24 Stunden". Karzai sehe derzeit "die Notwendigkeit, in Afghanistan zu sein".

Seit Dienstag gibt es in zahlreichen arabischen Ländern massive Proteste gegen den Film, in dem der Prophet Mohammed beschimpft und als Frauenheld, Kinderschänder und Mörder dargestellt wird. In der libyschen Stadt Bengasi griffen am Dienstag aufgebrachte Demonstranten das US-Konsulat an und töteten den US-Botschafter sowie drei seiner Mitarbeiter. Auch libysche Sicherheitskräfte sollen ums Leben gekommen sein. Fünf US-Bürger wurden verletzt. In Kairo drangen Demonstranten auf das Gelände der US-Botschaft vor, rissen die US-Flagge von dem Gebäude und beschmierten die Wände mit Parolen.

Das Personal der Vertretung in Bengasi wurde zunächst in die US-Botschaft der libyschen Hauptstadt Tripolis verlegt, wo die USA noch mit einer Notbesetzung vor Ort sind.

Wilde Spekulationen über die Identität des Filmemachers

Die USA ermitteln derzeit, ob der Angriff auf das US-Konsulat in Bengasi ein anlässlich des Jahrestags von 9/11 geplanter Terroranschlag war. Etwa 50 Soldaten der Marineinfanterie wurden mobilisiert, um US-Einrichtungen in der Stadt zu schützen. Die Soldaten sollen in Spanien stationiert sein und der speziellen Antiterroreinheit FAST angehören, die kurzfristig auf terroristische Bedrohungen reagieren könne und zum Schutz von Botschaften entsandt werde.

Der tunesische Präsident Moncef Marzouki hat den Angriff auf das US-Konsulat in Bengasi scharf verurteilt. Die Angreifer bezeichnete er am Mittwoch bei einem Besuch in der libyschen Hauptstadt Tripolis als Terroristen. Die Attacke gefährde die Stabilität der gesamten Region, sagte Marzouki nach einem Treffen mit dem libyschen Parlamentspräsidenten Mohammed Magariaf.

Währenddessen protestierten vor der US-Botschaft in Tunis mehrere Dutzend Islamisten gegen den Film. Lokale Medien berichteten, die Demonstranten hätten die schwarze Fahne der "Gotteskrieger" vor der Botschaft aufgepflanzt. Am Abend löste die Polizei die Protestveranstaltung nach Angaben des Nachrichtensenders Al-Arabija auf.

Über die Identität des Machers des anti-islamischen Films sind unterdessen wilde Spekulationen entbrannt. Ein Beteiligter an dem Filmprojekt sagte der Nachrichtenagentur AFP am Mittwoch, Sam Bacile sei gar nicht der richtige Name des Regisseurs. Auch war unklar, ob es sich tatsächlich um einen US-Bürger israelischer Abstammung handelt. Der Filmemacher sei untergetaucht, sagte Steve Klein, der nach eigenen Angaben an dem umstrittenen Film "Innocence of Muslims" ("Unschuld der Muslime") mitgearbeitet hat.

Klein sagte, er kenne den richtigen Namen des Mannes auch nicht. Dem Regisseur, der sich ihm gegenüber ebenfalls unter dem Pseudonym Sam Bacile vorgestellt habe, drohe das gleiche Schicksal wie dem niederländischen Filmemacher Theo van Gogh, der 2004 wegen eines islamkritischen Films ermordet worden war. "Wenn er seine Identität preisgibt, wird er sicher ermordet", sagte Klein.

lgr/Reuters/dpa/AFP/dapd

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shokaku 13.09.2012
1. 1000 Jahre Dunkelheit
Zitat von sysopAFPTerry Jones wurde als Koranhasser bekannt. Er wollte den islamfeindlichen Film, der wütende Demonstrationen auslöste, in seiner Kirche in Florida zeigen. US-Generalstabschef Martin Dempsey bittet den Pastor um Zurückhaltung - die Amerikaner bangen um die Sicherheit ihrer Soldaten in Afghanistan. US-Generalstabschef pfeift Pastor Jones zurück - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,855502,00.html)
4 Jahre Obama, und aus dem Land der Freien ist ein Land der Hosenscheisser geworden. Wenn der weiter machen kann, so werden sie wohl 2016 alle nur noch auf dem Bauch rumkriechen. Auch wenn der Film abgeschmackt sein mag, hier jetzt zurück zu weichen ist das total falsche Signal. Eigentlich müsste der Film in allen Kinos gezeigt werden. Aber der ehemalige Westen ist sich seiner Selbst nicht mehr sicher, und wagt es erst gar nicht mehr, für seine Werte einzutreten.
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