US-Granate trifft Journalistenhotel Blutbad im 15. Stock

US-Truppen haben das Hotel "Palestine" in Bagdad beschossen, in dem derzeit fast alle ausländischen Medienvertreter untergebracht sind. Zwei Journalisten wurden bei dem Angriff getötet, drei weitere zum Teil schwer verletzt. Die US-Soldaten vermuteten in dem Hotel angeblich irakische Heckenschützen.




Reporter tragen einen verwundeten Kollegen aus dem Hotel
AFP

Reporter tragen einen verwundeten Kollegen aus dem Hotel

Bagdad - Nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters wurde bei dem Angriff auf das Hotel "Palestine" am Dienstagvormittag ein Reuters-Mitarbeiter getötet, als ein Geschoss auf der Ostseite im 15. Stockwerk einschlug. Es handelt sich den Angaben zufolge um den ukrainischen Kameramann Taras Protsyuk, 35, der seit 1993 für die Agentur im Einsatz war. Drei weitere Reuters-Mitarbeiter wurden verletzt: ein Reporter, ein Fotograf und ein Techniker. Der 37-jährige Kameramann Jose Couso, der für den privaten spanischen Fernsehsender Telecinco arbeitete, wurde so schwer verletzt, dass er später im Krankenhaus seinen Verletzungen erlag. Couso hinterlässt Frau und zwei Kinder.

Die Reuters-Zentrale in London teilte mit, dass zum Zeitpunkt der Explosion Journalisten auf dem Balkon des Hotelzimmers gearbeitet hätten.

Inzwischen erklärte US-General Buford Blount, Kommandeur der 3. Infanteriedivision, dass ein Panzer auf das Gebäude gefeuert habe, nachdem dieser von dem Hotel aus mit Handfeuerwaffen und einer raketengetriebenen Granate beschossen worden sei. Mehrere Journalisten berichteten jedoch, dass keine Schüsse aus der Richtung des Hotels gefallen seien. Im US-Hauptquartier in Doha bekräftigte General Vincent Brooks indes, Truppen seien aus der Lobby des Hotels beschossen worden.

Eine Splitterweste und ein Helm liegen im zerstörten Büro von Reuters TV
DPA

Eine Splitterweste und ein Helm liegen im zerstörten Büro von Reuters TV

Wie die Nachrichtenagentur AP meldete, hätten US-Truppen Männer auf dem Dach des Gebäudes gesehen, die mit Ferngläsern ihre Stellung beobachtet hätten. Ein Pentagon-Sprecher sagte laut Reuters, es gebe Hinweise, dass sich irakische Heckenschützen in dem Hotel versteckt hätten. Ob US-Streitkräfte für die Explosion in dem Gebäude verantwortlich seien, könne nicht bestätigt werden. "Das Hotel wäre kein Ziel, wir greifen nur militärische Kräfte an", sagte der Sprecher. Allerdings würden auch zivile Orte zu Zielen, wenn sich Heckenschützen dort versteckten. Journalisten sollten weiße Tücher aus ihren Hotelfenstern hängen, forderten US-Soldaten.

Die Einschüsse an der Fassade des Hotels sind deutlich zu erkennen
AP

Die Einschüsse an der Fassade des Hotels sind deutlich zu erkennen

Stephan Kloss, der als Korrespondent für die ARD aus Bagdad berichtet, sagte, einige Journalisten hätten zum Zeitpunkt des Angriffs auf dem Dach des Hotels gestanden, um die Lage zu beobachten. Die "Granate, oder was auch immer es war", sei in einem oberen Stockwerk des Gebäudes eingeschlagen. Im Foyer des Hotels spielten sich grausige Szenen ab, erzählte Kloss. Etliche Journalisten kämpften mit den Tränen, die Verletzten seien mittlerweile in Krankenhäuser gebracht worden. Der arabische TV-Sender al-Dschasira zeigte, wie Verletzte auf Tragen aus der Hotellobby gebracht und weggefahren wurden. Eine Person war blutüberströmt.

Nach Angaben der RTL-Korrespondentin Antonia Rados schlug die Granate direkt im Zimmer der Reuters-Kollegen im 15. Stock ein. Sie selbst habe sich mit Kollegen zum Zeitpunkt der Explosion in der 16. Etage aufgehalten. Nach der Detonation seien sie sofort den Verletzten zu Hilfe geeilt.

Auch das Büro des arabischen Senders al-Dschasira wurde bei Angriffen getroffen. Dabei starb der Reporter Tarik Ajoubi, teilte der in Katar ansässige Sender mit

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