US-Hoffnungsträger Bundesregierung will Obama beim Wort nehmen

Große Reden wecken große Erwartungen: Die Bundesregierung will Barack Obama im Fall seiner Wahl zum US-Präsidenten beim Wort nehmen. Außenstaatsminister Erler kündigt an, den Kandidaten an seinen Aussagen zu Folter, atomarer Abrüstung und Klimaschutz zu messen.


Hamburg/Berlin - Noch ist Barack Obama nicht im Weißen Haus, aber auf seinen Schultern ruhen bereits immense Hoffnungen - auch die der Bundesregierung: "Wir werden Barack Obama beim Wort nehmen, sollte er zum US-Präsidenten gewählt werden", sagte der Staatsminister im Auswärtigen Amt, Gernot Erler, der in Hannover erscheinenden "Neuen Presse".

US-Präsidentschaftsbewerber Obama: Die Bundesregierung setzt hohe Erwartungen in den Demokraten
Getty Images

US-Präsidentschaftsbewerber Obama: Die Bundesregierung setzt hohe Erwartungen in den Demokraten

Obama hatte sich in seiner Berliner Rede zur atomaren Abrüstung bekannt, Folter verurteilt und sich zu konkreten Verpflichtungen zum Klimaschutz bereit erklärt. "Vergessen wird das hier in Deutschland und Europa niemand", sagte Erler. Deutschland werde Obama daran messen, ob er seine Aussagen aus seiner Berliner Rede auch einhalte.

Der SPD-Politiker sieht bei einem Wahlerfolg des demokratischen US-Präsidentschaftsbewerbers die Chance auf eine Intensivierung der transatlantischen Beziehungen. "Er will mit einem starken Europa zusammenarbeiten, um gemeinsam auf globale Herausforderungen antworten zu können. Das hebt sich wohltuend vom Kern der bisherigen amerikanischen Politik ab", sagte Erler.

Aus der FDP wurde allerdings bereits Kritik an Obamas Plänen laut, nachdem er mehr militärisches Engagement der europäischen Verbündeten gefordert hatte - vor allem in Afghanistan. FDP-Generalsekretär Dirk Niebel sagte der "Neuen Osnabrücker Zeitung", da gelte es, auch Obama gegenüber gegebenenfalls Nein zu sagen. "Es muss deutlich werden, dass wir ein starkes, auch militärisches Engagement in Nordafghanistan haben; dass wir dort wichtige Arbeit leisten, und dass die USA mit keinem darüber hinaus gehenden Engagement Deutschlands rechnen können", sagte Niebel. Die Deutschen seien gute Bündnispartner und erfüllten ihre Aufgaben verlässlich. "Aber wir dürfen die Grenzen dessen, was leistbar ist, nicht überschreiten", sagte er.

Nach einer vorab veröffentlichten Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Emnid für die Zeitung "Bild am Sonntag" ist Obamas Ansprache in Berlin bei einer Mehrheit der Deutschen gut angekommen. 62 Prozent der Befragten waren demnach der Meinung, der Senator habe eine große Rede gehalten. 19 Prozent waren der Auffassung, es sei keine große Rede gewesen.

63 Prozent der Deutschen glaubten nach dem Obama-Besuch dem Umfrageinstitut zufolge, der demokratische Bewerber wäre ein guter US-Präsident für Deutschland. Nur 20 Prozent waren gegenteiliger Meinung. 51 Prozent waren der Ansicht, Obama würde die Welt friedlicher machen. 40 Prozent glaubten dies nicht.

Obama hatte bei seiner Rede im Berliner Tiergarten 200.000 Menschen angezogen - noch nie hatte er mehr Zuhörer. Am Freitag flog der US-Politiker zu einem Frankreich-Kurzbesuch nach Paris weiter, zum Abschluss seiner Europa-Tour trifft er am Samstag mit Großbritanniens Premier Gordon Brown und Amtsvorgänger Tony Blair zusammen.

flo/ddp


Wie reagieren Prominente aus Kultur, Politik und Wirtschaft auf Obamas Berliner Rede? Klicken Sie auf die Links, um mehr zu erfahren.



© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.