US-Präsidentschaftskandidat Republikaner behauptet, bewaffnete Juden hätten Hitler stoppen können

Nach dem Massaker in Oregon wird in den USA das Waffengesetz diskutiert. Der republikanische Präsidentschaftskandidat Carson hat nun einen fragwürdigen Vergleich gezogen: Mit Waffen hätten Juden den Holocaust stoppen können.

US-Präsidentschaftsbewerber Carson: "Historisch ungenau"
REUTERS

US-Präsidentschaftsbewerber Carson: "Historisch ungenau"


Sechs Millionen Juden sind unter den Nazis im Holocaust ermordet worden. Ein Mann, der gern der nächste Präsident der Vereinigten Staaten werden möchte, ist der Meinung: Es wären weit weniger Tote gewesen - hätten die Juden nur Gewehre und Pistolen besessen. "Die Wahrscheinlichkeit, dass Hitler seine Ziele erreicht, wäre deutlich geringer gewesen, wenn die Menschen bewaffnet gewesen wären", sagte der republikanische Kandidat Ben Carson nun dem TV-Sender CNN.

Dass viele Amerikaner Waffennarren sind, ist kein Geheimnis. Daran ändern auch Massaker wie jüngst in Oregon und die Appelle von Präsident Barack Obama wenig. Die Argumente für Munitionslager in den eigenen vier Wänden klingen für Europäer mitunter befremdlich. Nur mit Waffen, so die Idee, könnten die Bürger wirklich frei sein.

Doch Republikaner Carson treibt die Theorie jetzt auf die Spitze. Mit Blick auf Adolf Hitler sagte er: "Es gibt einen Grund, warum diese Diktatoren den Menschen zuerst die Waffen nehmen." Bereits in seinem jüngsten Buch, "A More Perfect Union", hatte Carson geschrieben, dass entsprechende Gesetze den Holocaust ermöglicht hätten. Die Nazis hatten das Ziel verfolgt, unter anderem Juden und Regimegegner zu entwaffnen.

Kritik an Carsons Äußerungen ließ nun nicht lange auf sich warten. Laut dem US-Sender ABC teilte die Anti-Defamation League (ADL) mit: "Die geringe Zahl an Schusswaffen, die für deutsche Juden 1938 verfügbar waren, hätte niemals die totalitäre Macht des Nazistaates stoppen können." Carsons Aussage sei "historisch ungenau", sagte demnach ADL-Chef Jonathan Greenblatt.

kev

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