US-Kongress Amtseid auf Koran entfacht Abgeordnetenstreit

Er ist der erste muslimische Abgeordnete im neuen US-Kongress und steht gleich unter Beschuss: Der Demokrat Keith Ellison will bei seiner Vereidigung die Hand auf den Koran legen - Konservative wie der republikanische Abgeordnete Virgil Goode wittern eine Gefahr für die Werte der Nation.

Washington - Für Keith Ellison war es eine völlig normale Angelegenheit, kein Stoff für einen öffentlichen Streit: Nach seiner Wahl kündigte der erste Muslim im US-Kongress an, bei der Vereidigung zum Abgeordneten im Januar seine Hand auf den Koran legen zu wollen. Schließlich leisten jüdische Abgeordnete den Amtseid mit der Tora und Christen mit der Bibel.

Mit dem Protest des republikanischen Abgeordneten Virgil Goode hatte der Demokrat Ellison, ein US-Staatsbürger, der in den siebziger Jahren zum Islam konvertierte, nicht gerechnet. Konservative Bürger aus Goodes Wahlkreis in Virgina hatten dem Republikaner Protestbriefe geschrieben, schockiert über die Pläne Ellisons.

Goode gab seinen Wählern recht. "Amerika muss endlich aufwachen", schrieb der Republikaner laut einem Bericht der "New York Times" den aufgebrachten Bürgern zurück und holte zur Generalkritik an der US-Immigrationspolitik aus. Einwanderung müsse erschwert werden, sonst "haben wir bald sehr viel mehr Muslime in den USA", so Goode. Die Wahl eines Muslims in den Kongress sei eine Bedrohung für die traditionellen Werte der Nation.

Der konservative US-Kolumnist Dennis Prager hatte schon nach der Wahl Ellisons in seinem Weblog geschrieben: "Wenn er nicht in der Lage ist, die Bibel zu akzeptieren, soll er nicht für den Kongress kandidieren." Prager zog in seiner Polemik außerdem einen zweifelhaften Vergleich: "Würden die Demokraten jemandem auch erlauben, Hitlers 'Mein Kampf' für den Schwur zu benutzen?"

Ellison hatte bei den Kongresswahlen im November in seinem Wahlkreis in Minneapolis 59 Prozent der Stimmen erlangt. Der Demokrat hatte im Wahlkampf einen Abzug der US-Truppen aus dem Irak gefordert. Er setzte sich zudem für die Einführung eines Mindestlohnes ein.

In der offiziellen Zeremonie bleibt der Koran draußen

Nach den Äußerungen Goodes sind Demokraten und amerikanische Muslime in Aufruhr, wie die "New York Times" berichtet. Sie werfen dem Abgeordneten religiösen Fanatismus und Intoleranz vor. Die US-Verfassung verbiete es, die Kongress-Abgeordneten wegen religiöser Ansichten zu diffamieren. Bill Pascrell, demokratischer Abgeordneter aus New Jersey, forderte Goode auf, Muslime in dessen Bundesstaat Virgina zu besuchen und Vorurteile auszuräumen statt zu unterstützen. Sein Parteikollege Ellison müsse sich nicht wegen seines Glaubens rechtfertigen.

Ellison selbst sieht die öffentliche Debatte gelassen. Er wolle den Koran auch nur in privaten Vereidigungszeremonien einsetzen, nach dem offiziellen Schwur aller Abgeordneten auf die Verfassung. Auf ein Treffen mit Goode freue er sich sogar, sagte Ellison dem TV-Sender "CNN". "Ich kenne Goode nicht und will ihn erstmal treffen. Vorher verurteile ich ihn nicht."

"Keine Veranlassung, sich zu entschuldigen"

Goode sei wohl einfach schlecht informiert über sein Leben, so Ellison. Er sei kein Immigrant, sondern US-Amerikaner. Die Wurzeln seiner Familie in Amerika, rechnet er vor, gehen bis ins Jahr 1742 zurück. Das will Ellison auch Goode sagen: "Hier leben über fünf Millionen Muslime und es gibt keinen Grund, sich zu fürchten. Wir unterstützen Amerika und die Verfassung."

Ob der Demokrat die entfachte Debatte damit beruhigen kann, ist fraglich. Aus dem Büro Goodes kommen jedenfalls keine diplomatischen Signale. Linwood Duncan, Sprecher des republikanischen Politikers sagte über Goode: "Er steht zu seinem Brief und sieht keine Veranlassung, sich zu entschuldigen."

anb