Entwicklungshilfe US-Kontrolleur kritisiert Unfähigkeit afghanischer Ministerien

Mehr als eine Milliarde Euro überweist Washington für den Wiederaufbau an Ministerien in Afghanistan. Doch nach Einschätzung eines US-Kontrolleurs können die Stellen in Kabul mit dem Geld nicht umgehen. Das US-Außenministerium weist die Kritik zurück.
Afghanischer Präsident Karzai: Seine Ministerien sind offenbar überfordert

Afghanischer Präsident Karzai: Seine Ministerien sind offenbar überfordert

Foto: S. Sabawoon/ dpa

Washington/Kabul - Der US-Kontrolleur für den Wiederaufbau Afghanistans hat den Umgang mit Hilfszahlungen für die afghanische Regierung kritisiert. Viele der Ministerien in Kabul seien nicht in der Lage, den Geldfluss aus dem Ausland korrekt zu handhaben, schrieb der Sonderinspekteur für den Wiederaufbau in Afghanistan in einem Bericht.

Zwar habe die US-Entwicklungshilfe-Organisation USAID die Vorkehrungen verschärft, doch blieben weiter "einige beunruhigende Fragen". Insgesamt stellt die US-Regierung für das laufende Jahr 1,6 Milliarden Dollar (1,18 Milliarden Euro) Direkthilfe für 18 Programme in zehn afghanischen Ministerien bereit.

In dem Bericht heißt es, USAID habe bei der Überprüfung von sieben Ministerien festgestellt, dass sie unfähig seien, die Direkthilfe korrekt zu verwalten. "Unter normalen Umständen" würden die Entwicklungshelfer den afghanischen Ministerien kein Geld mehr überweisen.

"USAID hat seine eigenen Grundsätze über Bord geworfen"

Dennoch habe die US-Organisation die Ministerien in Kabul nicht aufgefordert, die Probleme zu beheben, bevor sie weiteres Geld erhalten. "USAID hat seine eigenen Grundsätze über Bord geworfen", heißt es in dem Bericht. Stattdessen habe USAID versucht, die eigenen Prüfergebnisse vor dem US-Kongress zu verbergen, der für den Haushalt verantwortlich ist. Der Bericht verwies auch auf die unter afghanischen Beamten verbreitete Korruption.

Das US-Außenministerium wies die Kritik jedoch zurück. "Es gibt keine Milliarden-Hilfsgelder, die direkt in die Schatztruhe der afghanischen Regierung fließen", sagte Sprecherin Jennifer Psaki. Weniger als 300 Millionen Dollar seien auf diesem Weg geflossen und dabei seien "rigorose Buchhaltungsmechanismen" eingehalten worden. Später erklärte das Ministerium, es weise die Darstellung zurück, wonach die US-Hilfe "unnötigen Risiken" ausgesetzt werde. Das State Department verwies zudem darauf, dass der Bericht keine Fälle von "Verschwendung, Betrug oder Missbrauch" konstatiere.

syd/AFP
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.