US-Kriegsgefangene Rumsfeld befahl heimliche Inhaftierung

Neuer Skandal im Umgang mit Gefangenen der US-Armee im Irak: Das Pentagon hat eingeräumt, einen Terrorverdächtigen acht Monate lang heimlich festgehalten zu haben. Verteidigungsminister Rumsfeld hatte die geheime Inhaftierung auf Drängen von CIA-Chef Tenet persönlich angeordnet.



Washington - Wegen ihres Umgangs mit Inhaftierten sieht sich die US-Regierung erneut heftiger Kritik ausgesetzt. Ein des Terrorismus verdächtiger Mann sei im Irak inhaftiert gewesen, ohne eine Identifizierungsnummer bekommen zu haben, seine Gefangennahme sei auch nicht dem Internationalen Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) gemeldet worden, räumte Pentagon-Sprecher Bryan Whitman in Washington ein. Beides verstößt gegen die Genfer Konventionen zum Umgang mit Kriegsgefangenen.

Laut Whitman wurde der Verstoß gegen die Genfer Konvention von Verteidigungsminister Donald Rumsfeld persönlich angeordnet. Er habe damit einer Bitte von CIA-Direktor George Tenet entsprochen, der darauf gedrungen hatte, mit der Vergabe einer Identifizierungsnummer zu warten, bis seine Behörde mehr über den Verdächtigen in Erfahrung gebracht habe. Sowohl die Registrierung als auch die Meldung an das IKRK würden in Kürze nachgeholt. Der Mann war seit Oktober vergangenen Jahres heimlich festgehalten worden.

Bei dem Gefangenen handelt es sich dem Vernehmen nach um ein führendes Mitglied der Organisation Ansar-e Islam. Er sei wahrscheinlich in Anschläge auf die Besatzungstruppen verwickelt, sagte Whitman. Die Gruppe soll Verbindungen zum Terrornetzwerk al-Qaida unterhalten und kämpft für einen Gottesstaat im kurdischen Teil des Irak.

Nach Ansicht der US-Regierung gelten die Genfer Konventionen nicht für Gefangene, die als so genannte feindliche Kämpfer eingestuft werden. Rumsfeld und weitere Regierungsmitglieder hatten jedoch mehrfach versichert, die Vereinbarungen zum Schutz von Kriegsgefangenen seien bei den Militäraktionen im Irak berücksichtigt worden.