US-Kriegsvorbereitungen Pläne für den Bomber-Angriff auf Saddam

Während die Militärs in der Golfregion ihre Manöver verstärken, hat das Pentagon dem US-Präsidenten offenbar schon fertige, detaillierte Pläne für eine Attacke auf den Irak vorgelegt. Saddam Hussein provoziert seine Gegner mit der Weigerung, auf die neue Resolution des Uno-Sicherheitsrates einzugehen.


Saddam Hussein im Krise seiner Minister und Parteigenossen: Dem Sicherheitsrat eine Abfuhr erteilt
DPA

Saddam Hussein im Krise seiner Minister und Parteigenossen: Dem Sicherheitsrat eine Abfuhr erteilt

Washington – Wie die "New York Times" am Samstag berichtet, liegt Bush seit Anfang September ein geheimes Papier vor, das verschiedene militärischen Optionen im Falle eines Irakkrieges beschreibt. Hohe Militärbeamte hätten dies bestätigt, schreibt das Blatt. Thomas Franks, der Oberbefehlshaber des für den Nahen Osten zuständigen US-Zentralkommandos, habe die Unterlagen dem US-Präsidenten übergeben. Bush hat nach Darstellung des Weißen Hauses aber noch keine Entscheidung für einen neuerlichen Krieg gegen den Irak getroffen.

Ein etwaiger Angriff würde aus der Luft unter Führung von B-2-Bombern beginnen, schreibt die "Times" unter Berufung auf die Militärs. Diese erste Angriffswelle werde sich gegen Kommando-, Kontroll- und Luftabwehrstellungen richten. Zehntausende von Soldaten der Armee und Marineinfanterie würden gleichzeitig von Kuwait und möglicherweise anderen Ländern aus angreifen. Die Pläne enthielten genaue Zahlen von Truppen, Flugzeugen und Kampfgruppen der Marine, die beteiligt wären.

"Bereit zu allen Einsätzen"

Derweil verstärken die amerikanischen Truppen, die bereits in der Golfregion stationiert sind, ihre Manöver - dies bestätigte General Franks am Samstag. Weitere amerikanisch-kuwaitische Militärübungen seien für die kommenden Wochen geplant, sagte der General nach einem dreitägigen Besuch der Region. Die US-Truppen seien auch für den Ernstfall bei einem möglichen Angriff gegen Irak vorbereitet. "Wir sind bereit zu allen Einsätzen und Aktionen, die unsere Nation von uns verlangt", sagte Franks.

Aus dem Irak hieß es am Samstag, man werde im Konflikt um Massenvernichtungswaffen nicht auf eine neue Resolution des Uno-Sicherheitsrates eingehen. "Irak gibt bekannt, dass er nicht mit einer neuen Resolution kooperieren wird, die von dem, was mit dem Uno-Generalsekretär vereinbart wurde, abweicht", hieß es in einer Erklärung, die vom staatlichen Rundfunk verbreitet wurde. Die Erklärung wurde nach einem Treffen der Regierungsmitglieder unter Vorsitz von Präsident Saddam Hussein veröffentlicht.

USA drängen auf Ultimatum

Auch nach dem irakischen Einlenken zu einer Rückkehr der Uno-Waffeninspektoren dringen die USA im Sicherheitsrat auf eine neue, ultimative Resolution gegen Irak. Der britische Uno-Botschafter Jeremy Greenstock erklärte nach Angaben von Diplomaten ebenfalls, ein weiterer Schritt der Uno müsse eine "glaubwürdige Drohung" enthalten für den Fall, dass Bagdad den Forderungen der Weltgemeinschaft nicht nachkommt. Weiter verlautete, alle zehn nicht-ständigen Mitglieder des Sicherheitsrats hielten eine neue Irak-Entschließung für notwendig. Irak müsste einer solchen Resolution nicht zustimmen, damit sie in Kraft treten würde.

Nach seinem Überfall auf Kuwait musste sich Irak 1991 verpflichten, unter Uno-Kontrolle seine Bestände an chemischen, biologischen und atomaren Waffen sowie ballistischen Raketen offenzulegen und zu vernichten. Seit Ende 1998 ist die Arbeit der Uno-Waffeninspektoren unterbrochen.

Moskau kommt den USA entgegen

Unterdessen bahnt sich im Streit zwischen den USA und Russland um einen möglichen Angriff auf den Irak offenbar ein Kompromiss an. Der russische Verteidigungsminister Sergej Iwanow erklärte am Freitag (Ortszeit) in Washington, er sei bereit, Beweise für gefährliche Waffenprogramme in Irak zu sichten.

"Moskaus Haltung zu einer Militäroperation in Irak wird von den Informationen abhängen, die uns die amerikanische Seite gibt", erklärte Iwanow nach einem Gespräch mit US-Präsident George W. Bush. Der russische Außenminister Igor Iwanow sagte, nach rund 7000 Rüstungskontrollen in Irak sei festgestellt worden, dass die Regierung dort nicht über atomare und chemische Waffen verfüge. "Nur die Frage der biologischen Waffen ist noch offen", erklärte er. Den Plan der US-Regierung, mit einem Sturz des irakischen Staatschefs Saddam Hussein das Problem der Massenvernichtungswaffen zu lösen, wies er zurück. "Wenn verschiedene Länder allein handeln, wird es kaum möglich sein, effektive und dauerhafte Lösungen für dieses Problem zu finden", sagte Igor Iwanow weiter.

US-Außenminister Colin Powell kündigte an, die Uno-Botschafter beider Seiten wollten weiter über das Thema diskutieren. "Wir werden versuchen, gemeinsam voranzukommen", erklärte er. Man sei sich jedoch einig, dass Irak sich den Resolutionen der Vereinten Nationen beugen müsse. Berichte über ernsthafte Meinungsverschiedenheiten zwischen den USA und Russland zum Thema Irak wies Powell zurück.

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