US-Lager Schwede berichtet von Folter in Guantanamo

Nach seiner Entlassung aus dem US-Gefangenenlager Guantanamo hat ein 25-jähriger Schwede schwere Vorwürfe gegen seine Bewacher erhoben. Noch heute leide er unter den Folgen von Schlafentzug, Lärm und frostige Kälte, sagt der Sohn algerischer Einwanderer.

Stockholm - Bei seinen Vernehmungen sei er in einem dafür eingerichteten Raum über Stunden hinweg frostiger Kälte ausgesetzt worden, berichtete Mehdi Ghezali am Mittwoch in mehreren schwedischen Medien. Seine Peiniger hätten ihn außerdem mit dauerhaftem Schlafentzug, ununterbrochener starker Beschallung und Schmerzen erzeugenden Fesselungen gequält.

"Sie haben mich in ein Vernehmungszimmer gesetzt und haben diesen als Kühlschrank benutzt. Sie haben die Temperatur auf Minusgrade geschaltet, so dass es schrecklich kalt wurde, und man dort mehrere Stunden lang frieren musste - zwölf bis 14 Stunden musste man dort ausharren -, angekettet", berichtete Ghezali. Er war am 8. Juli auf Druck der schwedischen Regierung aus der Lagerhaft freigelassen worden.

"Sie haben mich auf den Boden gezwungen mit gefesselten Füßen. Dann haben sie mir die Handfesseln abgenommen, haben mir die Arme unter den Beinen durchgezogen und die Hände erneut gefesselt. Ich konnte mich nicht mehr rühren." Nach einigen Stunden in dieser Zwangshaltung seien die Füße angeschwollen, die Schmerzen hätten seinen ganzen Körper durchzogen. "Am schlimmsten waren sie im Rücken und an den Beinen." In der Dunkelhaft hätten die Aufseher ihn mit grellen Lichtblitzen erschreckt, durch ständigen Zellenwechsel und Dauerbeschallung sei er systematisch am Schlafen gehindert worden.

Zu Islamstudien nach Pakistan

Ghezali hatte sich nach eigenen Angaben seit August 2001 zu Islam-Studien in Pakistan aufgehalten. Von dem amerikanischen Angriff auf Afghanistan sei er bei einem Besuch in der afghanischen Stadt Dschalalabad überrascht worden. Pakistanische Dorfbewohner hätten ihn bei der Rückkehr aufgegriffen und an die pakistanische Polizei verkauft, wie das damals viele Pakistaner gemacht hätten. Die Polizei habe ihn der US-Armee übergeben. Über Afghanistan sei er dann nach Guantanamo auf Kuba gebracht worden.

Die schwedische Außenministerin Laila Freivalds sagte im schwedischen Rundfunk, wenn die Vorwürfe sich bestätigten, bedeuteten sie, dass die USA gegen internationales Recht verstoßen hätten: "Das ist völlig unakzeptabel." Der Sprecher des US-Außenministeriums, Richard Boucher, sagte in Washington: "Vertreter der schwedischen Regierung haben Guantanamo mehrfach besucht und uns gegenüber keine Vorwürfe wegen Misshandlung erhoben."