US-Militär 60 Prozent weniger Anschläge im Irak

Die Terroranschläge von Aufständischen im Irak sind um 60 Prozent zurückgegangen, meldet die US-Armee. In Bagdad habe man 90 Prozent Sicherheit erreicht. Bei einem Selbstmordattentat in der irakischen Hauptstadt kamen trotzdem mehrere Menschen ums Leben.


Bagdad - Es sei natürlich nicht möglich, alle Anschläge zu unterbinden, sagte der amerikanische Militärsprecher, Konteradmiral Gregory Smith, auf einer Pressekonferenz in Bagdad. Dennoch gebe es Anzeichen für zaghaften Optimismus. Die Anschläge und Angriffe Aufständischer auf Zivilbevölkerung und Militär seien seit Beginn der jüngsten US-Offensive vor einem Jahr um mehr als 60 Prozent zurückgegangen. Damals seien im Irak täglich 205 Anschläge verübt worden. "Im vergangenen Monat haben wir 82 aufgezeichnet - ein Rückgang von mehr als 60 Prozent", berichtete Smith.

Selbstmordattentat in Bagdad: Vier Menschen in den Tod gerissen
DPA

Selbstmordattentat in Bagdad: Vier Menschen in den Tod gerissen

Smith lobte den Aufbau der irakischen Sicherheitskräfte, betonte aber, dass die Etablierung von Sicherheit im Irak Zeit und Engagement von allen brauche. Der irakische Ministerpräsident Nuri al-Maliki hatte bereits am Freitag vom "Sieg in Bagdad" gesprochen. Der irakische Verteidigungsminister Abd al-Kader al-Obeidi wies darauf hin, dass dem Terrornetzwerk al-Qaida nahestehende Gruppen nach wie vor im Norden und "Schmuggler- und Verbrecherbanden" im Südirak aktiv seien. In der Hauptstadt gebe es inzwischen "90 Prozent Sicherheit".

Aus Bagdad und der nordirakischen Stadt Mossul wurden unterdessen neue Anschläge gemeldet. In Bagdad sprengte sich nach Polizeiangaben eine Selbstmordattentäterin in einem überwiegend schiitischen Viertel in die Luft. Aus Polizeikreisen verlautete, sie habe vier Menschen mit in den Tod gerissen und zwölf verletzt. Die Selbstmordattentäterin war im Bagdader Stadtviertel Karrada zunächst an einer Straßensperre angehalten worden. Sie konnte fliehen und rannte in einen Elektroladen, wo sie den Sprengsatz auslöste. Bei dem Anschlag im 370 Kilometer nördlich der Hauptstadt gelegenen Mossul hatte die Polizei ein verdächtiges Fahrzeug untersuchen wollen. Durch die Explosion wurden zwei weitere Zivilisten verletzt.

In Mossul wurde bei einem Autobombenanschlag ein Polizist getötet. In der nordirakischen Ölstadt Mossul wurden bei einem Autobombenanschlag ein Polizist und zwei Zivilisten getötet, berichtete die Polizei. Mossul gilt inzwischen als "Epizentrum" des Kampfes gegen die Terrororganisation al-Qaida.

Die Vereinten Nationen sagten der irakischen Regierung unterdessen mehr Unterstützung bei der Rückkehr von Flüchtlingen zu. Dazu soll ein neuer Beauftragter nach Bagdad entsandt werden, wie der Uno-Hochkommissar für Flüchtlinge, Antonio Guterres, gestern nach einem Treffen mit dem irakischen Außenminister Hoschjar Sebari in Bagdad sagte. Der bisherige Beauftragte für die irakischen Flüchtlinge hatte seinen Sitz in der jordanischen Hauptstadt Amman. Auch das Personal soll zur Bewältigung der neuen Aufgaben aufgestockt werden.

Nach Schätzungen des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR flohen wegen des Krieges zwei Millionen Iraker aus ihrem Land, viele davon gingen nach Syrien und Jordanien. Weitere 2,4 Millionen Menschen waren innerhalb des Iraks auf der Flucht. Nachdem in vielen Gegenden die Gewalt abnimmt, kehren viele der Flüchtlinge wieder in ihre Heimatorte zurück.

bor/AP/AFP

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