Afghanistan US-Militär bestraft Soldaten für Koran-Schändung

Das US-Militär hat mehrere Soldaten mit Disziplinarstrafen für Vergehen in Afghanistan belegt. Die Männer hatten Koran-Ausgaben verbrannt und auf Leichen uriniert. Im ganzen Land war es im Februar nach Bekanntwerden der Vorfälle zu Ausschreitungen gekommen.


Washington - Ein im Januar aufgetauchtes Video zeigte US-Marines, die auf Leichen von getöteten Taliban-Kämpfern urinierten. Einen Monat später wurden auf der US-Militärbasis Bagram bis zu hundert Koran-Ausgaben und religiöse Schriften verbrannt. Dafür wurden mindestens neun Soldaten nun vom US-Militär bestraft.

Um welchen Strafen es sich handelt, blieb unklar. Ein Sprecher des Army- und Marine-Corps sagte lediglich, dass es sich um Verwaltungssanktionen handle. Dazu gehörten auch Degradierungen und Verlust des Soldes.

Präsident Hamid Karzai hatte das Verhalten der Marines damals als unmenschlich bezeichnet und zunächst einen öffentlichen Prozess wegen des Koran-Vorfalls gefordert. In Afghanistan war es Ende Februar zu tagelangen Ausschreitungen mit mehreren tausend Demonstranten gekommen, bei denen mindestens 30 Menschen starben. Die Gewalt richtete sich gezielt auf die Schutztruppe Isaf und deren Stützpunkte. Zwei Isaf-Soldaten waren erschossen worden.

Weiteren Soldaten drohen Disziplinarmaßnahmen

Die USA hatten bei Karzai formell für die Verbrennung von Koran-Schriften entschuldigt. In einem Schreiben äußerte US-Präsident Barack Obama "tiefes Bedauern über den berichteten Zwischenfall" und sprach eine "aufrichtige Entschuldigung" aus. Außerdem sollten die Verantwortlichen für die Verbrennungen zur Rechenschaft gezogen werden, so Obama.

Nachdem die "LA Times" im April Fotos der Leichenschändungen veröffentlicht hatte, fürchteten die USA Racheakte in Afghanistan. Obama forderte denn auch umgehend eine Untersuchung. Das auf den Bildern dargestellte Verhalten sei "verwerflich" und entspreche nicht den Standards der US-Armee, hatte sein Sprecher Jay Carney mitgeteilt: "Es wird untersucht, und die Verantwortlichen werden zur Verantwortung gezogen."

Die militärische Untersuchung ergab nun, dass bis zu hundert Koran-Ausgaben und weitere religiöse Schriften verbrannt worden waren. Dafür sind sechs Soldaten bestraft worden. Vier von ihnen waren Offiziere, zwei Unteroffiziere. Der Vorfall sei auch ein Resultat fehlenden Vertrauens zwischen Amerikaner und Afghanen, hieß es. Von einer boshaften Absicht könne jedoch keine Rede sein.

Drei Marines bekannten sich schuldig, Leichen geschändet zu haben. Ihre Identitäten blieben ebenfalls geheim. Disziplinarmaßnahmen gegen weitere Soldaten sollen zu einem späteren Zeitpunkt bekanntgegeben werden.

max/Reuters

insgesamt 2 Beiträge
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Marshmallowmann 28.08.2012
1. optional
Bücher verbrennen sollte unbestraft sein, aber Leichen schänden... Einfach nur dumm die Aktion.
Hans58 28.08.2012
2.
Sie sind in militärischen Dingen erkennbar nicht bewandert. Natürlich werden auch in den US-Streitkräften Disziplinarmaßnahmen der Art und Höhe nach nicht unbedingt der Öffentlichkeit bekannt gegeben, sie sprechen sich aber sehr schnell - wie in der Bw auch - im Kameradenkreis herum und haben daher auch eine abschreckende Wirkung. Was heißt denn "quasi straffrei"? Der Artikel, über den hier diskutiert wird, beweist doch das Gegenteil. Hinsichtlich der "weiteren Extremisten in der US Armee" hat Ihnen bereits ein anderer Forist dazu etwas gesagt.
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