Kampf gegen IS-Terroristen Einsatz des US-Militärs in Syrien - Geiselbefreiung gescheitert

US-Spezialeinheiten haben nach Angaben des Verteidigungsministeriums in diesem Sommer versucht, amerikanische Geiseln aus der Hand der Terrormiliz IS in Syrien zu befreien. Die Operation scheiterte.

Gebiete unter IS-Kontrolle in Syrien und im Irak (Stand: 14. August): US-Einsatz verlief erfolglos
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Gebiete unter IS-Kontrolle in Syrien und im Irak (Stand: 14. August): US-Einsatz verlief erfolglos


Washington - Eine Militäraktion zur Befreiung amerikanischer Geiseln aus der Hand des "Islamischen Staat" (IS) in Syrien ist nach Angaben des US-Verteidigungsministeriums gescheitert. Spezialeinheiten hätten bei dem Einsatz, der diesen Sommer stattfand, keine Geiseln gefunden, teilte Pentagonsprecher John Kirby mit.

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Heft 34/2014
Wie die IS-Terroristen ihr Kalifat errichten

Am Mittwoch hatten die USA bestätigt, dass der amerikanische Journalist James Foley durch IS-Kämpfer getötet wurde. Die Terroristen hatten ein Video veröffentlicht, das den Tod des seit 2012 in Syrien vermissten Reporters zeigt. Auf dem am Dienstag ins Internet gestellten Video ist zu sehen, wie ein vermummter IS-Kämpfer, der mit britischem Akzent spricht, die Ermordung Foleys in Szene setzt.

An dem Geisel-Befreiungsversuch seien Luft- und Bodeneinheiten beteiligt gewesen, erklärte Kirby. Einzelheiten teilte er nicht mit. "Unglücklicherweise war die Mission nicht erfolgreich, weil die Geiseln nicht an dem Ort waren." Die Verschleppten seien offenbar wenige Stunden, "vielleicht auch ein oder zwei Tage" vor der Kommandoaktion an einen anderen Ort gebracht worden.

Pentagon ist verärgert über Bekanntgabe der Details

US-Präsident Barack Obama habe grünes Licht für einen Militäreinsatz gegeben. Unklar ist, wie viele Amerikaner derzeit in Syrien und im Irak festgehalten werden.

Die "New York Times" berichtet unter Berufung auf namentlich nicht genannte US-Beamte, zwei Dutzend Elitesoldaten seien in einer abgelegenen Gegend in Syrien abgesetzt worden. Im Verlauf der Operation seien sie in ein Feuergefecht mit den Terroristen verwickelt worden. Die Regierungsvertreter gingen davon aus, dass mehrere Dschihadisten dabei getötet worden seien. Die IS-Terroristen nahmen einen US-Hubschrauber unter Feuer, es sei jedoch nur ein Soldat verwundet worden, hieß es.

Pentagon-Beamte reagierten verärgert darüber, dass die Regierung den gescheiterten Befreiungsversuch öffentlich gemacht hat. IS habe dadurch Details erfahren, die bislang nicht bekannt waren. Jede künftige Operation werde dadurch viel schwerer.

Caitlin Hayden, Sprecherin des Nationalen Sicherheitsrats, sagte, die Regierung habe nie geplant, den missglückten Einsatz öffentlich zu machen. Es habe jedoch verschiedene Medien gegeben, die Berichte über die Mission vorbereitet hätten. Als Konsequenz habe sich die Regierung selbst zu der Veröffentlichung entschieden.

Vor der Ermordung von James Foley hatten die Dschihadisten ein Lösegeld in Höhe von mehreren Millionen Dollar verlangt. Die USA weigerten sich jedoch zu zahlen. Nach Angaben der "New York Times" soll der IS derzeit noch mindestens drei weitere Amerikaner in seiner Gewalt haben. Auch mehrere Briten sind derzeit Geiseln der Dschihadisten. Auch London will sich von den Terroristen nicht erpressen lassen - anders als andere europäische Regierungen, die in den vergangenen Jahren mehrere Millionen Dollar an die islamistischen Entführer zahlten, um Landsleute aus der Geiselhaft zu befreien.

Neue Luftschläge im Irak

Unterdessen setzen die USA ihre Luftangriffe gegen den IS im Irak fort. Kampfjets und Drohnen hätten erneut Stellungen der Dschihadisten in der Nähe des Mossul-Staudamms im Nordirak angegriffen, teilte das US-Zentralkommando in Tampa, Florida, mit. Mehrere Fahrzeuge seien zerstört oder beschädigt worden. Die Militärs sprachen von 14 Angriffen. Die IS-Kämpfer drohen mit der Ermordung weiterer Amerikaner, falls die USA die Luftangriffe nicht einstellen sollten. Das Einflussgebiet des IS erstreckt sich über weite Teile des nördlichen Syriens und des Nordirak.

Für Ende September lädt Obama zu einem Terrorismus-Gipfel nach New York ein. An dem Treffen sollen die Staats- und Regierungschef der fünf Uno-Vetomächte teilnehmen. Zu den Vetomächten im Sicherheitsrat gehören neben den USA auch Russland, Großbritannien, Frankreich und China.

Die mutmaßliche Enthauptung des 40-jährigen Journalisten Foley verurteilte Obama mit schärfsten Worten. Die Tat "schockiert die gesamte Welt", sagte er an seinem Urlaubsort Martha's Vineyard. Die USA würden weiterhin alles tun, um ihre Bürger zu schützen. "Wir werden wachsam sein. Wir werden unnachgiebig sein", erklärte Obama. Der Kampf gegen die IS-Miliz müsse von der internationalen Gemeinschaft getragen werden: "Es muss eine gemeinsame Anstrengung geben, den Krebs zu entfernen, damit er sich nicht ausbreitet."

Lesen Sie mehr über den "Islamischen Staat" hier im aktuellen SPIEGEL.

Anmerkung der Redaktion: SPIEGEL ONLINE zeigt das im Web kursierende Video der mutmaßlichen Enthauptung James Foleys nicht. Die Bilder zu zeigen, würde die Würde des Opfers verletzen und wäre Propaganda für die Islamisten.

syd/wal/dpa/Reuters/AFP

insgesamt 190 Beiträge
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onlinematter 21.08.2014
1. Frage und Antwort
Womit würden die alle wohl kämpfen, wenn es keine Rüstungsexporte gäbe? Genau, mit den Fäusten. Und was wär dann? Genau, nach wenigen Stunden wär die Luft raus und alle hätten ihr Mütchen gekühlt.
onlinematter 21.08.2014
2.
Wenn man sich als Ami mehr raushielte, nicht alle von der scheinbaren Glückseligkeit des American Way überzeugen wollte, wär man auch nicht so verhasst. Dann würden solche Einsätze gar nicht nötig. Den USA (und Briten) steht bevor, was Russen und Deutsche schon hinter sich haben.
tylerdurdenvolland 21.08.2014
3. Na was sieht man denn da?
SCheint sich ja wohl doch nicht nur um eine Bande dummer, religiöser Höhlenbewohner zu handlen, wie uns die NATO Herren weismachen wollen? Es handelt sich umeine innerislamische Entsicklung wie in er christölichen Reformation. Dort eingreifen kann nur jemand der von der Gegend nicht die geringste Ahnung hat...oder... wie üblich, wird die wahre Agenda verschwiegen. Man nur beten(!), dass die deutschen Bürger ihre Regierung irgendwie daran hindern werden sich dort ebenfalls einzumischen.
murmel57 21.08.2014
4. Das soll Islam sein?
Diese Vermummten behaupten im Namen des Islam zu handeln. Die durch ein Video öffentlich Gemachte Ermordung eines Journalisten wurde in allen Medien Verbreitet. Jetzt wünsche ich mir von den Medien, dass sie von den Spitzen der islamischen Verbände in Deutschland eine eindeutige Stellungnahme zum Thema Islamischer Staat veröffentlichen. Auch die Meinungen der Prediger, die im direkten Kontakt mit den Gläubigen sind, und ob und wie viel Unterstützung die Islamischen Verbände in Deutschland von öffentlichen Stellen, direkt oder indirekt, erhalten wäre mal eine Meldung wert. Ein Angriff auf die Medien, stellvertretend für eine aufgeklärte und freie Gesellschaft, begründet durch den Islam, darf nicht kommentarlos von den Vertretern des Islam ignoriert werden.
lustiger_leser 21.08.2014
5. Tragisch, aber...
Natürlich ist es entsetzlich, was mit dem Reporter passiert ist. Aber wie so oft verstehe ich den Aufschrei in der ganzen Welt nicht, denn schließlich ermordete der IS in den letzten Monaten 1000e Menschen auf grauenvolle Weise und stellte viele Videos ins Netz. Aber tote Iraker gehen uns irgendwie nichts an, oder?
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