US-Militärpläne Raketen in Polen, Radar in Tschechien

Geplant ist das umstrittene System zum Schutz vor Interkontinentalraketen schon lange, aber nun wird es ernst: Die ersten Basen außerhalb der USA sind in Polen und Tschechien geplant. Die Kritik in den beiden osteuropäischen Ländern ist groß.


Prag – Mit dem Ausbau in Osteuropa wächst der Raketenabwehrschirm erstmals über die amerikanischen Landesgrenzen hinaus. Wie die tschechische Zeitung "Mladá fronta Dnes" berichtete, sei der Bau eines Silos in Polen und einer Radaranlage in Tschechien geplant. Stützpunkte dieser Art gab es bisher nur in Kalifornien und in Alaska.

Die beiden osteuropäischen Staaten sind aus Sicht der USA strategisch sinnvolle Ausgangspunkte, da sie sich im Besonderen für die Abwehr von Lenkwaffen aus dem Iran oder Nordkorea eignen. Das Pentagon hatte den Kongress vor einiger bereits um die Freigabe von 56 Millionen Dollar (44 Millionen Euro) für das Raketenabwehsystem gebeten.

Mit offenen Armen werden die Amerikaner in den beiden osteuropäischen Ländern nicht empfangen. Der vormalige Plan der USA, zehn Raketen in Mähren zu stationieren ist bereits am Widerstand der Bevölkerung gescheitert.

Trotz der traditionell engen Beziehungen zwischen Tschechien und den USA ist das Raketenabwehrsystem in der Öffentlichkeit stark umstritten. Die Furcht vor terroristischen Anschlägen überwiegt: Umfragen zufolge befürworten nur 17 Prozent der Bevölkerung eine Stationierung amerikanischer Raketen und Soldaten. Die tschechischen Sozialdemokraten hatten sogar eine Volksabstimmung der Raketenfrage gefordert.

In Polen kam ebenfalls Kritik gegen das Abwehrsystem auf. Ende Juli kritisierte der polnische Präsident Lech Kaczynski, dass die amerikanischen Raketenbasen vollkommen autark betrieben würden und nicht der polnischen Rechtsprechung unterlägen. Auch Russland hatte die Pläne eines Raketenabwehsystems nach ihrem Bekanntwerden kritisiert.

fho/dpa



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