US-Pläne Kuba wird Gefangeneninsel für al-Qaida-Terroristen

Die USA haben in Afghanistan bisher rund 300 Gefangene gemacht. Auf die al-Qaida- und Taliban-Kämpfer wartet offenbar ein Leben in der Karibik.


US-Stützpunkt Guantanamo Bay auf Kuba: Platz für gefangene al-Qaida-Kämpfer
AP

US-Stützpunkt Guantanamo Bay auf Kuba: Platz für gefangene al-Qaida-Kämpfer

Washington - Das Pentagon ist dabei, in Guantanamo Bay auf Kuba ein Häftlingslager für zunächst 100 Afghanistan-Gefangene einzurichten. Das Lager soll später bis zu 2000 Gefangene aufnehmen können. Kosten für das Projekt: Fünf bis zehn Millionen Dollar. Die ersten Häftlinge sollen in etwa zehn Tagen eintreffen.

Die US-Regierung hat bereits Truppen auf den US-Militärstützpunkt rund 1000 Kilometer südlich von Havanna verlegt. Pentagon-Sprecher James Cassella sagte, die zusätzlich nach Kuba entsandten rund 1500 Mann sollen helfen, ein Gefängnis zu bauen, das höchst mögliche Sicherheit garantiert. Die Truppe besteht aus Militärpolizisten, Ingenieuren, Ärzten und Transport- und Kommunikationsspezialisten.

US-Präsident George W. Bush hat das Pentagon, das Justizministerium und das Amt für Nationale Sicherheit unterdessen damit beauftragt, Richtlinien zu erarbeiten, wie mit den erwarteten Häftlingen aus Afghanistan zu verfahren sei. Es müssten Kriterien dafür entwickelt werden, welche Gefangenen vor ein Kriegsgericht kommen werden und welche ein Zivilverfahren zu erwarten haben.

Wo mögliche Prozesse stattfinden sollen, ist noch unklar. Die Regierungsbeamte prüfen derzeit, wo die Tribunale in den USA abgehalten werden könnten. Verteidigungsminister Donald Rumsfeld sagte, er schließe nicht aus, dass es auch in Guantanamo Bay zu Prozessen kommen werde.

Aus dem Pentagon verlautete, die Regeln darüber, wie in den Tribunalen zu verfahren sei, seien fast vollständig ausgearbeitet. Bisher wurde keiner der rund 300 Gefangenen, die sich derzeit noch in Afghanistan oder auf US-Schiffen aufhalten, konkreter Verbrechen beschuldigt.

Unter den Gefangenen, die auf Kuba landen könnten, ist auch John Walker. Der 20-jährige Kalifornier hatte sich in Afghanistan der al-Qaida-Terrorgruppe Osama Bin Ladens angeschlossen. Zur Zeit wird er mit acht anderen Gefangenen auf der USS-Bataan festgehalten. Sein weiteres Schicksal ist noch immer ungewiss. Regierungsvertreter sagten nun, sie erwarteten, dass das Militär Walker an die zivile Gerichtsbarkeit übergeben werde, wobei noch unklar sei, wofür er überhaupt angeklagt werde.



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