US-Präsident in Tokio Obama umwirbt Asiens Staaten

"Ich bin Amerikas erster pazifischer Präsident": Mit markigen Worten hat US-Präsident Barack Obama in Tokio seine Asien-Reise eingeleitet. In einer Grundsatzrede kündigt er ein stärkeres Engagement der Vereinigten Staaten in den asiatischen Ländern an. Zugleich betonte er den Führungsanspruch in der Welt.

AFP

Tokio - Barack Obama hat sich in einer außenpolitischen Grundsatzrede zu einer verstärkten Rolle der Vereinigten Staaten in Asien bekannt. Die USA wollten ihr Engagement in der wachstumsträchtigen Region vertiefen, sagte der US-Präsident am Samstag vor 1500 Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens in Tokio. Sich selbst bezeichnete er in der 40-minütigen Rede als "Amerikas erster pazifischer Präsident".

Jeder Amerikaner müsse wissen, dass die Zukunft dieser Region für die USA von großer Bedeutung sei. "Was hier geschieht, hat direkte Folgen für unser Leben daheim", sagte Obama am zweiten Tag seiner einwöchigen Asien-Reise. "Die Geschicke von Amerika und des asiatisch-pazifischen Raums sind nie enger miteinander verbunden gewesen."

Dabei sei es zu begrüßen, dass China eine größere Rolle auf der Weltbühne spiele, sagte der US-Präsident. Die zunehmende Wirtschaftsleistung Chinas gehe mit wachsender Verantwortung einher. Es gebe keinen Grund, den schnellen Aufstieg Chinas zu fürchten. "Die Vereinigten Staaten streben nicht danach, China einzudämmen", sagte der US-Präsident. Aber alle Nationen müssten die Menschenrechte respektieren, einschließlich der Religionsfreiheit.

Wie bereits am Vortag bekannte sich Obama zu einer engen sicherheitspolitischen Zusammenarbeit mit den asiatischen Staaten. Auch wenn US-Soldaten bereits an zwei Kriegen in Afghanistan und im Irak beteiligt seien, so sei das Engagement der USA für die Sicherheit in Japan und in ganz Asien "unerschütterlich". Das sei an der militärischen Präsenz der USA in der ganzen Region ersichtlich.

Nordkoreas Drohungen wirkungslos

In seiner Rede forderte der US-Präsident Nordkorea auf, zu den Sechs-Nationen-Gesprächen über die Beendigung seines Atomprogramms zurückzukehren. Jahrzehntelang habe Nordkorea mit seinem Atomwaffenprogramm den Weg der Konfrontation beschritten. Für das Land sei aber auch eine "andere Zukunft" möglich, bei der Nordkorea international eingebunden würde, wirtschaftliche Chancen und mehr Sicherheit sowie Respekt erhalten würde. Dazu sei aber eine Wiederaufnahme der Sechs-Nationen-Gespräche und letztlich eine vollständige atomare Abrüstung Nordkoreas nötig.

Die USA würden sich von den Drohungen Pjöngjangs nicht "einschüchtern" lassen, fügte Obama hinzu. Vielmehr werde seine Regierung weiterhin "mit Taten, nicht nur mit Worten" klare Signale an Nordkorea senden.

Von der Militärjunta in Burma forderte Obama, die inhaftierte Oppositionsführerin und Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi und alle weiteren politischen Häftlinge "ohne Bedingungen" freizulassen. Die USA würden die bestehenden Sanktionen gegen Burma aufrechterhalten, bis das Land "konkrete Schritte" hin zu demokratischen Reformen unternehme. "Wir unterstützen ein vereintes, friedliches, wohlhabendes und demokratisches Burma", sagte Obama. "Wenn sich Burma in diese Richtung bewegt, dann sind bessere Beziehungen mit den USA möglich."

Obama will neue Ära der Verantwortung

Obama betonte in Tokio auch den Führungsanspruch der USA in der Welt. "Seit ich mein Amt angetreten habe, arbeite ich dafür, die amerikanische Führung zu erneuern und eine neue Ära der Verantwortung in der Welt basierend auf gemeinsamen Interessen und gegenseitigen Respekt zu bilden", sagte der Präsident. Die amerikanischen Bemühungen um die asiatisch-pazifische Region fußten in wesentlichem Maße auf der lange andauernden, wiederbelebten Allianz von Japan und den USA.

Obama hatte am Freitag in Japan seine erste Asienreise im Amt begonnen. Er war am Nachmittag in Tokio eingetroffen, wo er anschließend den neuen Ministerpräsidenten Yukio Hatoyama traf. Nach seiner Rede am Samstag traf er mit Kaiser Akihito und seiner Frau Michiko zu einem Mittagessen im Kaiserpalast von Tokio zusammen.

Noch am selben Tag wollte Obama zum Gipfel des Asiatisch-Pazifischen Wirtschaftsforums (Apec) in Singapur weiterreisen. Dort trifft er am Sonntag unter anderen auf Burmas Premierminister Thein Sein - allerdings nicht zu einem bilateralen Gespräch, wie die US-Regierung betont hat.

Von Sonntag an hält sich der US-Präsident dann mehrere Tage lang in China auf, bevor ein Besuch in der südkoreanischen Hauptstadt Seoul die Asien-Reise am Donnerstag abschließen soll.

Aus Delegationskreisen verlautete am Samstag, dass Obama früher auf dem Apec-Gipfel erscheinen würde als zunächst geplant. Das würde es ihm erlauben, an mehr Veranstaltungen des Treffens teilzunehmen. Details wurden aber nicht genannt.

abl/AP/dpa



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