Neues US-Sicherheitsteam Zwei starke Frauen für Obama

Neue Nationale Sicherheitsberaterin, neue Uno-Botschafterin: US-Präsident Barack Obama macht zwei seiner engsten Vertrauten zu mächtigen Mitspielern. Susan Rice und Samantha Power könnten schon bald den Syrien-Kurs der Regierung verändern.

Power, Rice, Obama: "Ich wusste, dass ich für dich arbeiten wollte"
DPA

Power, Rice, Obama: "Ich wusste, dass ich für dich arbeiten wollte"

Von , Washington


Es ist ein bisschen wie beim Treffen mit Freunden, im Rosengarten des Weißen Hauses. Susan Rice blinzelt in die Sonne und sagt, wie dankbar sie dem Präsidenten ist, dass er all die Jahre sein Vertrauen in sie setzt. Und Samantha Power erinnert Barack Obama noch einmal daran, wie das war, damals, als sie sich zum ersten Mal trafen: "Seit diesem Tag wusste ich, dass ich für dich arbeiten wollte."

Barack Obama steht daneben und freut sich: der Präsident und seine starken Frauen. Denn Susan Rice und Samantha Power werden entscheidende Posten in der US-Regierung übernehmen: Im Juli tritt Amerikas bisherige Uno-Botschafterin Rice ihren neuen Job als Obamas Nationale Sicherheitsberaterin an; Power wiederum soll Rice bei der Uno nachfolgen, der US-Senat muss sie noch ernennen.

"Dann werden sie ein Problem mit mir bekommen!"

Beide Frauen haben so einiges gemeinsam: Sie haben schon 2008 mit Obama ums Weiße Haus gekämpft; sie gehören zu seinen engsten Vertrauten; sie verstehen sich als "liberal hawks", als Falken auf der Linken, die für militärisches Eingreifen aus humanitären Gründen eintreten; beide haben zwei kleine Kinder.

Und vor allem: Ihr Einfluss auf die künftige US-Außenpolitik kann kaum überschätzt werden.

Die 48-jährige Rice dürfte in der mächtigen Position der Nationalen Sicherheitsberaterin in Kombination mit ihrer Nähe zum Präsidenten schon bald Außenminister John Kerry in den Schatten stellen. Der war ja ohnehin nur Obamas zweite Wahl fürs State Departement. Eigentlich hatte sich der Präsident auch für diesen Posten schon Susan Rice gewünscht.

Weil sie aber im vergangenen September den Angriff auf die US-Vertretung im libyschen Bengasi nicht von Beginn an als Terrorattacke bezeichnet hatte, geriet sie unter massiven Druck aus dem republikanischen Lager - und konnte nicht mehr auf die zu ihrer Ernennung nötigen Stimmen im US-Senat zählen. Obama reagierte verärgert wie selten, was sein besonderes Vertrauensverhältnis zu Rice nur noch unterstreicht: Wenn sich die Republikaner die Uno-Botschafterin "vorknöpfen" wollten, sagte er, dann würden sie "ein Problem mit mir bekommen". Auf das Parlament muss diesmal keine Rücksicht genommen werden, bei der Berufung des Nationalen Sicherheitsberaters hat der Senat kein Mitspracherecht.

Abgang Arm in Arm: Power, Rice, Obama, Donilon
AFP

Abgang Arm in Arm: Power, Rice, Obama, Donilon

Obama hat seit jeher einen nur kleinen Kreis von Vertrauten um sich geschart, in dem die eigentliche Politik gemacht wird. Seit Rice ihren Job in der Denkfabrik Brookings aufgab, um ihm im Wahlkampf als außenpolitische Beraterin zu dienen, gehört sie dazu. Nach der weder mit ihr verwandten noch verschwägerten Condoleezza Rice ist sie nun die zweite Frau auf dem Posten der Sicherheitsberaterin. Sie folgt auf Tom Donilon, der an diesem Sonnentag im Rosengarten auch dabei ist.

Donilon, lobt da Obama, habe quasi nonstop gearbeitet, "24 Stunden, jeden Tag, das ganze Jahr". Sein Aufgabenbereich sei "die ganze Welt". Und der Job wohl "einer der am meisten fordernden in meiner Regierung". Spätestens jetzt weiß Susan Rice, was auf sie zukommt. Tatsächlich zeigt die Fülle von Donilons Arbeit, wie einflussreich Rice sein wird: Der 58-Jährige hat etwa die Jagd auf Osama bin Laden koordiniert oder die neue Schwerpunktsetzung der US-Außenpolitik auf Asien gestaltet.

Rice arbeitete schon unter Präsident Bill Clinton im Weißen Haus, war für Afrika zuständig. Selbstkritisch sieht sie ihre Rolle mit Blick auf den Völkermord in Ruanda 1994, den die US-Regierung tatenlos hinnahm. Seitdem gilt sie als Anhängerin der Idee sogenannter humanitärer Interventionen. Zuletzt argumentierte sie etwa für das militärische Eingreifen der Nato in Libyen gegen Diktator Gaddafi.

Wie aber wird nun Rice ihren neuen Einfluss geltend machen, wenn es um Syriens Bürgerkrieg geht? Obama scheint zwar mittlerweile Waffenlieferungen an einige Rebellengruppen zu erwägen, will aber Amerika nicht in einen neuerlichen Krieg verwickelt sehen. Die Berufung von Rice könnte ein Signal in Richtung mehr Engagement sein.

Gleiches gilt für die Nominierung von Samantha Power, einer gebürtigen Irin. Die 42-Jährige hat in den vergangenen Jahren schon im Nationalen Sicherheitsrat für Obama gearbeitet. Als junge Journalistin war sie während der Balkan-Kriege in Bosnien unterwegs; später gewann sie den Pulitzer-Preis für ihr Buch über die Geschichte des Genozids: "A Problem from Hell". Hart geht sie darin mit den USA ins Gericht, weil diese "noch nie in ihrer Geschichte interveniert haben, um einen Völkermord zu stoppen", wie sie schreibt. Obama sagt im Rosengarten, Power habe den Pulitzer-Preis schon als "15- oder 16-Jährige" gewonnen. Man lacht, aber das Kompliment sitzt. Tatsächlich war Power 33 Jahre alt, was ja auch noch ziemlich jung ist.

Das neue außen- und sicherheitspolitische Team des Präsidenten ist nun nahezu vollständig: John Kerry ist im Außenministerium auf Hillary Clinton gefolgt; Chuck Hagel hat das Pentagon von Leon Panetta übernommen; John Brennan ist zum CIA-Chef aufgerückt, nachdem David Petraeus wegen einer Affäre gehen musste; und der Republikaner James Comey soll Medienberichten zufolge neuer FBI-Direktor werden, in der Nachfolge von Robert Mueller III.

insgesamt 4 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
laolu 05.06.2013
1. Starke Frauen?
Zitat von sysopDPANeue Nationale Sicherheitsberaterin, neue Uno-Botschafterin: US-Präsident Barack Obama macht zwei seiner engsten Vertrauten zu mächtigen Mitspielern. Susan Rice und Samantha Power könnten schon bald den Syrien-Kurs der Regierung verändern. http://www.spiegel.de/politik/ausland/us-praesident-obama-stellt-sicherheitsberaterin-rice-vor-a-904035.html
Bislang ist mir Susan Rice eigentlich nur durch ihr ruppiges Benehmen als UN-Botschafterin in Erinnerung. Mit einer Wortwahl, die man in diesen Kreisen von Vertretern der westlichen Staaten nicht gewohnt war.
denkmal65 06.06.2013
2. nomen es omen
Rice? Nun müssen die beiden ja nicht verwand sein, sie und ihre kriegslüsternde Namensvetterin. Selbst wenn, heißt das ja noch lange nicht, das die die gleiche Einstellung zur Politik und Wirklichkeit haben. Allerdings kommen beide von der gleichen Uni. Einer Uni wo Conoliza Professorin war.... Ganz schlechte Voraussetzungen! Aber erst mal abwarten.
detlefvonseggern 06.06.2013
3. Neues Team
Sieht man Anhand dieser Berufung einmal wieder, wie die Fäden im Weißen Haus gezogen werden. Ob dies richtig war, oder auch nicht, wird die Zukunft weisen. Werden die Republikaner wohl keine Gelegenheit auslassen, diesen zwei "neuen" Damen, das politische Leben so schwer wie möglich zu machen bzw. ihnen jegliche weltpolitische "Fehlentscheidung" Obamas - welche in einem Krieg ausartet - anzuhaften.
Dette 06.06.2013
4. Blablabla
Zitat von sysopDPANeue Nationale Sicherheitsberaterin, neue Uno-Botschafterin: US-Präsident Barack Obama macht zwei seiner engsten Vertrauten zu mächtigen Mitspielern. Susan Rice und Samantha Power könnten schon bald den Syrien-Kurs der Regierung verändern. http://www.spiegel.de/politik/ausland/us-praesident-obama-stellt-sicherheitsberaterin-rice-vor-a-904035.html
Noch duemmer und stereotypischer als 'dicker' Mercedes oder 'starke' Frauen ist nur noch 'Power'-Frau'.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.