US-Präsidentschaft McCain und Obama liefern sich ersten Schlagabtausch

Hillary Clinton hat er niedergerungen, John McCain ist jetzt der entscheidende Gegner für Barack Obama: In seiner Siegesrede nach den beiden letzten Vorwahlen griff der Kandidat der Demokraten seinen republikanischen Rivalen an. Der schlug umgehend zurück.


Hamburg - Es war, als ob der Name der Halle in St. Paul, Minnesota, Programm gewesen wäre: "Xcel Energy Center" - es war die Energie des Triumphes, die Barack Obama nach den letzten beiden Vorwahlen sagen ließ: "Ich kann vor euch stehen und sagen: Ich werde der demokratische Kandidat für das Präsidentenamt sein." Und es war die Energie der Zuversicht, die ihn den nächsten Gegner nach Hillary Clinton ins Visier nehmen lies: John McCain.

In seiner Siegesrede zeigte er, wie er gegen McCain punkten will: unter anderem, indem er einen Anti-Bush-Wahlkampf machen wird: "Auch wenn John McCain sich in der Vergangenheit unabhängig von seiner Partei gezeigt hat: Unabhängigkeit war nicht das Markenzeichen seiner Kampagne. Es ist kein Wandel, wenn John McCain die Politik von George Bush zu 95 Prozent unterstützt, wie er es im vergangenen Jahr im Senat getan hat."

Der Bush-Vorwurf saß. Doch McCain ist präpariert - der Senator aus Arizona widerspricht der Behauptung, er werde lediglich die Politik von George W. Bush fortsetzen. In Arlington (US-Bundesstaat Virginia) griff er Obama am Dienstag scharf an: "Sie werden von meinem Gegner in jeder Rede, in jedem Interview, in jeder Pressemitteilung hören, dass ich für eine dritte Amtszeit von Präsident Bush stehe. Sie werden hören, dass jede Politik des Präsidenten eine Bush-McCain-Politik war. Wieso findet Senator Obama es so wichtig, diese Idee wieder und wieder zu wiederholen? Weil er weiß, wie schwierig es ist, Amerikanern etwas Falsches einzubläuen."

Doch dann kam McCain auf einen Punkt zu sprechen, in dem er tatsächlich die Position Bushs vertritt: "Alle Fortschritte (im Irak) wären dahin, wenn Senator Obama seinen Willen bekommen und damit begonnen hätte, unsere Truppen aus dem Irak abzuziehen, ohne die Lage zu berücksichtigen und auf den Rat der Befehlshaber vor Ort zu hören. Die Amerikaner sollte das Urteilsvermögen eines Präsidentschaftskandidaten beunruhigen, der persönlich und ohne Bedingungen mit Diktatoren zwischen Havanna und Pjöngjang reden will, aber bisher nicht in den Irak zu einem Treffen mit General Petraeus gereist ist, um sich selbst ein Bild von dem Fortschritt zu machen, den er zunichte zu machen droht."

McCain drückte aber auch seinen Respekt gegenüber Obama aus. Er bezeichnete ihn als "beachtlichen Gegner" im Rennen um das Weiße Haus. "Ich bin bereit für diese Herausforderung", so McCain. Die Präsidentschaftswahl im November sei eine Wahl des Wechsels. "Egal, wer die Wahl gewinnt, die Richtung des Landes wird sich dramatisch ändern. Aber es gibt eine Wahl zwischen der richtigen und der falschen Veränderung; zwischen Vorwärtsgehen und Rückwärtsgehen."

Eine erste Reaktion zum Sieg Obamas über Clinton kam vom USA-Experten der Bundesregierung, Karsten Voigt. Für ihn steht der Ausgang der Präsidentschaftswahl längst noch nicht fest. "Ob McCain oder Obama Präsident wird, das ist völlig offen", sagte der Koordinator für deutsch-amerikanische Zusammenarbeit. Trotz seines Triumphes über Hillary Clinton im innerparteilichen Kampf um die Präsidentschaftskandidatur könne sich Barack Obama noch nicht sicher sein, auch ins Weiße Haus einzuziehen.

Allerdings sei schon jetzt davon auszugehen, dass die Mehrheit der Demokraten im Kongress größer werde. Neben dem Nachfolger von George W. Bush wird im November auch ein Teil der Abgeordneten und Senatoren neu gewählt. Im Herbst 2006 übernahmen die Demokraten in beiden Kammern die Führung.

Voigt zeigte sich auch skeptisch, ob Hillary Clinton nach ihrer Niederlage gegen Obama als Vizepräsidentschaftskandidatin in die Wahl gehen werde. "Obama muss alles tun, um die Wähler, die Hillary Clinton unterstützt haben, zu gewinnen." Allerdings müsse feststehen, "wer auf einem solchen Ticket die erste und wer die zweite Geige spielt. Und bisher hat Hillary Clinton nicht sichtbar gemacht, dass sie wirklich akzeptiert, dass Obama die erste Geige spielt." Dies mache "natürlich eine solche Nominierung schwierig".

Voigt stellte klar, dass unabhängig vom Ausgang der Wahl im November neue politische Forderungen auf Deutschland zukommen werden. "Keiner wird verlangen, dass die Deutschen Truppen in den Irak schicken. Aber sowohl Obama als auch McCain werden verlangen, dass wir uns beim zivilen Aufbau mehr engagieren, besonders wenn sich die Sicherheitslage dort weiter stabilisiert." Beim Thema Afghanistan werde der nächste US-Präsident sowohl ein stärkeres ziviles als auch militärisches Engagement fordern, dauerhaft insbesondere im stark umkämpften Süden. "Das bedeutet nicht, dass wir es tun müssen. Aber deutsche Politik wird mit diesen Erwartungen konfrontiert."

asc/Reuters/dpa/AP

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