US-Präsidentschaftskandidat Cain Schlammschlacht um den Hermanator

Der republikanische Präsidentschaftsbewerber Herman Cain im Zwielicht: Jetzt hat eine weitere Frau behauptet, von ihm belästigt worden zu sein. Der Top-Kandidat wehrt sich - er vermutet, dass Konkurrent Rick Perry hinter den Vorwürfen steckt.

Belästigungsvorwürfe gegen Herman Cain: Top-Kandidat unter Druck
AFP

Belästigungsvorwürfe gegen Herman Cain: Top-Kandidat unter Druck

Von , Washington


"Stärke und Klarheit", das sollte sein Rezept sein. So jedenfalls hat es Herman Cain den Leuten auf seinen Wahlkampfveranstaltungen eingehämmert. Wieder und wieder. Der Ex-Chef einer Pizza-Kette, der Anti-Politiker, der brillante Rhetoriker: Cain zog als Außenseiter in den Kampf um die republikanische Präsidentschaftskandidatur, war für das Establishment ein Witzkandidat und für die radikale Tea-Party-Bewegung ein Hoffnungsträger.

In dieser Woche schließlich führte er alle wichtigen Umfragen an. Doch dann kamen die Vorwürfe: sexuelle Belästigung. Sie könnten das Aus für den Kandidaten Cain bedeuten.

Mittlerweile sind es drei Frauen und Angestellte des US-Gaststättenverbands, die Cain in den neunziger Jahren, damals war er der Vorsitzende der Organisation, mit anzüglichen Bemerkungen oder Gesten belästigt haben soll. Über die ersten beiden Fälle berichtete das Online-Magazin "Politico", am Mittwoch legte die Nachrichtenagentur AP mit dem dritten Fall nach.

Cain kommt immer mehr unter Druck. Kann der republikanische Spitzenreiter und prominente Afroamerikaner seine Bewerbung noch aufrechterhalten?

Der 65-Jährige hat alle Vorwürfe bisher entschieden zurückgewiesen. Es handele sich um eine "Hexenjagd" und eine "Schmutzkampagne". Man versuche, seine Bewerbung um die Präsidentschaftskandidatur der Republikaner und ihn persönlich zu "zerstören". Schon am Montag hatte er erklärt, dass es in den neunziger Jahren eine Untersuchung des Gaststättenverbands wegen der Anschuldigungen gegen ihn gegeben habe. Ergebnis: Sie seien "gegenstandslos".

Steckt Perrys Team hinter den Vorwürfen?

Allerdings, das räumte Cain mittlerweile ein, wurde in den von "Politico" veröffentlichten Fällen eine Abfindung gezahlt. Die Frauen verließen den Verband und unterzeichneten eine Schweigeerklärung. Der Anwalt einer der Frauen hatte gerade um die Auflösung dieser Vereinbarung gebeten, damit seine Mandantin Stellung nehmen kann - doch am Mittwochabend machte sie einen Rückzieher. Warum? "Ich bin zu müde, um zu sagen warum", erklärte sie gegenüber der "Washington Post".

Cain zeigt mittlerweile keine Spur mehr von Stärke und Klarheit. Warum aber tauchen die Vorwürfe just in dem Moment auf, in dem er sein Umfragehoch hat? Er selbst verdächtigte erst die liberalen Medien - und jetzt das Lager seines Kontrahenten Rick Perry. Einst Spitzenreiter, ist der texanische Gouverneur während der vergangenen Wochen in den Umfragen abgestürzt. Seine Verluste, da sind sich die Experten einig, kamen Cain zugute.

"Wir haben das bis zum Wahlkampfteam von Perry zurückverfolgen können. Die haben das aufgebracht, um mich zu diskreditierten", wird Cain von "Politico" und weiteren Medien zu den Vorwürfen zitiert.

Tatsächlich gibt es einige Verbindungen zwischen Perrys Umfeld und den Beschuldigungen gegen Cain: Neben den drei Frauen ist es auch ein früherer Angestellter des Gaststättenverbands, der den Präsidentschaftsbewerber belastet. Es handelt sich um einen Mann namens Chris Wilson. Der gab bei einem regionalen Radiosender zu Protokoll, dass Cain in den späten neunziger Jahren eine Frau in einem Restaurant in Arlington bei Washington belästigt habe. Er sei Augenzeuge.

Wie es der Zufall will, ist Wilson ein Meinungsforscher in Diensten der Perry-Kampagne.

Cain und Co. wollen noch einen weiteren Bösewicht ausgemacht haben: Curt Anderson. Dieser Mann, vor Jahren politischer Berater des "Hermanators", sei die Quelle für die "Politico"-Story über die ersten beiden Frauen vom vergangenen Sonntag, vermutet Cain. Auch Anderson ist mittlerweile ein Unterstützer des Texaners Perry. Doch der Verdächtigte weist den Vorwurf weit von sich: Er habe nichts von diesen Anschuldigungen gegen Cain gehört, bevor er sie in der Presse gelesen habe, sagte Anderson "Politico".

Klar ist: Würde Cain aus dem Rennen ausscheiden, wäre Perry einer der großen Profiteure. Im ersten und besonders wichtigen Vorwahl-Staat Iowa führt Cain derzeit in den Umfragen vor Ex-Massachusetts-Gouverneur Mitt Romney. Er bindet offenbar jene konservativen Republikaner, die auch Perry gewinnen will.

Und nun? Perrys Leute weisen den Verdacht von sich. "Keiner von uns war in irgendeiner Weise in diese Story involviert", erklärte ein Sprecher Perrys. Aber Romney habe doch einige Unterstützer im Gaststättenbereich. Die knappe Reaktion von Romneys Sprecher auf den Verdacht, hinter den Veröffentlichungen zu stecken: "unwahr".

Und so schieben sich die Kandidaten Cain, Perry und Romney die Schuld zu. In der kommenden Woche müssen sie alle wieder antreten zu einer neuerlichen TV-Debatte in Washington. Eigentlich soll es da um Außenpolitik gehen.

Das wird aber sicherlich nicht der einzige Themenbereich bleiben.

insgesamt 29 Beiträge
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Jonny_C 03.11.2011
1. Wenn man nichts hat.....
....um jemanden ans Zeug zu flicken, sexuelle Belästigung geht immer. Vor allem in den USA ! Ein "schlüfriger Witz", eine "anzügliche Bemerkung" wird da sofort als sexuelle Belästigung ausgelegt. Dafür gibt es (leider) hunderte Beispiele. Ich mag Mr. Caine nicht, aber was da wieder passiert ist "krank"......
stefanaugsburg 03.11.2011
2. .
Sexuelle Belästigung scheint im prüden Amerika mittlerweile ein Dauerbrenner zu sein, wenn man unliebsamen Konkurrenten an den Karren fahren will. Nur seltsam, daß diese Vorwürfe immer genau dann auftauchen, wenn irgendein 'Wettbewerb' in die heiße Phase geht und man damit Schmutz aufwirbelt - und wenn es nur eine Rufschädigung ist.
sampleman 03.11.2011
3. Ich bin gespannt...
... wann die USA ihren Fall Guttenberg bekommen. Das Irritierende an Guttenberg war ja nicht, dass er seine Doktorarbeit gefälscht hat (da dürfte er in der Union beileibe nicht der einzige sein), sondern dass er trotz seiner erkennbaren Defizite sehr lang eine extrem hohe Popularität halten konnte. Ich bin ziemlich sicher, dass Guttenberg heute noch im Amt wäre, wenn er es ein wenig (ein wenig nur) geschickter angestellt hätte. Was uns Europäer an vielen US-Präsidentschaftskandidaten ja irritiert, das sind zwei Dinge: Erstens die von uns vermutete Ahnungslosigkeit in Themen, die uns wichtig erscheinen und zweitens die Angreifbarkeit bei "Sünden", die uns lässlich erscheinen. Ein Horst Seehofer etwa wäre vermutlich in den USA schon längst weg vom Fenster. Mal sehen, wann die Amis merken, dass es nicht wichtig ist, was einer vor 15 Jahren mal angeblich getan hat, sondern was er heute tun kann. Und womöglich - wie bei Guttenberg - kommt dann ein Kandidat sehr, sehr weit, der mit allen Regeln des US-Politikbetriebes bricht. Ich weiß noch nicht, ob ich mich auf diesen Tag freue.
mimas1789 03.11.2011
4. Wenn man mit Scheiße beworfen wird,
kann man sich waschen bis man sauber ist. Aber stinken wird man dennoch. Klassisches Prinzip um seinen Gegner zu diskreditieren.
Thrillhouse0580 03.11.2011
5. .....
Schlimm, was da drüben los ist. Wenn denen nichts mehr einfällt, geht´s direkt unter die Gürtellinie. Zum Glück sind wir von solchen abartigen Zuständen (noch) weit entfernt.
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