US-Präsidentschaftswahl McCain ernennt Alaskas Gouverneurin Palin zur Vize-Kandidatin

Überraschung in den USA: John McCain hat sich für Sarah Palin als Vize-Kandidatin für die US-Präsidentschaftswahl entschieden. Die 44-jährige Gouverneurin von Alaska gilt als zupackend, beliebt - und stramm konservativ.


Washington - McCains Wahl ist eine große Überraschung. Sie war zuletzt nicht unter den möglichen Vize-Kandidaten, die Beobachter in die engere Wahl genommen hatten. Sarah Palin ist landesweit kaum bekannt.

Palin war erst im Laufe des Tages in den Mittelpunkt der Spekulationen gerückt, nachdem ein Privatflugzeug aus Alaska nahe Dayton gelandet war. Zuvor hatten US-Medien berichtet, dass der frühere Gouverneur von Massachusetts, Mitt Romney, und der Gouverneur von Minnesota, Tim Pawlenty, aus dem Rennen seien. Beide galten als aussichtsreiche Anwärter für den Vize-Posten.

Noch vor der Bekanntgabe der Entscheidung hatten Berater aus McCains Wahlkampfteam der "New York Times" gesagt, Palin sei politisch zu unerfahren, um Vize-Kandidatin zu werden. Eine Wahl Palins würde einen der zentralen Kritikpunkte McCains an seinem Kontrahenten Obama - nämlich eben dessen politische Unerfahrenheit - entkräften.

Im McCains offiziellem Statement zur Ernennung Palins heißt es dazu: "Gouverneur Palin ist eine energische Führungskraft, die während ihrer Amtszeit zur Genüge bewiesen hat, dass sie bereit dafür ist, Präsidentin zu sein." Auch auf Barack Obamas stete Forderung nach Veränderungen in Washington ging McCain in der Stellungnahme ein. "Sie (Palin) hat unter ihrer Regierung Republikaner und Demokraten einander näher gebracht und ist bekannt für den Wandel und die Reformen, die wir in Washington jetzt brauchen." Andere hingegen würden diesbezüglich nur Reden schwingen, sagte McCain.

Palin bringt zudem Eigenschaften mit, die dem Senator aus Arizona im Rennen ums Weißen Haus durchaus helfen können: Die Mutter von fünf Kindern gilt als stramm konservativ, ist entschiedene Abtreibungsgegnerin und auf Lebenszeit Mitglied der Waffenlobby NRA, was bei der republikanischen Basis gut ankommt. Zugleich genießt die erste weibliche Gouverneurin Alaskas einen Ruf als Reformerin und entschiedene Kämpferin gegen Korruption. Den riesigen Staat im äußersten Nordwesten regiert sie erst seit 2006.

Basketball mit "Sarah Barracuda"

Als zupackend gilt Sarah Palin auch: Ihren Spitznamen "Sarah Barracuda", den sie wegen ihrer aggressiven Spielweise im Basketball-Team an der Highschool bekam, benutzen politische Gegner noch heute. Sie geht in der Wildnis ihres Bundesstaats jagen, auch Elche, fischen und läuft Langstreckenrennen.

Mitte der achtziger Jahre gewann Palin einen Schönheitswettbewerb. "Sie sieht immer noch großartig aus", schrieb unlängst die renommierte Polit-Website realclearpolitics.com. "Und höllisch schlau ist sie auch." Eine Mischung, die sie bei dem Menschen in Alaska höchst beliebt macht: Palin kommt auf Popularitätswerte von um die 80 Prozent.

1964 im US-Staat Idaho geboren, zog ihre Familie nach Alaska, als Sarah Palin noch ein Kleinkind war. Sie studierte Journalismus und Politikwissenschaften. In ihrer Heimatstadt Wasilla wurde Palin Bürgermeisterin, dann übernahm sie den Posten als Ethikbeauftragte von Alaskas Öl- und Gaskommission, die die Ausbeutung der Bodenschätze verwaltet. In dieser Position deckte sie mehrfach Interessenkonflikte von Mitgliedern des Gremiums auf.

McCain und Palin treten am 4. November bei der US-Präsidentschaftswahl gegen die beiden Demokraten Barack Obama und Joe Biden an.

ffr/dpa/AP/Reuters/AFP



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