Kampf ums Weiße Haus Perfide Debatte um Hillarys Hirn

Ist sie fit? Was war da mit ihrer Schädelverletzung? Und der Fall Lewinsky? Frühzeitig mühen sich die Republikaner, Hillary Clintons Aussichten auf die US-Präsidentschaftskandidatur 2016 zu schmälern. Eine Strategie mit Risiko.

Ex-Außenministerin Clinton: "Hard Choices"
AP

Ex-Außenministerin Clinton: "Hard Choices"

Von , Washington


Es sind jetzt exakt 908 Tage bis zur Präsidentschaftswahl im November 2016. Also noch ein bisschen hin. Einerseits.

Andererseits zeichnet sich bereits ab, dass Hillary Clinton mit hoher Wahrscheinlichkeit die Kandidatin der Demokraten sein wird - wenn, ja, wenn sie denn will. Noch hat sie sich nicht erklärt. In parteiinternen Umfragen kommt sie regelmäßig auf rund 70 Prozent, während der momentan zweitplatzierte Joe Biden, immerhin US-Vizepräsident, nur 14 Prozent erreicht. Am 10. Juni kommt Clintons Autobiografie auf den Markt: "Hard Choices". Neuerliche Aufmerksamkeit ist garantiert.

Der Hillary-Hype besorgt die Gegner, längst basteln sie an der Anti-Clinton-Taktik. Nach dem Motto: Wer rechtzeitig politisch vorsorgt, der muss sich später nicht grämen. Hier sind die aktuellen Top 3 der republikanischen Kritik:

Hillary Clinton mit umstrittener Brille, im Januar 2013
AP

Hillary Clinton mit umstrittener Brille, im Januar 2013

No. 1: Ist Clinton eigentlich fit genug?

  • Karl Rove, einst Großstratege in Diensten von George W. Bush, brachte diese Frage in den vergangen Tagen aufs Tapet. Clinton, damals noch US-Außenministerin, war Ende 2012 wegen eines Blutgerinnsels zwischen Schädeldecke und Gehirn - die Folge einer Gehirnerschütterung - ins Krankenhaus eingeliefert worden; noch Wochen danach musste sie eine Brille mit dicken Gläsern tragen. Manche Republikaner unterstellten Clinton Täuschung, weil sich ihre Aussage zur Terrorattacke auf die US-Vertretung im libyschen Bengasi dadurch verzögerte.

  • Am Montag nun zitierte eine New Yorker Boulevardpostille Karl Rove mit den Worten: "Tragen diese Brillen nicht nur Leute, die eine traumatische Hirnverletzung haben? Wir müssen wissen, was es damit auf sich hat." Rove selbst wies das zurück, er habe nichts von einem Schädel-Hirn-Trauma gesagt. Allerdings blieb er dabei, dass Clintons Kopfverletzung eine "ernstliche Krankengeschichte" gewesen sei, die in einem Präsidentschaftswahlkampf thematisiert werden müsse.

  • Die Gegenreaktion der Demokraten war prompt und heftig. Obama-Sprecher Jay Carney witzelte über "Dr. Rove", Clinton-Sprecher Nick Merrill würzte nach: Seine Chefin sei zu 100 Prozent fit, die Republikaner hätten nur "Angst vor dem, was Hillary anzubieten hat". Und schließlich Bill Clinton: "Erst haben sie ihr vorgehalten, sie habe die Gehirnerschütterung nur vorgetäuscht; und jetzt heißt es, sie bewerbe sich für eine Rolle in 'The Walking Dead'". Der Gatte beeilt sich zu versichern: "Sie macht jede Woche Sport, sie ist stark, ihr geht es toll."

Monica Lewinsky, im Juli 1998
REUTERS

Monica Lewinsky, im Juli 1998

No. 2: Die Affäre Lewinsky

  • Lewinsky und Clinton - diese Namen gehören einfach zusammen. Dass allerdings nicht Hillary, sondern Bill die berühmteste Affäre der US-Geschichte hatte, das scheint zumindest für den Republikaner-Senator Rand Paul keine ganz so große Rolle zu spielen. Anfang des Jahres hatte er, der ebenfalls mit einer Präsidentschaftskandidatur kokettiert, die Lewinsky-Affäre zum "Faktor" im Wahlkampf erklärt, sollte Clinton antreten. Paul empörte sich darüber, dass man seiner Partei einen "Krieg gegen die Frauen" unterstelle, während Bill Clinton in den Neunzigern das "Verhalten eines Raubtiers" an den Tag gelegt habe.

  • Mittlerweile hat sich Lewinsky nach mehr als zehn Jahren zu Wort gemeldet: Natürlich sei sie vom Präsidenten ausgenutzt worden, "aber es war eine Beziehung im gegenseitigen Einverständnis", schreibt sie in "Vanity Fair". Es sei an der Zeit, damit aufzuhören, "auf Zehenspitzen um meine Vergangenheit und um die Zukunft von anderen Leuten zu schleichen". Die Zukunft der anderen: Damit meint sie Hillary Clintons Zukunft. Die kann von Lewinskys neuerlichen Bekenntnissen nur profitieren, denn das Thema ist jetzt schon frühzeitig ziemlich durch.

Brennende US-Vertretung in Bengasi am 11. September 2012
REUTERS

Brennende US-Vertretung in Bengasi am 11. September 2012

No. 3: Bengasi-Ausschuss

  • Seit nunmehr 20 Monaten halten die Republikaner eine Debatte um die islamistische Terrorattacke auf Amerikas diplomatische Vertretung in Bengasi am Köcheln. Doch nach 13 öffentlichen Anhörungen und 25.000 Blatt veröffentlichten Dokumenten wird kaum mehr Neues herauskommen. Die Sicherheitsmaßnahmen, so geht es aus einem Untersuchungsbericht hervor, waren nicht ausreichend. Clinton hat dafür die politische, nicht aber die persönliche Verantwortung übernommen.

  • Jüngst haben die Republikaner einen Spezial-Ausschuss im Repräsentantenhaus eingerichtet, der die Vorfälle erneut untersuchen soll. Ziel ist es unter anderem, vermeintliche Belege dafür zu finden, dass Clinton über die mangelhafte Sicherheitssituation in Bengasi im Vorhinein informiert war; und dass im Nachhinein angeblich vertuscht werden sollte, dass es sich um eine Terrorattacke handelte. Erfolgsaussichten dieser Strategie: minimal.

Fazit: Die Republikaner überziehen - und nehmen sich die Chance auf wirklich zündende Kritik. Denn natürlich ist Clintons Bilanz als Außenministerin zu hinterfragen; auch ihr Alter sollte Thema sein, schließlich wäre sie mit 69 Jahren bei Amtsantritt älter als all ihre Vorgänger, außer Ronald Reagan.

Doch bei den Konservativen herrscht nichtmal Einigkeit. So wurde Karl Rove wegen seiner Gesundheitsspekulation von Ex-Oppositionsführer Newt Gingrich kritisiert; Rove wiederum hat sich Rand Paul wegen der Lewinsky-Sache vorgeknöpft; und den Bengasi-Ausschuss scheint Washingtons Chefrepublikaner John Boehner seinen Rechtsaußen-Parteifreunden allein deshalb genehmigt zu haben, um sie zu befrieden. Boehner selbst hat zu Protokoll gegeben, dass er versuche, seinen Freund Jeb Bush von einer Präsidentschaftskandidatur zu überzeugen.

Der moderate Bush als Gegner - das wäre dann tatsächlich mal eine ernstzunehmende Herausforderung für Hillary Clinton.

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US-Präsidentschaftswahl 2016

Sollte Hillary Clinton die Kandidatur der Demokraten anstreben?

insgesamt 22 Beiträge
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Seite 1
radeberger78 16.05.2014
1. Die Präsidentenberater
Zitat von sysopAPIst sie fit? Was war da mit ihrer Schädelverletzung? Und der Fall Lewinsky? Frühzeitig mühen sich die Republikaner, Hillary Clintons Aussichten auf die US-Präsidentschaftskandidatur 2016 zu schmälern. Eine Strategie mit Risiko. http://www.spiegel.de/politik/ausland/us-praesidentschaftswahlen-2016-republikaner-gegen-hillary-clinton-a-969427.html
werden ab 2016 jede Menge zutun haben, die beneide ich nicht, Frau Clinton ist ein echter Hardliner ... Kompromisse macht die bestimmt nicht gerne.
Knallerbsin 16.05.2014
2.
Zitat von sysopAPIst sie fit? Was war da mit ihrer Schädelverletzung? Und der Fall Lewinsky? Frühzeitig mühen sich die Republikaner, Hillary Clintons Aussichten auf die US-Präsidentschaftskandidatur 2016 zu schmälern. Eine Strategie mit Risiko. http://www.spiegel.de/politik/ausland/us-praesidentschaftswahlen-2016-republikaner-gegen-hillary-clinton-a-969427.html
Jaja, wenn man keine inhaltlichen Argumente hat, wird's persönlich. Hoffentlich fällt das auf die Republikaner selbst zurück. Wäre ich in Ms. Clintons Alter, würde ich mir den Wahlkampf mit möglicherweise anschließenden Präsidentinnenschaft nicht antun, aber sie muss das für sich selbst entscheiden.
gekkox 16.05.2014
3. Wie nennt man das?
Wechselmonarchie? Rotationsmonarchie? Da ist ja sogar die kath. Kirche bei der Papstwahl demokratisch.
abraxas63 16.05.2014
4.
Zitat von sysopAPIst sie fit? Was war da mit ihrer Schädelverletzung? Und der Fall Lewinsky? Frühzeitig mühen sich die Republikaner, Hillary Clintons Aussichten auf die US-Präsidentschaftskandidatur 2016 zu schmälern. Eine Strategie mit Risiko. http://www.spiegel.de/politik/ausland/us-praesidentschaftswahlen-2016-republikaner-gegen-hillary-clinton-a-969427.html
Früher schätzte ich sie mal, aber mittlerweile mache ich mir wirklich sorgen, denn sie ist eine absolute Hardlinerin geworden. Ihre Außenpolitik war einfach nur furchtbar.
Jourhiver 16.05.2014
5. Schon peinlich...
wie die Amerikaner die Art ihres Wahlkampfes gestalten. Jemanden "ob irgendwas seines selbst" zu diffamieren ist mehr als nur schlechter Stil!
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